«Der Werk­ver­trag» von Pe­ter Gauch neu auf­ge­legt

Die siebte Auflage des Buchs «Der Werkvertrag» von Peter Gauch ist soeben erschienen und behandelt praxisorientiert und fundiert den aktuellen Werkvertrag in seiner Gesamtheit. Das «Sackmesser für den Werkvertrag» ist ein Must-have für alle Bauakteure und Rechtsgelehrten.

Publikationsdatum
29-09-2026

«Marcius hatte von Flaccus die Errichtung eines Hauses übernommen; daraufhin stürzte ein Teil des Bauwerks durch ein Erdbeben ein. Labeo sagt: Wenn dies durch Naturgewalt, wie eben ein Erdbeben, geschehen ist, liegt das Risiko bei Flaccus (dem Besteller).» Dieser Text wurde vor rund 1500 beziehungsweise 2000 Jahren geschrieben, je nachdem, ob man sich auf den Zeitpunkt der Formulierung durch Labeo oder auf die literarische Fassung bezieht.

Würde Marcius durch Keller, Flaccus durch Huber und Labeo durch Gauch ersetzt, ginge die Formulierung als zeitgenössisch durch, ja sogar als herrschende Lehre bezüglich Werkvertrags. Anders ausgedrückt: Während über 2000 Jahren sind die Grundfragen beim Bauen im engeren Sinne (Herstellung eines Werks) ähnlich geblieben – dies im Gegensatz zu den Bereichen Planungs- und Umweltrecht.

Die herrschende Lehre

Die herrschende Lehre des Werkvertrags ist so beständig wie das römische Recht und seit über 50 Jahren in einem einzigen Band festgehalten: «Der Werkvertrag».  Dr. jur. und Dr. h.c. Peter Gauch, emeritierter Professor an der Universität Freibourg, hat soeben die siebte Auflage beim Schulthess Verlag in Zürich veröffentlicht. 

Die erste Auflage, damals mit dem Titel «Der Unternehmer im Werkvertrag und seine Haftung für Mängel seines Werkes» mit 132 Seiten, erschien 1974. Es war auch das Jahr, in dem der hier Schreibende auf die Welt kam. Nur ein Jahr später hat Peter Gauch die erste Baurechtstagung in Fribourg organisiert. Mit einem interdisziplinären Ansatz beleuchtet diese nicht mehr wegzudenkende Veranstaltung bis heute die Schnittstellen des Wirkens aller auf dem Bauparkett Tätigen. Ebenfalls im Jahr 1975 hat Peter Gauch das «Freiburger Seminar für Baurecht» ins Leben gerufen, heute als «Institut für schweizerisches und internationales Baurecht» bekannt.

Zwischen der letzten und der neuesten Auflage sind sieben Jahre vergangen, die im dynamischen Umfeld des Bau- und Immobilienrechts durchaus ein wichtiges Zeitintervall darstellen: Die Grundfragen im Baurecht sind seit der römischen Zeit zwar vergleichbar geblieben, aber das Recht entwickelt sich mit den Herausforderungen der heutigen Zeit weiter, genauso wie die Rechtsprechung. 

Zum Glück ist die Schweiz bisher von grossen Erdbeben verschont geblieben, sodass der Text von Labeo selten zur Anwendung kommt. Wenn ein Gebäude einstürzt, stellen sich vielmehr folgende Fragen: Welcher der am Bau Beteiligten hat versagt? Wer trägt die Haftung? Die Antwort findet sich im neu revidierten Gewährleistungsrecht, das Peter Gauch im neuen Werkvertrag eingehend behandelt.

Der Zweck

Traditionsgemäss behandelt auch diese Auflage das Werkvertragsrecht in seiner Gesamtheit. Es braucht keine anderen Bücher oder Texte, um sich mit den Fragen des Werkvertragsrechts auseinanderzusetzen. Das Werk von Peter Gauch beinhaltet alle Bereiche des Werkvertrags, Submissionsrecht inklusive, auf fast 1500 Seiten. Selbstverständlich ist auch die aktuelle Rechtsprechung mitberücksichtigt, und der Autor geizt nicht mit Tipps und Tricks aus der Vertragspraxis. Peter Gauch schafft hier meisterhaft den Spagat zwischen der juristischen Terminologie zur klaren, praxisorientierten Sprache.

Die Struktur

Das Buch ist in fünf Teile strukturiert: Der erste Teil ist den Begriffen, Merkmalen und Erscheinungsformen des Werkvertrags gewidmet, auch aus der internationalen Perspektive. Der zweite Teil erörtert den Abschluss des Werkvertrags und dessen vorzeitige Auflösung nach Art. 377 OR. Diese sorgt bekanntlich für viel Juristenfutter und Kopfzerbrechen. Die Wirkungen des Werkvertrags werden im dritten Teil und die Mängelhaftung des Unternehmers im vierten Teil behandelt. Das Werk endet mit dem fünften Teil, wo sich Peter Gauch ausführlich auf die Einzelfragen zur Mängelhaftung eingeht.

Fazit

Peter Gauch, dem unermüdlichen Pionier und Entwickler der herrschenden Lehre im schweizerischen und internationalen Baurecht, ist es einmal mehr gelungen, ein Werk zu schaffen, das in keiner Bibliothek oder digitalen Ablage fehlen darf: Das neue Handbuch, symbolisch «Sackmesser» und Hilfsmittel, um jede Frage zum Thema Werkvertrag zu lösen, ist auch in der siebten Auflage geglückt und unverzichtbar.

Als Wermutstropfen bleibt, dass es sich bei dieser Auflage um den letzten «Werkvertrag» von Peter Gauch handelt. Da er sich ein Leben lang stark für den Nachwuchs engagiert und sein Wissen grosszügig weitergegeben hat, darf davon ausgegangen werden, dass auch in einer achten Auflage die DNA von Peter Gauch mitschwingt.

Peter Gauch: Der Werkvertrag

7. Auflage, 2026

Schulthess Verlag, Zürich/Genf

Buch gebunden oder digital, 1488 Seiten

ISBN/GTIN 978-3-7255-9930-1

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