Sinn­lich und lan­gle­big: die Ar­chi­tek­tur von Ro­ger Bolt­shau­ser

Informativ, unprätentiös und mit viel Liebe zum Detail: So präsentiert sich die deutsch-englische Monografie über das bisherige Werk von Roger Boltshauser und seinem Team. Sie kombiniert Aufsätze mit profunden Projektvorstellungen und einer Auswahl seiner bekannten Couvertskizzen. Durch das Buch zu blättern, sich in die Texte zu vertiefen und die sehr bewusst gewählten Bilder zu betrachten, bereitet grosse Freude.

Date de publication
23-11-2021

Mitmachen und gewinnen: Am 28. November verschenken wir im Rahmen unserer Adventsverlosung ein Exemplar dieser Publikation. Weitere Infos gibt's ab Sonntag auf espazium.ch/de.

Beim Untertitel dieser Neuerscheinung liegt der Gedanke nah, dass sie anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums und zum Feiern des eigenen Schaffens herausgebracht wurde. Dass eine völlig andere Intension dahintersteckt, merkt man zum einen beim Lesen der sehr sachlichen und viel Wissen vermittelnden Texte und zum anderen an der Tatsache, dass an diesem Buch bereits seit zehn Jahren gearbeitet wird – wie in der Einleitung zu lesen ist. Während dieser Zeit entstand ein Werk über den Architekten und Künstler Roger Boltshauser und sein Schaffen.

Viel mehr als simple Projektvorstellungen

Mit seinen mehr als 500 Seiten liegt das Buch unübersehbar auf dem Tisch. Ein hellgrauer Leineneinband umhüllt es elegant und weckt mit der in feinen Linien darauf gedruckten Skizze die Lust, sich hineinzuvertiefen. 1996 gründete Roger Boltshauser in Zürich sein eigenes Architekturbüro, das im vergangenen Vierteljahrhundert auf ein Team von rund 70 Beschäftigten angewachsen ist.

Während dieser Zeit entstanden nach Boltshausers Entwürfen zahllose Bauten, von denen nun exemplarisch 26 ausführlich vorgestellt werden – eingerahmt von zwei einleitenden Aufsätzen und weiteren Essays, Abbildungen vieler seiner bekannten Couvertskizzen und Reliefs sowie einem Anhang mit Werkliste, Publikationen, Auszeichnungen sowie Lebenslauf.

Fesselnder Einstieg

An den Anfang des Buches, gewissermassen als öffnende Klammer, stellte der Herausgeber zwei Beiträge zur Architektur Boltshausers und zu seinem Werk. Sie vermitteln auf mehr als 50 Seiten viel Hintergrundwissen für die weitere Lektüre und geben Einblicke in die Entstehungsgeschichte dieser Monografie. Ihre Sprache ist leicht verständlich, auch für jene, die keine Experten in diesem Fachgebiet sind. Damit gelingt es ihnen, die Leserinnen und Leser in den Bann zu ziehen, weshalb man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Anregung zur Auseinandersetzung

Darauf folgen 26 umfangreiche Projektvorstellungen mit jeweils mindestens zehn Seiten Umfang. Angeordnet sind sie chronologisch entsprechend dem Start eines jeden Bauvorhabens. Diese Entscheidung ermöglicht es, die Entwicklungen und Veränderungen im Schaffen des Architekten nachzuvollziehen.

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Zum Auftakt einer jeden Vorstellung finden sich eine knappe Bautafel, die unter anderem Adresse, Nutzung und – besonders schön – auch die beteiligten Fachplaner umfasst, sowie auf der rechten Seite eine von Boltshausers Skizzen. Weiter geht es ungewöhnlich und gleichzeitig äusserst schlüssig: Anstatt gleich mithilfe eines Textes alle Fakten und die Entwurfsintention zu präsentieren, bringen zuerst Pläne, Skizzen und Bilder dem Leser das Projekt nahe. So kann man sich unvoreingenommen seine eigenen Gedanken und sein individuelles Bild machen. Der Text folgt ganz am Ende.

Die schliessende Klammer bilden noch einmal verschiedene Essays, teils von Boltshauser selbst verfasst, Abbildungen ausgewählter Couvertskizzen sowie ein Auszug aus seinen künstlerischen Arbeiten. Der bereits erwähnte Anhang rundet diese Neuerscheinung inhaltlich ab.

Überzeugende Grafik

Besonders hervorzuheben sind bei diesem Buch noch zwei gestalterische Aspekte: Das luftige Layout mit viel Weissraum ist sehr wohltuend und eröffnet den Freiraum für die eigene Auseinandersetzung mit dem dichten Inhalt. Der andere betrifft die Anordnung der in zwei Sprachen – Deutsch und Englisch – abgedruckten Texte, denn selten gelingt dies so elegant. Auf der linken Seite findet sich das Deutsche, auf der rechten die englische Übersetzung und zwar fettgedruckt, um beide voneinander unterscheiden zu können. Dies ist das Tüpfelchen auf dem «i» einer durchweg gelungenen Monografie.

Martin Tschanz (Hg.): Roger Boltshauser. 1996–2021, Triest Verlag, Zürich 2021. 538 S., mehr als 1.000 Abbildungen und Pläne, 21,9 × 30 cm, Leineneinband, Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-03863-057-9, Fr. 98.–

 

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