Adolf Kris­cha­nitz: Kunst und Ar­chi­tek­tur

Date de publication
02-06-2026

Herr Herzog, Sie haben mit Adolf Krischanitz an einem frühen Projekt – der Siedlung Pilotengasse – zusammengearbeitet. Seine eigene künstlerische Schaffenszeit mit Missing Link lag damals noch nicht lange zurück. Welche Denkweisen oder konkreten Gestaltungsaspekte transportierte Adolf Krischanitz von der Kunst in die Architektur?

Adi und Dietmar Steiner haben uns damals eingeladen, zusammen den Masterplan mit den gebogenen Häuserreihen zu entwickeln. Adi suchte wohl diese Zusammenarbeit, weil er etwas anderes wollte, als er es von Wien her kannte. Herzog & de Meuron hatte damals den Ruf als «Frontrunner» einer neuen Architekturbewegung. Das hat Adi fasziniert und auch inspiriert. 

Für die einzelnen Gebäude haben er und wir aber separat gearbeitet. Wir haben uns bei unserem Bau für die Farbgebung mit dem Künstler Helmut Federle zusammengetan und er mit dem Künstler Oskar Putz. Mit ihm hat Adi ein paar Jahre lang diese sehr farbigen Entwürfe gemacht.

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Gab es auch eine Rückkopplung von der Architektur- in die Kunstwelt? Hat er auch Künstler beeinflusst?

Das glaube ich nicht. Der Künstler wird normalerweise für einen konkreten Auftrag beigezogen. Im Fall der Siedlung haben wir die Künstler für die Farbgebung ausgewählt. Krischanitz hat diese Überfarbigkeit interessiert. Er hat mit Oskar Putz eine sehr barocke, wienerische Lösung für die Siedlung gesucht.

Wir suchten genau das Gegenteil. Wir wollten eigentlich eine Art nicht-farbige Farbigkeit – und dafür stand Helmut Federle. Vielleicht gab es eine unterschwellige Beeinflussung zwischen uns und Federle in den gemeinsamen Jahren, in denen wir das Karge und Minimale suchten, als Antithese dessen, was damals in der Szene der Postmoderne vorherrschte.

Später hat Adi (zum Beispiel beim Museum Rietberg in Zürich) ebenfalls Helmut Federle hinzugezogen. 
Ich glaube, seine Kargheit und ein Stück weit auch das Selbstbewusstsein, mit dem er seine Verachtung für das Farbige und für das Beliebige zum Ausdruck brachte, haben Adi inspiriert. Die Arbeiten von Oskar Putz hingegen haben etwas Spielerisches und fussen auf einem ganz anderen kulturellen Hintergrund.

Die Architektur von Adolf Krischanitz wirkt schroff und oft alltäglich. Gleichzeitig hat ihn die Kunst (er hat selbst eine grosse Kunstsammlung) unheimlich bewegt. Können Sie diesen Zusammenhang beschreiben?

Anfangs war seine Architektur überhaupt nicht schroff oder alltäglich, sondern eher wienerisch verspielt. Möglicherweise hat ihn unsere Begegnung inspiriert, und Federle wurde dann für ihn zu einer Art Vehikel in eine andere Ästhetik. 

Danach gab es allerdings nie mehr eine Zusammenarbeit zwischen uns – was auch anders hätte kommen können. 
Diese Art der Zusammenarbeit, zu der Architekten einander für ein Teilprojekt einladen, gibt es heute auch nicht mehr. Dazu braucht es spezielle Bauherrschaften. So gesehen war diese Siedlung ein Glücksfall. 

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