Wie formt die Küche das Woh­nen?

espazium magazin 22/2026

Date de publication
06-11-2026
Isabel Borner
Redaktorin Umwelt/Energie und Architektur espazium magazin

Als junge Frauen im Austauschsemester wohnten wir häufig in grossen WGs mit Menschen verschiedener Nationen. 
Anfangs gab es kaum Kontakt zwischen den Kulturen. Erst als wir begannen, gemeinsam zu kochen und zu essen, wuchs die WG meist zu einer Gruppe zusammen. 

Liegt es vielleicht daran, dass sich Menschen schon immer am Feuer versammelten? Jedenfalls bietet die Küche den kleinsten gemeinsamen Nenner und zugleich die grösst­mögliche Schnittmenge – sowohl innerhalb eines Haushalts als auch im Austausch mit Aussenstehenden. Sie ist der Ort im Haus, an dem Architektur unseren Alltag am stärksten prägt, und umgekehrt. 

Je nach Gestaltung kann sie als Instrument zur Unterdrückung der Frau oder zu ihrer Emanzipation dienen. Als Gemeinschaftsküche löst sie die Geschlossenheit der Kleinfamilie auf und ermöglicht ein Zusammenleben in grösseren Gruppen. 

Darüber hinaus ist sie aber auch ein hochausgerüstetes Labor, das die Hygienevorstellungen und den technischen Fortschritt unserer Gesellschaft widerspiegelt. Die hilfreichen Apparate verbergen unangenehme Gerüche und unappetitliche Zu­bereitungsarten und schaffen damit die Voraussetzung, die Küche mit anderen Wohnfunktionen zu verbinden. Am häufigsten wird sie mit dem Wohnzimmer kombiniert, aber auch die Verbindungen mit Bad, Schlafzimmer, Büro oder Spiel­zimmer eröffnen neue Möglichkeiten. 

Sie muss nicht einmal mehr fest installiert sein. Als Küchenmodul kann sie je nach Jahreszeit und Temperatur im Haus verschoben werden. Im vergangenen Jahrhundert richtete sich die Gestaltung der Küche hauptsächlich nach wirtschaftlichen und hygienischen Prinzipien. 

Heute kommen ökologische Aspekte hinzu. Werden Küche und Bad räumlich zusammen­gelegt, lässt sich die Energieversorgung bündeln – die dabei gewonnene Abwärme kann sogar zum Heizen der Wohnung beitragen.

Obwohl die Küche eine der Hauptzutaten jedes architektonischen Wohnrezepts ist, sind längst nicht alle Varianten erforscht. Wir laden Sie daher zum Drei-Gänge-Menü der typologischen Möglichkeiten ein. Guten Appetit!

Publikation bestellen

Étiquettes

Sur ce sujet