Die Kunst des Schlafens

Kolumne

Hella Schindel Architektur, Redaktorin TEC21

In Tokio erhält das Klischee vom nimmermüden und stets ausgeglichenen Japaner neues Futter: Schlafen wird zur künstle­rischen Performance. Offenbar ist den fleissigen Grossstadtbewohnern das natürliche Verhältnis zur Nachtruhe abhanden gekommen. Ja, sie scheint inzwischen so wenig Teil des Lebens zu sein, dass sie dem Design­museum 21_21 eine Ausstellung wert ist. Das von Tadao Ando ent­wor­fene Gebäude liegt in einem Park mitten im aufstrebenden Stadtteil Roppongi. In den ebenerdigen Ga­le­rie­teil wurden Schlafkojen eingebaut. Der aufgeschlossene Besucher ist eingeladen, es sich unter dem luftigen Stahldach, das nach einer Skizze von Issey Miyake an ein hingeworfenes Tuch erinnert, für eine oder auch ein paar Nächte gemütlich zu machen.
Abgesehen von der aussergewöhnlichen Gelegenheit, gratis in ein architektonisches Kleinod einzuchecken, könnte das Ganze ein aufschlussreiches Experiment sein – im Schlaf lösen sich bekannter­­­massen ein paar Probleme wie von selbst. Wären da nicht die verführe­rischen Steckdosen, die gut sichtbar an jedem Kopfende installiert sind. Falls der Schlaf nicht kommen will, lässt sich die Zeit für die eine oder andere Überstunde, ach, was heisst schon Überstunde … also, was wollte ich, gähn, erwähnen … An­genehme Träume allerseits!
 

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