Die meist­ge­stell­te Fra­ge

Vom Bauen und Brauen

Unser Redaktor Peter Seitz widmet sich während seines zweimonatigen Sabbaticals dem Umbau einer ehemaligen Brauerei und berichtet wöchentlich von seinen Erlebnissen.

Data di pubblicazione
16-10-2026

Gemessen an der Zahl der Biertrinker und Bierliebhaberinnen wissen wahrscheinlich die wenigsten, wie es in einer Brauerei aussieht. Wozu auch? Hauptsache, es schmeckt.  Der Strom kommt aus der Steckdose, die Milch aus dem Tetra Pak, vielleicht von einer lila Kuh auf einer Schweizer Alp, und das Bier wächst in Flaschen, Dosen und manchmal sogar in Fässern. Alles bestens. 

Ich habe eine alte, stillgelegte Brauerei erworben. Vor ungefähr 20 Jahren verliess der letzte Tropfen des Hopfenkaltgetränks die Abfülle und somit das Gebäude. Es fristete seither einen Dornröschenschlaf. Ein grosses, meiner Meinung nach schönes Gebäude, im Zentrum einer kleinen Stadt in Bayerisch-Schwaben. Eine Landmarke, schon der Höhe von etwa 16 m geschuldet. Wenn ich so nach dem Erwerb alte Bekannte und Freunde getroffen habe, kamen selbstverständlich erwartbare Sätze wie: «Seitz, dass du einmal eine Brauerei kaufst, war schon immer klar!».

Die meistgestellte Frage war aber: «Und, braust du wieder? Fängst du wieder damit an?»

Diese Frage muss ich bis heute verneinen. Der Brunnen – ein zentrales Element jeder Brauerei – ist aufgehoben, die Maschinen und Ausrüstung sind nicht mehr nutzbar. Ausserdem bin ich Bauingenieur und nicht Brauingenieur. Und vor allem bin ich Konsument, nicht Produzent. Jeder das, was er am besten kann.     

Die Frage lässt jedoch hoffen, dass noch nicht Hopfen und Malz verloren sind. Spiegelt sie doch eine gewisse Erwartungshaltung, ja geradezu Hoffnung, wieder, dass es weiterhin Bier gibt. Wird das Brauereisterben (der kleineren Betriebe, die für die Vielfalt unendlich wichtig sind) daher endlich aufhören? Bier gibt es ja genug – nur was für eine «Plörre» da manchmal von Grossbrauereien angeboten wird, da schüttelt es einen geradezu.

Geschüttelt wurden auch meist die Köpfe meiner Gesprächspartner, in Verbindung mit dem anderen, meist gesprochenen Satz: «Du bist verrückt!» Na, jeder das, was er am besten kann.