Lean Construction und andere Märchen

Kolumne

Judit Solt Fachjournalistin BR, Chefredaktorin TEC21

Nach einem Sturm von Leserreaktionen – im­merhin gab es drei Likes und zwei ­Kommentare – möchte ich meine Ausführungen zu Bob ergänzen. Sie wissen schon, Bob der Baumeister aus der gleichnamigen Kinderserie, dessen Team in jeder Folge einen grob fahrlässigen Pfusch begeht, aber begeistert dranbleibt … Also: Man liess mich wissen, mein Sarkasmus sei fehl am Platz. Die Haltung des Teams entspreche exakt den Forderungen zeitge­mässer Bauprozessmodelle: Bei Pannen nach Verbesserungspotenzial zu suchen statt nach Schuldigen sei ein pädagogisch wertvoller Versuch von Lean Construction. – Dem kann ich nur beipflichten.

Wie alle Märchen enthält auch Bobs Baustellensaga eine wichtige Lehre. Doch wird die deutlich genug? Bob ist gemeingefährlich. In einer Folge, beim Bauen eines Zoos, wurde der Lehrling fast von einem Komodo­waran gefressen, weil der Bagger ihn versehentlich ins Gehege schubste. In einer anderen raste ein voll besetzter Schnellzug auf falsch verlegten Schienen ins Verderben. Und davor … aber egal. Was ich sagen will: In alten Märchen reichte es nicht, nett zu lächeln; wenn jemand unbelehrbar dumm oder böse war, hatte es drastische Folgen. So weit muss man heute ja nicht gehen, aber könnte man Bob nicht wenigstens zu einer Weiterbildung verdonnern? 

 

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