Wohnü­ber­bauung Neu­dorf­strasse-Fluh­weg, Wä­dens­wil

Testo originale in tedesco a corredo dell'articolo "Abitare a Neudorfstrasse-Fluhweg", pubblicato nel numero 1/2018 di Archi.

Date de publication
21-02-2018
Revision
21-02-2018

Ein typischer Fall, in vielerlei Hinsicht: Im kleinmassstäblichen Patchwork der Wohnungsbauten am Agglomerationsrand stehen sechs kleine, in die Jahre gekommene Mehrfamilienhäuser. Sie sollen durch Neubauten ersetzt werden, die eine viel höhere bauliche Dichte erreichen und zeitgemäss geschnittene Wohneinheiten aufweisen. Wie lässt sich die deutlich grössere Baumasse verträglich in das Quartier integrieren?

Die Lage ist typisch für die Orte am Südufer des Zürichsees. Aussicht und Sonne liegen an entgegengesetzten Seiten – die Sonne im Süden, die Seesicht im Norden. Wie können möglichst viele Wohnungen an beiden Seiten teilhaben? Und wie können diejenigen Wohnungen, die nur einer Seite zugeordnet sind, möglichst viel von dieser Seite profitieren?

In der Entwurfsarbeit zeigt sich bald: Werden die kleinen, schlanken und niedrigen Altbauten einfach durch grössere, dickere und höhere ersetzt, so droht die bauliche Dichte unangenehm zu werden. Die offene Bauweise mit Einzelbaukörpern stösst an ihre Grenzen, ein typologischer Wechsel tut not. Deshalb verschmelzen hier die Einzelvolumen zu einem vielgliedrigen Baukörper. Dessen plastische Bewegung kaschiert die eigentliche Grösse des Neubaus und eröffnet eine Sequenz von grosszügigen Freiräumen, die einen gut gefassten Rahmen geben für das genossenschaftliche Zusammenleben. Denn je dichter die Menschen miteinander zusammenleben, desto entschiedener muss der kollektive Freiraum zugeordnet werden. Der Freiraum, der einst zwischen den sechs kleinen Altbauten vermittelte, war nicht gross gegliedert. Die Freiräume, die von den Armen des Neubaus aufgespannt werden, sind dagegen klar gefasst und gemeinschaftlichen Aktivitäten gewidmet: dem Kinderspiel, dem sozialen Austausch oder der gärtnerischen Arbeit.

In der Topographie des Hangs zeichnet sich am Bauplatz ein prägnantes Plateau ab: ein Felsgrat im Untergrund. Dieser Grat wird zum konzeptuellen Ausgangspunkt: Das neue Gebäude sitzt hart am Grat und überhöht diesen baulich, es wird sozusagen gebauter Felsgrat. An Felszacken erinnert auch die vor- und zurückspringende Bewegung des Gebäudevolumens. An den schmalsten Stellen dieser Felsformation öffnen sich im Sockelgeschoss Lücken, so dass Wege die beiden Gebäudeseiten verbinden können. In den Wohngeschossen darüber wird an diesen ‚Taillen’ im Baukörper die Zweiseitigkeit des Ortes besonders anschaulich erlebbar. Die bewegte Abwicklung des Baukörpers unterteilt den Aussenraum, eröffnet und begrenzt darin differenzierte Orte des Aufenthalts.

Das Gebäudevolumen ist aus vier dreieckigen Segmenten zusammengefügt, welche jeweils dreispännig aufgebaut sind. Die plastische Abwicklung sorgt dafür, dass jede Wohnung auf zwei, viele gar auf drei Seiten hin ausgerichtet sind. Während die beiden Wohnungen in den Übergängen zwischen den Segmenten komplementär ineinander greifen, ‚greift’ die dritte, jeweils äusserste Wohnung weit hinaus ins Freie. Ausladende Balkone bilden hier einen attraktiven Übergang zwischen innerer und äusserer Welt. Die gemeinschaftlichen Bereiche jeder Wohnung sind zu einer Raumfolge gekoppelt, welche in den ‚Körper’ der Individualräume eingelagert ist: Eingang, Wohnen und Essen sind zu einer weitläufig wirkenden Sequenz verbunden, dabei aber durch ‚Taillen’ soweit voneinander abgetrennt, dass sich die einzelnen Sphären nicht stören. Die Wohnungsgrössen liegen bewusst am unteren Rand der Grössenvorgaben, um den Anliegen ökonomischer, sozialer und energetischer Nachhaltigkeit zu entsprechen.

Um die starke plastische Gliederung des Volumens zu stabilisieren, sollte die Gliederung der Fassade umso ruhiger ausfallen. Die Materialien sprechen hier allein über ihre Oberflächenbeschaffenheit, ihre Haptik, nicht über ihre Materialfarbigkeit. Der Grundton des grossen Hauses orientiert sich am sogenannten Falun-Rot, der charakteristischen Farbigkeit skandinavischer Holzhäuser.

 

Wohnüberbauung Neudorfstrasse 27a– d, Wädenswil ZH
Bauherrschaft:
 Mieterbaugenossenschaft Wädenswil
Architektur: Esch Sintzel Architekten, Zürich
Mitarbeit: Julia Geissler ( Projektleitung ), Beat Lengen, Julia Löffler, Andreas Wipf, Marketa Korbeliusova; Wettbewerb: Jana Stratmann
Auftragsart: Wettbewerb 2012
Bauleitung: BGS & Partner, Rapperswil
Landschaftsarchitektur: Berchtold Lenzin, Zürich
Bauingenieure: Ernst Basler + Partner, Zürich
Baumeisterarbeiten: Füchslin, Samstagern
Holzfassade: W. Rüegg, Kaltbrunn
Gesamtkosten (BKP 1– 9): Fr. 25 592 000.—
Baukosten (BKP 2): Fr. 22 150 000.—
Geschossfläche: 5548 m2, 3907 m2 anrechenbar, 1641 m2 nicht anrechenbar
Programm: 48 Wohnungen (3,5-5,5 Zimmer)

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