Lang­sam un­ter­wegs

Kolumne

Publikationsdatum
27-03-2019

Ich bin mit dem Auto unterwegs, die Strasse hinauf. Unübersichtliche Kurven im Wechsel mit geraden Teilstücken – mit Gegen­verkehr! Plötzlich sehe ich vor mir nur noch Heuballen. Während ich «Langsamverkehr» denke, beschleicht mich das ungute ­Gefühl, dass dieser Begriff doch irgendwie irreführend ist. In der Schweiz heissen Fortbewegungs­arten so, die mit menschlicher Muskelkraft zu Fuss, auf Rädern oder ­Rollen angetrieben werden. Auf den Fuss- und Velowegen und vor allem dort, wo sie zusammentreffen, begegnen sich eine Vielzahl an Fort­bewegungsmitteln und die ganze Spannweite an möglichen Geschwindigkeiten: Gehstock vs. E-Bike, Inlineskates vs. Rollator. Auf den Strassen suchen sich schnelle Rennvelos den Weg durch langsam ­fahrende Autokolonnen. Oft hört man jetzt auch das synonym ­verwendete «Human powered mobility». Ob das besser passt?

Schlussendlich hilft es nicht weiter, nur den Begriff zu ändern, um die Situation für alle Verkehrsteilnehmer sicherer und angenehmer zu gestalten. Vorerst könnte ich ja den positiv besetzten französischen Begriff «mobilité douce» verwenden, denke ich noch, bevor ich sehe: Die Strasse ist frei. Ich gebe Gas und lasse ­meinen persönlichen Langsamverkehr hinter mir.

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