Öffentliche Jurierung: Ideen für die Zukunft des Wettbewerbs
Mit dem Ideenwettbewerb «Ideen für die Zukunft des Wettbewerbs» suchte das Wettbewerbslabor, gemeinsam mit dem SIA, Impulse für eine zukünftige Form des Planungswettbewerbs. Anlass ist das bevorstehende 150-jährige Jubiläum der Wettbewerbsordnung, das im nächsten Jahr gefeiert wird – eine Zeit, in der man sich an die ersten «Grundsätze über das Verfahren bei öffentlichen Concurrenzen» erinnert, die der SIA bereits 1877 publizierte.
Am Dienstagabend, 9. Juni 2026, fand in der DISPO in Nidau im Rahmen der Veranstaltungsserie RUNDUM–SIA die öffentliche Jurierung statt. Moderiert wurde der Abend von Ivo Bösch (Redaktor Hochparterre Wettbewerbe). Die sechsköpfige Jury, geleitet von Architektin Astrid Staufer, hatte zuvor eine Vorauswahl von elf Beiträgen getroffen. In der ersten Runde wurden die Ideen einzeln vorgestellt. Die Bandbreite der Vorschläge reichte von der Forderung nach einer Vereinfachung und Reduktion des heutigen, oft als zu umfangreich empfundenen Wettbewerbsprozesses bis hin zu methodischen Neuausrichtungen. Einige Beiträge schlugen eine stärkere Integration des urbanen Kontexts oder landschaftsarchitektonischer Aspekte vor, während andere den Fokus auf Themen wie Klima, Ökosysteme und den Menschen selbst legen wollten. Eine weitere Gruppe widmete sich der Vermittlung und dem Verständnis des Wettbewerbs; hier wurden Seminare während der Ausbildung sowie Wettbewerbsfilme oder Mentorenprogramme als Mittel diskutiert, um den Prozess zugänglicher zu machen.
Nach einem intensiven Austausch klassifizierte die Jury alle elf Ideen und prämierte fünf Projekte aus unterschiedlichen Bereichen. Die Jury konnte beim öffentlichen Entscheidungsprozess nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen; für sie war das Neuland. Die Interaktion fand nicht nur zwischen den Jurymitgliedern statt, sondern auch die Anwesenden im Saal konnten sich ebenfalls gut einbringen. Zusammen wurde eine gemeinsame Rangierung der elf eingereichten Ideen erstellt. Insgesamt war es eine spannende, aber sicher auch lehrreiche öffentliche Jurierung.
Bei der Couvertöffnung wurde deutlich, dass das Teilnehmerfeld international war: Zwei der prämierten Projekte stammen aus Deutschland. Die prämierten Beiträge werden im Wettbewerbslabor weiterverfolgt und in einem demnächst erscheinenden Jurybericht detailliert vorgestellt.
Ideen für die Zukunft des Wettbewerbs
Veranstaltung: Wettbewerbslabor in Zusammenarbeit mit dem SIA
Verfahren: Ideenwettbewerb, offen, anonym
Jury:
Astrid Staufer, Architektin, Staufer&Hasler, Frauenfeld (Vorsitz)
Daniele Di Giacinto, Architekt und Mitglied der Kommission SIA 142/143, Biel
Erol Doguoglu, Präsident der Konferenz KB’CH und Kantonsbaumeister, St.Gallen
Corinne Räz, Architektin, Studio Franz und Coco sowie Kollektiv Pasta Mista, Zürich
Ariane Widmer, Architektin und Stadtplanerin, Genf
Maria Viñé, Architektin und Stadtplanerin, Genf
Moderation: Ivo Bösch, Redaktor Hochparterre Wettbewerbe