Sa­me sa­me but dif­fe­rent

Beim Bauen in der Schweiz stehen deutschen Architekturbüros einige ­Hindernisse im Weg. Dafür braucht die Beteiligung von Schweizer Planern an ­Wettbewerben in Deutschland eine besondere Motivation. ­Die kulturellen Unterschiede zeigten sich in einem Fachgespräch in Berlin.

 

Publikationsdatum
30-08-2018
Revision
30-08-2018

Chancen und Hemmnisse der grenzübergreifenden Planungstätigkeit zu kennen ist von Vorteil, wenn man im Ausland als Architekt tätig sein will. Bereits im September 2017 fand in Zürich eine Veranstaltung mit dem Titel «same same but different» statt. Mit dem Ziel, den Fachdialog fortzusetzen, trafen sich am 26. Juni 2018 rund 20 Personen zum zweiten Treffen in Berlin. Organisiert wurde der Anlass von der SIA Sektion International, dem Netzwerk Architekturexport (NAX) und der deutschen Bundesarchitektenkammer. Zum Workshop ein­geladen waren Planerbüros mit Bautätigkeiten im nachbarlichen Ausland, sei es in der Schweiz oder in Deutschland.

Warum man den Schritt ins Ausland wagt

Simon Hubacher von SIA Interna­tional und Mitinhaber des Büros neubighubacher moderierte das Gespräch, das in bewusst kleinem Rahmen stattfand, um der persönlichen Sichtweise der einzelnen Teilnehmenden Raum zu geben. Nach eingehendem Austausch zeichnete sich eine Übereinstimmung ab, warum und wie man den Schritt ins Ausland wagt: Deutsche Büros schätzen in der Schweiz die hohen Löhne und Schweizer Büros in Deutschland die Grösse der Projekte. Für den Entscheid, ins benachbarte Ausland zu expandieren, sind das aber nicht die ausschlaggebenden Faktoren.

An erster Stelle steht eine Geisteshaltung, ein Charakter, der das Neue sucht und die Herausfor­derung liebt. Dan Schürch von Duplex Architekten, Zürich, erklärt: «Ich bin eben lieber ein kleiner Fisch in einem grossen Teich.» Für den Sprung ins Ausland ist es allerdings von Vorteil, wenn man, wie Dan Schürch, schon ein recht grosser Fisch im heimischen Teich ist und Referenzen vorzuweisen hat.

Was kann ich richtig gut?

Zweitens ist für den Erfolg die Selbsterkenntnis zentral. Man macht sich bewusst, was man richtig gut kann, und sucht den Markt dafür. Bei Tom Geister von Sauerbruch Hutton zum Beispiel ist es der Umgang mit Komplexität. Sein Büro nimmt an Wettbewerben mit unkompliziertem Raum­programm gar nicht erst teil.

Drittens führt für alle Büros der Weg ins Ausland über den Wettbewerb. In der Schweiz gibt es offene, anonyme Verfahren, die zwar den Zugang erleichtern, aber die Chancen reduzieren. Um in Deutschland zu einem Wettbewerb einge­laden zu werden, braucht es den Nachweis, dass man diese Aufgabe beherrscht. Deshalb lohnt sich eine Teilnahme an offenen Wettbewerben, bei denen man zwar keine Chance auf den Sieg hat, die aber als Zugang zum anvisierten ein­geladenen Konkurrenzverfahren dient. Nur Büros, die das Scheitern in Kauf nehmen und die damit verbundenen Kosten als Vorleistung erbringen, werden diesen Weg beschreiten können.

Sich nicht täuschen lassen

Führt ein Wettbewerbserfolg zum Projekt, wird mit der Realisierung der kulturelle Kontext zunehmend wichtiger. Zwischen Deutschland und der Schweiz sind Unterschiede in der Architekturproduktion nicht auf den ersten Blick erkennbar. Sich davon täuschen zu lassen und anzunehmen, es sei in beiden Ländern gleich, ist dennoch fatal. In der Schweiz wird jemand, der den Subtext einer Besprechung nicht lesen kann, einfach links liegen gelassen und erhält sicher keinen Folgeauftrag. Bernd Fürst von Nickl Architekten rät, sich einen Vertrauten zu suchen, der einem das Unausgesprochene erklärt. In Deutschland hingegen ist das Dick­icht der Regeln, Vorschriften und Gesetze nur mit grossem Einsatz zu durchschauen.

Welche Werte die Büros beibehalten

Welche traditionellen eigenen Werte im Ausland beibehalten werden, liegt im Ermessen des Einzelnen, sei es die professionelle Protokoll­kultur, die Robert Bräunlin in die Schweiz einführt, oder der unbürokratische Umgang mit der Bauherrschaft, den Dan Schürch mit nach Deutschland nimmt. Mit dem Erfahrungsaustausch zwischen NAX und SIA In­ternational ist ein wichtiger Baustein für das Gelingen des Architektur­exports gelegt. Simon Hubacher erhält die volle Zustimmung der Teilnehmenden, dass dieser Dialog fort­gesetzt werden soll.
 

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