Der Erneuerer des SIA

In neun Jahren voller Elan und Tatendrang hat er viel bewegt: SIA-Präsident Stefan Cadosch dankt dem scheidenden Geschäftsführer Hans-Georg Bächtold.

Stefan Cadosch Architekt, Präsident des SIA

Der SIA hatte sich gerade daran gemacht, eine grund­legende Überprüfung und Optimierung seiner Organisation vorzunehmen, sprich, sich in recht unruhige Gewässer zu begeben, da übernahm Hans-Georg Bächtold im Juni 2009 das Ruder auf der Brücke des mächtigen Dampfers – er trat die Nachfolge von Eric Mosimann als Geschäftsführer unseres Vereins an.

Als wäre der SIA an sich nicht schon Herausforderung genug, übernahm er das Steuer also auch noch zu einem Zeitpunkt, als unser Verein gerade recht hin und her wogte. Ein Wurf ins kalte Wasser also, wie er im Buche steht. Doch Hans-­Georg meinte damals nur: «Das ist einfach so. Wenn man eine neue Stelle antritt, dann ist das wie beim Start zu einem 100-Meter-Lauf. Dann heisst es ‹auf die Plätze, fertig, los›. und dann muss man einfach mal so schnell wie möglich semmeln.»

Vereinspolitisches Feingespür

Mit seinem aussergewöhnlichen Einsatzgeist, seiner grossen Hingabe für unseren Verein, mit seinem exzellenten vereinspolitischen Feingespür und nicht zuletzt seinem für die Baukultur der Schweiz schlagenden Herz führte er in der Folge nicht nur die Organisationsentwicklung des SIA just zu dessen 175-jährigem Jubiläum zu einer erfolgreichen Statutenrevision; nein, er hatte auch in den Jahren danach massgebenden Anteil daran, dass der SIA zu dem wurde, was er heute ist: eine dyna­mische und aktive Gemeinschaft, die in der letzten Dekade enorm an Bedeutung, Einfluss und Wirkung dazugewonnen hat und um 1700 neue Mitglieder gewachsen ist.

SIA wird zum politischen Player

In den zehn Jahren seiner Geschäftsführung forcierte Hans-Georg mit den Mitarbeitenden in der Geschäfts­stelle allem voran das sachpolitische Engagement des SIA. Im Er­gebnis verfügt unser Verein heute wieder über Bande in die Politik, wie er sie letztmals vielleicht noch in den 1970er-Jahren hatte – allerdings selbst damals nicht in dieser Anzahl und Dichte. Für diese Bande stehen direkte Drähte zu den Bundesräten Doris Leuthard, Alain Berset und Johann Schneider-Ammann, gute Beziehungen zu diversen National- wie Ständeräten und konkrete Projekte mit diversen Bundesämtern, zuvorderst diejenigen für Kultur, für Raumentwicklung und für Energie.

Zu den wichtigsten in einer ganzen Reihe der vom SIA miterwirkten politischen Erfolgen in der Zeit von Hans-Georg zählen 2013 das Volks-Ja zur Revision des Raumplanungsgesetzes, 2016 die erstmalige vollumfängliche Integration der Baukultur in die Kulturbotschaft und schliesslich 2017 das Ja zum revidierten Energiegesetz und damit zur Energiestrategie 2050.

Offensive der Aussendarstellung

Und «so ganz nebenbei» hat er mit den Mitarbeitenden stetig die Strukturen und Prozesse auf der Geschäftsstelle optimiert, hat mit ihnen das Normenwerk des SIA ­ elaboriert, das Fort- und Weitbildungsangebot angereichert sowie die Kommunikationsaktivitäten intensiviert und professionalisiert. Ganz konkret hat er mit der Geschäftsstelle erfolgreich fünf Swissbau-Teilnahmen, drei Umsicht-Auszeichnungen, die Wanderausstellung «Darum Raumplanung», das 175-jährige Jubiläum, die World Engineers Convention, die Fernsehreihe sowie das Buch «Die Schweiz bauen» und manch andere Anlässe, Projekte und Publikationen mehr realisiert.

Nur ein Projekt, in das er zuletzt gleichfalls enorm viel Zeit, Arbeit und Herzblut gesteckt hat, ist ihm von mir und meinen Kol­legen und Kolleginnen im Vorstand verwehrt geblieben: das For­schungs­projekt «Die Schweiz 2050». Das tut mir bis heute leid. Die Arbeiten am Projekt einzustellen war aber trotz allem der richtige Entscheid. Ein den gesamten SIA durchdringendes Commitment ist für das grosse Unterfangen nie zustande gekommen, und als Folge davon gelang uns auch die Finanzierung durch Drittmittel nicht. Das hat den Vorstand schliesslich dazu bewogen, das Projekt zu stoppen. Ich weiss aber erstens, dass Hans-Georg den Entscheid des Vorstands versteht und mitträgt – wie er das hochloyal und professionell zuvor immer getan hat – und dass er zweitens eh schon lang wieder positiv vorwärts schaut.

«Die Zukunft wird so aussehen, wie wir sie gestalten.» Diese Worte von Jean Fourastié hat Hans-Georg zuletzt häufig in seinen Schriften und Referaten zitiert. Mit seinem damit zum Ausdruck kommenden entschlossenen Gestaltungswillen hat Hans-Georg den SIA in den vergangenen zehn Jahren geprägt. Was er geleistet und wie er unseren Verein vorwärts gebracht hat, verdient höchsten Respekt. Persönlich, im Namen des Vorstands, ja des gesamten SIA, danke ich Hans-Georg Bächtold von ganzem Herzen für all das, was er geleistet hat. Auf seinem hoffentlich noch langen, sicherlich auch weiterhin aktiven Lebensweg wünsche ich ihm viel Erfolg und alles Gute.
 

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