Die Gret­chen­fra­ge

Publikationsdatum
19-03-2020
Tina Cieslik
Redaktorin TEC21 / Architektur und Innenarchitektur

In der Biologie bezeichnet Mimikry die Nachahmung von visuellen, auditiven oder  olfaktorischen Signalen, um sich im täglichen Kampf ums Überleben Vorteile zu sichern. Tradition hat die Materialimitation auch in der Architektur – man denke nur an die aufgemalten Holzmaserungen historischer Interieurs oder die Marmormalereien in barocken Kirchen.

Die klassische Moderne machte dem So-tun-als-ob den Garaus. Unbe­handelt sollten Materialien bleiben, ablesbar die Konstruktion. Eine Haltung, die mich jüngst ins Grübeln brachte. In einem Engadiner Café begegnete ich diesem Bodenbelag. Aussehen: Holz, Material: Textil. 

Was nun davon halten? Das Architektenherz sagt: Geht gar nicht. Das pragmatische Mutterhirn denkt: wenns funktioniert  … Und so schlagen, ach, zwei Seelen in meiner Brust, und wie so oft im Engadin werden aus den kleinen Fragen des Alltags die grossen philosophischen Themen: Wann handelt es sich um formale Stringenz, wann um Engstirnigkeit? Wann ist es ein Fake und wann eine hybride Mate­rialinnovation?

Die Lösung brachte die Bündner Nusstorte: Die ist schlicht grossartig und stopft nicht nur den Magen, son­dern öffnet auch das Herz. Für mehr Crossover in der Innenraumgestaltung!

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