Wirts­chaft­liche Lage der Pla­nung­sbü­ros wei­ter sta­bil

Erneut schätzen die Planungsbüros ihre wirtschaftliche Lage als erstaunlich resilient ein. Das bestätigt die aktuelle KOF-Konjunkturumfrage. Dennoch können sie sich nicht entspannt zurücklehnen – denn die Inflation betrifft alle, aber vielleicht anders als gedacht.

Date de publication
29-11-2022

Die letzte Konjunkturumfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) von diesem Jahr zeigt, dass die Planungsbüros ihre wirtschaftliche Lage im Grossen und Ganzen als stabil beurteilen. Gemäss den Ergebnissen der Umfrage vom Oktober 2022 bewerten immer noch 58 %, und damit die Mehrheit der befragten Büros, ihre Geschäftslage zurzeit als gut, obwohl sie ihr Urteil über die gegenwärtige Geschäftslage im Vergleich zur Befragung im Juli leicht nach unten revidieren.

Ebenfalls verglichen mit der Juli-Einschätzung hat sich die Einschätzung über die erbrachten Leistungen stabil gehalten. Zudem revidieren die Büros ihr Urteil über die Entwicklung der Ertragslage nochmals nach oben: 18 % berichten, dass sich die Ertragslage in den letzten drei Monaten verbessert hat, und weitere 73 % melden eine stabile Ertragslage.

Des Weiteren zeigen sich die Büros nun zufriedener mit der Entwicklung der Nachfrage und den Auftragsbeständen in den vergangenen drei Monaten als noch im dritten Quartal 2022. Dennoch gibt es einen Wermutstropfen in der insgesamt sehr soliden Einschätzung: Die zu tiefe Beschäftigtenzahl wird zu einem brennenden Thema, und die Unzufriedenheit darüber steigt. Ganze 60 % der Befragten nennen den Arbeitskräftemangel als Leistungshemmnis, was einer weiteren
Verschärfung gegenüber dem Vorquartal entspricht (drittes Quartal 2022: 57 %).

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Die Erwartungen der Büros bezüglich der künftigen Entwicklung im Planungssektor hellen sich im Ok­tober insgesamt nochmals leicht auf. Somit rechnen 13 % mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, mehr als 80 % mit keiner Veränderung und 5 % mit einer Verschlechterung.

Gleichzeitig werden sie auch zuversichtlicher hinsichtlich der Entwicklung ihrer Ertragslage in den nächsten drei Monaten. Während sich die Erwartungen bezüglich der künftigen Nachfrage gegenüber der Befragung im Juli nicht weiter aufhellen, werden die Büros in ihrer Einschätzung über die zu erbringende Leistung in den nächsten drei Monaten zuversichtlicher. Die Aufwärtstendenz in den Preiserwartungen der Büros setzt sich fort: 19 % der Büros rechnen mit steigenden, 72 % mit gleichbleibenden und 9 % mit sinkenden Preisen in den nächsten drei Monaten.

Beschäftigungszahl in Architekturbüros zu tief

Im Oktober sind die Architekturbüros hinsichtlich der gegenwärtigen Geschäftslage nochmals weniger zuversichtlich als im Juli. Gemäss ihrer Einschätzung hat sich der Auftragsbestand in den letzten drei Monaten verhaltener entwickelt als noch im Sommer.

Die Büros berichten im vierten Quartal zudem, dass die Ertragslage in den vergangenen drei Monaten nochmals schwächer geworden ist als davor. Trotz dem gedämpften Urteil über die aktuelle Lage hellen sich die Erwartungen der Büros in Bezug auf die kommenden Monate auf. Für die Geschäftslage, die zu erbringende Leistung, die Beschäftigtenzahl, die Preise und die Ertragslage in den nächsten Monaten sind die Architekturbüros im Vergleich zur Befragung im Juli optimistischer.

Drastisch abwärts revidiert wird aber die Entwicklung der Beschäftigtenzahl in den letzten drei Monaten: Das heisst, dass die Beschäftigtenzahl der Büros in den letzten drei Monaten insgesamt zurückgegangen ist, obwohl die Zahl der Beschäftigten in den Architekturbüros bereits seit Längerem als deutlich zu tief beurteilt wird.

Unveränderte Geschäftslage der Ingenieurbüros

Im Oktober belassen die Ingenieurbüros ihr Urteil bezüglich der gegenwärtigen Geschäftslage und der Entwicklung der erbrachten Leistung in den letzten drei Monaten unverändert. Dagegen hellt sich ihre Einschätzung der jüngsten Entwicklung der Nachfrage und ihrer Auftragsbestände im Vergleich zur Befragung im Juli nochmals auf.

Ebenfalls verglichen mit der Befragung im Juli passen sie ihre Erwartungen für die kommenden Monate nur leicht an. Lediglich bei der erwarteten Entwicklung ihrer Beschäftigtenzahl werden die Büros deutlich optimistischer. Ungeachtet dessen erwähnen 63 % im vierten Quartal den Arbeitskräftemangel als eines ihrer gegenwärtigen Leistungshemmnisse (drittes Quartal 2022: 61 %).

Im Hinblick auf die Entwicklung der Nachfrage und der Ertragslage in den nächsten drei Monaten trüben sich die Erwartungen der Büros im Oktober ein. Indes ziehen die Preiserwartungen bei den Ingenieurbüros weiter an.

Die Teuerung von 3 % ist relativ

An der Börse sind Verwerfungen der neue Normalfall, die Inflation in der Eurozone ist auf einem noch nie dagewesenen Hoch, und Europa zittert buchstäblich vor dem kommenden Winter. Einzig – so scheint es – der Schweizer Planungssektor lässt sich von den wirtschaftlichen Turbulenzen nicht gross beeindrucken.

Aber die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sind davon beeindruckt. «Die Haushalte erachten ihre finanzielle Lage als mies», titelte letzthin die «Handelszeitung». Der Index der Konsumentenstimmung hat dann im Oktober laut dem Sekretariat für Wirtschaft Seco auch den tiefsten Stand seit Beginn der Umfrage im Jahr 1972 erreicht.

Jetzt könnte man natürlich die oft verwendete Aussage bemühen, dass die Schweiz mit einer Inflation von nur 3 % verglichen mit anderen Ländern immer noch gut unterwegs ist und sie fast schon eine glückselig teuerungsbefreite Insel ist. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn die Krankenkassenprämien sind beispielsweise in der Berechnung der Teuerung nicht enthalten – ihr Kostenanstieg liegt bei einem Durchschnittswert von 6.6 % für das kommende Jahr.

Auch geht die Teuerungsberechnung bei der Miete davon aus, dass sie bei allen Menschen 20 % der Ausgaben ausmacht. Das ist aber bei Weitem nicht so. Bei Geringverdienern beispielsweise beträgt dieser Anteil im Durchschnitt etwa einen Drittel. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Berechnung der Teuerung von 3 % relativ ist. Für viele Schweizerinnen und Schweizer ist die Teuerung darum um ein Viel­faches höher.

Mythos Lohn-Preis-Spirale?

Wenn die Haushalte ihre finanzielle Lage als mies erachten, ist das mies. Sie konsumieren somit weniger und schieben grössere Anschaffungen auf. Je stärker die Kaufkraft aber schrumpft, desto höher ist der Schaden für die Wirtschaft, weil dann der Umsatz von Unternehmen schrumpft. Das Worst-Case-Szenario: tiefere Löhne und allenfalls Entlassungen von Beschäftigten.

Die Lösung für diese Misere liegt eigentlich auf der Hand – mehr Lohn. Doch das ruft die Warner mit der unterdessen viel zitierten Lohn-Preis-Spirale auf den Plan. Das «Gabler Wirtschaftslexikon» bezeichnet die Lohn-Preis-Spirale als einen «Aufschaukelungseffekt zwischen Lohnerhöhungen auf der einen und Preiserhöhungen auf der anderen Seite aufgrund dauernder Anpassungsreaktionen von Haushalten und Unternehmen an eine inflationäre Entwicklung». Das ist aber nicht die Ursache der Inflation, sondern eine dauernde Anpassungsreaktion auf eine inflationäre Entwicklung, die dadurch weiter verstärkt wird.

Ob die Lohn-Preis-Spirale in der aktuellen wirtschaftlichen Situation eine Gefahr oder ein zu vernachlässigender Umstand ist, ist auch bei Wirtschaftswissenschaftlern umstritten. Gleichwohl darf bei dieser Diskussion nicht vergessen werden, dass es erstens auf das richtige Mass von Lohnerhöhungen ankommt. Und zweitens, dass es sich hier um eine angebotsgetriebene Inflation handelt – die Teuerung ist vor allem auf die hohen Energiepreise und die unterbrochenen Logistikketten zurückzuführen.

Vielleicht liegt die Lösung des Problems wie so oft in der goldenen Mitte. Will heissen: Unternehmen und Haushalte beziehungsweise Mitarbeitende gehen jeweils einen Schritt aufeinander zu. So sieht es auch Philip R. Lane, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank EZB: Er hält es für notwendig, dass sowohl Unternehmen auf Gewinne verzichten als auch Angestellte Reallohneinbussen hinnehmen müssen, um die Inflation einzudämmen.

Berechnung der Preisentwicklung in der Schweiz: In der Schweiz wird die Inflationsrate über den Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) gemessen. Der Index misst die Preisentwicklung der für die privaten Haushalte bedeutsamen Waren und Dienstleistungen anhand des sogenannten Warenkorbs. Der Warenkorb umfasst zwölf Produktegruppen, die nach ihrem Anteil an den Konsumausgaben gewichtet sind. Die Produktegruppen wiederum enthalten total 1175 Typen von Waren und Dienstleistungen.

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