Bio­lo­gische Viel­falt auf al­len Ebe­nen

In Crissier (VD) zeigt die Arealentwicklung Arbora, wie Lebensqualität entsteht, wenn biologische Vielfalt zur Grundlage der Stadtentwicklung wird.

Date de publication
23-10-2025

Das Quartier Arbora erstreckt sich über eine Fläche von rund 4 ha und liegt im Herzen eines ehemaligen Landwirtschafts­gebiets. Man erreicht es über eine Strasse oder einen mit Wegen versehenen Waldgürtel und trifft dann auf weitläufige Grünflächen: Gemüse- und Obstgärten, Lichtungen, bepflanzte Wasserrückhaltegräben und Spielplätze bilden den Rahmen für die zwölf Gebäude des Quartiers in der Nähe von Lausanne. 

Die Bauten umfassen 182 Wohnungen in neun Gebäuden, eine Seniorenresidenz mit 63 Wohnungen, Gemeinschaftsräume, rund 3000 m2 Bürofläche, 4000 m2 Gewerbefläche sowie ein Co-Living-Projekt. Der zweihundert Jahre alte Bauernhof wird umgebaut und soll zukünftig eine Kindertagesstätte, Wohnungen und Gemeinschaftsräume beherbergen.

Ein kollektiver und inter­disziplinärer Ansatz

Losinger Marazzi stellte bereits in der Konzeptionsphase ein interdisziplinäres Team zusammen, das eng mit der auf Umweltberatung spezialisierten Firma ELAN (Label BiodiverCity) und ECONAT-Concept, einem lokalen Spezialisten für Umwelt- Engineering, zusammenarbeitete. Ziel war es, schon in der Planungsphase die Biodiversität in den Mittelpunkt des Vorhabens zu stellen, wobei eine gemeinsame Charta als Leitfaden dienen sollte. 

Man schloss Partnerschaften mit lokalen Fachakteuren. Ein Fachmann für angewandte Ökologie stiess zum Team, um die Auswirkungen des Projekts auf Fauna und Flora zu bewerten und konkrete Massnahmen zum Schutz dieser natürlichen Lebensräume vorzuschlagen.

Zweihundert neue Bäume

Atelier du paysage wurde mit der Aufwertung des Areals und der Gestaltung der Aussenanlagen beauftragt. Sie entwarfen einen Bepflanzungsplan mit mehr als 200 neuen Bäumen, deren Anordnung sich harmonisch in die natürlichen Gegebenheiten des Geländes einfügt. 

Derzeit zählt man rund 90 grosse einheimische Bäume, darunter mehrstämmige Bäume, feuchtigkeitsliebende Bäume und Obstbäume. Es handelt sich um einheimische Arten, die den Empfehlungen von Suisse Info Flora zur Förderung der lokalen Biodiversität entsprechen. Reihen kleiner Beeren- und Obststräucher begrenzen die privaten Gärten, bodendeckende Stauden führen das Leitmotiv ökologisch wertvoller und teilweise essbarer Vegetation fort. 

Dieser Artikel ist im Sonderheft «Biodiversität im Siedlungsraum» erschienen. Weitere Beiträge zum Thema Biodiversität finden Sie auch in unserem digitalen Dossier.

Eine Wallhecke als Neuinterpretation der traditionellen Agrarhecke durchzieht das Gelände von Westen nach Osten. Sie kennzeichnet die Trennung zwischen den Gewerbegebieten und den Wohnanlagen, zugleich bildet sie einen zentralen ökologischen Korridor. 

Anpassungen für die Tierwelt

Die Beleuchtung ist an die Bedürfnisse der Tierwelt angepasst, während Rückzugsräume und unterirdische Durchgänge Kleintieren die Fortbewegung erleichtern. In die Fassaden wurden Nistplätze für Mauersegler eingebaut, und Holz war das Material der Wahl für das Mobiliar der Spielplätze, Treffpunkte und Velounterstände.

Die Wohnanlagen, der Bauernhof und die Obstgärten umfassen eine Gesamtfläche blumenbewachsener Wiesen von rund 13 000 m2, was fast der Hälfte des Geländes entspricht. Von den 3.8 ha des Projekts bestehen 3 ha aus durchlässigen und 0.8 ha aus undurchlässigen Flächen. 

Oberirdisch alles zu Fuss

Zwei Tiefgaragen im Süden des Areals sind über die Strasse am Rand des Quartiers zugänglich und stehen Bewohnenden und anderen Nutzenden des Areals zur Verfügung. Die oberirdische Fläche des Quartiers gehört den Fussgängerinnen und Fussgängern: Wohnungen und Arbeitsplätze erreicht man über Wege aus sandgefugten Betonpflastersteinen.

Drei Wasserrückhaltegräben mit Feucht­pflanzen und einer Gesamtfläche von 300 m2 sorgen für die Versickerung des Regenwassers. Die zutage geförderten Findlinge dienen der Gestaltung der Rückhaltegräben, Trockenmauern und Spielplätze. 

Im Osten des Areals blieb ein Teil des ursprünglichen Obstgartens erhalten. Überalterte und kranke Bäume wurden geschreddert und in Form von Spänen vor Ort wiederverwendet, als Fallschutzmaterial für die Spielplätze oder Unterschlupf für die Fauna.

Gesellschaftliche Nachhaltigkeit

Um die langfristige Pflege der Gemüsegärten und Freiflächenanlagen zu gewährleisten, wurde ein «Community Builder» damit beauftragt, das Zusammenleben zu stärken und eine partizipative Verwaltung aufzubauen. Er leitet die Interessensgruppe «Biodiversität», sorgt für die Koordination zwischen den Akteuren und begleitet das Kollektiv auf dem Weg zu einer schrittweisen Autonomie. 

Eine didaktische Beschilderung fördert zudem das Verständnis für die Umweltschutzmassnahmen, die für den Erhalt der Biodiversität nötig sind, wie etwa den vollständigen Verzicht auf Pestizide. 

Drei Regensammelbecken speisen ein Bewässerungssystem für alle Anpflanzungen und senken so den Verbrauch von Trinkwasser. Regelmässige vierteljährliche Treffen ermöglichen es Bewohnenden, Fachleuten für die Pflege der Grünflächen und Quartiermanagern, Erfahrungen auszutauschen, Praktiken anzupassen und die kollektive Dynamik aufrechtzuerhalten.

Biodiversität auf allen Projektebenen

In Arbora ist biologische Vielfalt dank der Bildung eines interdisziplinären Teams und einer eigenen Charta keine zu bewältigende Belastung, sondern ein positiver Hebel für Anpassung und Innovation. 

Die Biodiversität durchdringt jede Ebene des Projekts: von der Auswahl schattenspendender Pflanzenarten zur Minderung von Hitzeinseln über die Bewirtschaftung des Regenwassers – bei der die natürliche Versickerung im Boden dem Oberflächen­abfluss vorgezogen wird – bis hin zum Erhalt natürlicher Lebensräume. All dies sind Faktoren, die das Wohlbefinden der Bewohnenden und die Nachhaltigkeit des gesamten Geländes unmittelbar fördern.

Arbora, Cissier (VD)
 

Am Projekt Beteiligte


Bauherrschaft/Co-Entwickler 
Naef Participations financières, Petit-Lancy
Losinger Marazzi, Bern/Crissier


Landschaftsarchitektur
L’Atelier du Paysage, Lausanne


Gartenbau
Evertis, Rossens


Label BiodiverCity
ELAN, Frankreich


Ökologie
Econat, Yverdon-les-Bains


Community
Urbagestion, Epalinges


Projekt
Art des Freiraums
Vielfältige Freiraumgestaltung mit Spielplätzen, Fitnessbereich und -parcours, Gemüsegärten, Obstgärten und Hundepark 


Perimeter m2: 4 ha
Labels: BiodiverCity, WELL Community


Daten
Bauzeit: 2022–2027
Fertigstellung: Ende 2027

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