Vom Berg­sturz zur Stütz­mauer

Die Bondasca fliesst vom Fuss des Piz Cengalo durch das Dorf Bondo in die Maira. Murgänge kommen hier regelmässig vor, weshalb bis 2015 das Projekt Bondo mit Uferbe­festigungen und einem Geschiebesammler umgesetzt wurde. 2017 aber brachte ein Bergsturz am Piz Cengalo eine Katastrophe ins Rollen und richtete enorme Schäden an.

Date de publication
20-04-2026

3 000 000 m3 Granit vom Piz Cengalo stürzten auf den Gletscher am Bergfuss. Die Mischung aus Gestein, Eis und Wasser ergab eine gefährliche Masse, von der etwa 550 000 m3 in mehreren Murschüben talwärts flossen. Die Überlastung der Schutzbauten führte zu übermurten Strassen, und eine gewaltige Schuttschneise zog sich durch Bondo. Im Dorf kam niemand ums Leben, aber acht Alpinisten, die sich unterhalb des Bergs befanden.

Dieser Artikel erschien in «Schwei­zer In­ge­nieur­bau­kunst 2023-2025». Bestellen Sie das Buch hier.

Bondo II – verstärktes Konzept von Bondo I

So traurig das Ereignis auch war, es bestätigte das Konzept der baulichen Massnahmen von Bondo I. Um einer zukünftigen Überlastung vorzubeugen, erweiterte man die Schutzmassnahmen. Aus einem selektiven Wettbewerb ging das heute umgesetzte Projekt hervor, das auf dem Prinzip «Durchleiten und Rückhalten» beruht. Die Kapazität des Geschieberückhalts vor der Maira und im Mündungsbereich der Bondasca wurde auf 500 000 m3 erweitert. Neue, verstärkte Dämme schützen die Dörfer Bondo, Promontogno und Spino.

Viele Schutzbauten wurden unter Berücksichtigung des Ortsbildcharakters – das Dorf ist Teil des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) – und der beeindruckenden Landschaft mit ortstypischem Stein gemauert oder zumindest verkleidet. Auch Blocksatz und Blockwurf kamen zum Einsatz. Ein Grossteil der verbauten Steine stammt direkt aus dem Material der verheerenden Murgänge. Die angeschwemmten Blöcke wurden vor Ort auf die benötigte Grösse gebracht und mit ihnen ein Bauwerk geschaffen, das zugleich auch ein Kunstwerk ist. Auf der Luftseite der Dämme sind terrassenartige Gärten angelegt, die von den Anwohnern gepflegt werden und dem Ort zusätzlichen Charme verleihen. Die Dämme selbst sind als Promenaden ausgeführt und vereinen Schutz und Aufenthaltsqualität. Sie wirken nicht als Abgrenzung, sondern ergänzen vielmehr die Routen durch das Dorf.

Reportage Wiederaufbau Infrastruktur Bondo
Wir haben 2023 direkt von der Baustelle berichtet. Hier geht es zu unserer Reihe zum Wiederaufbau von Bondo.

Druckbrücken mit Freibord

Drei neue Stahlbetonbrücken und ein Kreisel auf der Kantonsstrasse optimieren die neu konzipierte Verkehrsführung. Die Brücken weisen bei einem HQ100-Lastfall ein Freibord von 3 m auf. Bei einem 300-jährlichen Ereignis bestehen die Bauwerke bordvoll, bevor gewisse Entlastungskorridore beaufschlagt werden. Dies ergibt ein robustes System, das auch einem Überlastfall standhält. 

Die Brücke Punt – sie verbindet Bondo mit dem Gemeindehaus und den Crotti in Promontogno – weist einen besonderen Clou auf: Das erforderliche Freibord hätte zu steilen Auffahrtsrampen und einer beträchtlich hohen Kote der Konstruktion geführt. Die Planenden klappten den Bogen daher um 90 ° um und liessen die Brücke in Richtung Tal auskragen. Dies sichert das Freibord, da hier der Bach mit 8 % Gefälle steil unter der Brücke durchläuft, zugleich aber entsteht auch ein wahrer Logenplatz mit spektakulärer Aussicht auf die gestaltete Landschaft.

 

Bauherrschaft
Gemeinde Bregaglia

Projektverfassende
ARGE «strata»: Conzett Bronzini Partner, Chur
Caprez Ingenieure, Silvaplana
Eichenberger Revital, Chur
mavo Landschaften, Zürich
Müller Illien Landschafts­architekten, Zürich
Architekturbüro Conradin Clavuot, Chur

Simulationen
beffa tognacca, Claro

Bauzeit
2021–2024

Eröffnung
Juni 2025

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