Friesische Alpen

Kolumne

Franziska Quandt Redaktorin TEC21

Der Norden ist flach. Hamburg ist flach. – Falsch. Bei meiner letzten Reise in die norddeutsche Hansestadt habe ich entdeckt: Draussen in Blankenese türmen sich Berge auf. Na gut, «auftürmen» ist für Schweizer Verhältnisse vielleicht etwas hoch gegriffen, aber mit immerhin 91.6 m ü. NN erhebt sich der Boden für friesische Verhältnisse zu einem stattlichen Hügel.
Eine solche Verwerfung wird Geest genannt. Geesten bezeichnen geomorphologische Landformen, die durch Sand­ablagerungen während der Eiszeiten entstanden sind. Auf einigen dieser Sandberge liegt Blankenese, das, ganz friesisch-­untypisch, von steilen Treppen und schmalen Gassen geprägt ist. Im ehe­maligen Fischerdorf wohnen heute wohl­habende Hanseaten. Ein zweites Küsnacht, könnte man meinen. Aber nein. Blankenese überrascht durch eine erstaunliche Kleinteiligkeit. Alte reetgedeckte Fachwerk­katen sind umgeben von Häusern mit Kleingartencharakter, und dazwischen schmiegt sich immer mal wieder eine Villa an den Elbhang. Kein einziges Haus verströmt die zu erwartende Protzigkeit.
Blankenese hat einige Ähnlichkeit mit Schweizer Bergdörfern – schafft man es, die zu Füssen der Berge dahinziehende Elbe mit ihren Hochseekähnen auszublenden, kommen fast schon Heimatgefühle auf.
 

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