In­spi­rie­ren­de Vor­bil­der: neue Ar­chi­tek­tur in Nie­der­ös­ter­reich

Der vierte Band der Reihe «Architektur in Niederösterreich» widmet sich auf gelungene und ansprechende Weise Bauten, die dort zwischen 2010 und 2020 fertiggestellt wurden. Die fundierten Projektdarstellungen sind bestens geeignet, um künftige Bauherrschaften zu inspirieren und Planende zu animieren.

Publikationsdatum
26-12-2021

Gelungene Architektur einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bringt hoffentlich noch mehr solcher Ergebnisse hervor. Dieser Wunsch dürfte sich auch hinter der Buchreihe «Architektur in Niederösterreich» verbergen, deren vierter Band mit Bauten von 2010 bis 2020 dieses Jahr erschienen ist. Die vorhergehenden drei Publikationen, die ebenfalls vom Architekturnetzwerk ORTE herausgegeben wurden, beschäftigten sich mit den Jahren 1986 bis 1997, 1997 bis 2007 sowie 2002 bis 2010.

100 Projekte in sieben Kapiteln

Das jüngst erschienene Buch gliedert sich in sieben Kapitel, die sich je einer Bauaufgabe oder ähnlichen Bereichen widmen. Die Bandbreite reicht von Wohnbauten als erster und ausführlichster Abschnitt über Kultur, Information und Sakralbau bis zum Thema öffentlicher Raum und Infrastruktur. Dass auch dieses Thema Einzug gehalten hat, ist zum einen sehr lobenswert, zum anderen zeigt es, dass auch diese Bauwerke zunehmend über ihren reinen Zweck hinaus gedacht und entworfen werden – wenngleich es wohl noch immer schwierig war, gelungene Beispiele zu finden. Äusserst hilfreich sind die Landkarten, die jedem Kapitel vorangestellt wurden und auf denen alle direkt danach vorgestellten Projekte mit dem jeweiligen Ortsnamen eingetragen sind.

Basisinformationen zum Einstieg

Ein einleitender Aufsatz und ein umfangreicher Anhang unter anderem mit einem Verzeichnis der Architektur- und Planungsbüros, weiteren Literaturempfehlungen und einem Ortsregister runden diese gelungene Neuerscheinung ab. Letzteres ist eine sehr sinnvolle Ergänzung zu den Übersichtskarten, da hier kapitelübergreifend alle Bauwerke gebündelt für die einzelnen Orte verzeichnet sind. Der Essay zu Beginn des Buchs ist für all jene besonders interessant, die mit der architektonischen Entwicklung in Niederösterreich weniger vertraut sind. Er legt eine solide Basis, um die Projektbeispiele besser einordnen zu können. Ausserdem werden die Bauten darin noch einmal nach anderen Aspekten wie Holzbau, selbstorganisierte Wohnprojekte und dem Umgang mit leerstehenden landwirtschaftlichen Gebäuden geclustert.

Konzentriert mit wichtigen Details

Dass sich die drei Autorinnen bei den Projektdarstellungen auf das Wesentliche konzentriert haben, zeigt bereits das Layout: Klar, schlicht und gleichzeitig abwechslungsreich werden die Bauwerke mit einem kurzen Text, einer Bautafel, verschiedenen Plänen und Bildern präsentiert. Alle Fotografien sind im Duplexdruck abgedruckt, was den Blick auf das Wesentliche lenkt, wie die Einbettung in die umgebende Landschaft, die  Raumstruktur und Blickbeziehungen innerhalb des Hauses und nach draussen. Die Pläne wurden sauber und eigens für diese Publikation bearbeitet und sind sehr gut lesbar sowie ausgestattet mit Masskette und Nordpfeil.

Eine erste kleine Übersicht bietet die kurze Bautafel mit Angaben wie Jahr der Fertigstellung, Adresse und auch Verweise auf bereits über das Projekt erschienene Artikel und Publikationen. Dies zeigt deutlich, dass es dem Herausgeber um eine Sammlung beispielhafter Architektur auf unterschiedlichen Ebenen ging und nicht um die Eitelkeit einer Erstveröffentlichung.

Für die Leserinnen und Leser ist dies sehr hilfreich, denn so finden sich bei Interesse schnell ausführlichere und tiefergehende Texte, als es dieses Buch leisten kann und will. Die hier versammelten Texte zeugen davon, dass die Autorinnen die Orte entweder gut kennen oder gezielt wichtige Einzelheiten zum Projekt und zur Geschichte des Ortes erfragt haben. In Zeiten von Ressourcenknappheit und Klimawandel wären in den Bautafeln der Wohnbauten unter anderem die Grösse der Nutzfläche und die Anzahl der Bewohnenden als ergänzende Angabe interessant gewesen. Vielleicht wird diesen Themen im sicherlich irgendwann erscheinenden fünften Band mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Bis es so weit ist, sei dieser Band als lesenswerte Lektüre empfohlen.

ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich (Hg): Architektur in Niederösterreich 2010–2020, Park Books, Zürich 2021. 320 S., 542 Duplex-Abbildungen, 361 Pläne und Übersichtskarten, 27.5 x 24 cm, Hardcover, ISBN 978-3-03860-227-9, Fr. 39

 

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