«Die Preise schaffen Sichtbarkeit»
SIA Masterpreis Architektur
Seit fünf Jahren macht der SIA Masterpreis Architektur die Bildungslandschaft der Schweizer Hochschulen sichtbar. Ab 2026 kommt nun der SIA Masterpreis Ingenieurbau hinzu und erweitert das Spektrum der abgebildeten Disziplinen.
Was ist das Besondere am SIA Masterpreis Architektur?
David Leuthold: Der SIA führt den Masterpreis Architektur zusammen mit allen Hochschulen durch, die einen Masterabschluss anbieten. Diese selektieren vor und eine professionelle Jury prämiert danach die drei besten Arbeiten und fünf Anerkennungen. Zudem stellt jeweils eine Gastgeberschule die Infrastruktur für die Jurierung und die Preisverleihung zur Verfügung. In diesem Jahr ist das die ETH Zürich.
Wie ist die Jury zusammengesetzt?
David Leuthold: Die strategische Begleitgruppe wählt die Jury aus. Sie soll aus praktizierenden Architekten und Architektinnen bestehen, die keinen Lehrauftrag haben, und bildet so die Perspektive der Praxis ab. Die Jury ist alters- und geschlechterdurchmischt und besteht aus Personen der drei Sprachregionen. Eine Aussensicht, wie beispielsweise 2023 Andreas Ruby vom Schweizerischen Architekturmuseum S AM, ergänzt die Runde. Zudem ist auch ein Preisträger oder eine Preisträgerin vom Vorjahr in der Jury vertreten.
2026 wird erstmals der SIA Masterpreis Ingenieurbau lanciert. Wo soll der Preis ansetzen und was soll er sichtbar machen?
Olin Bartlomé: Es gibt in der Bauingenieurbranche einen Nachwuchsmangel. Da sehen wir das Potenzial des SIA Masterpreises Ingenieurbau. Wir erhoffen uns von dem Preis, dass junge Ingenieurinnen und Ingenieure ihre Abschlussarbeiten aufbereiten und visualisieren. Das ist bei Ingenieuren nicht selbstverständlich, aber wichtig, um auch den jüngeren Semestern zu zeigen, was man Cooles und Wichtiges in unserem Beruf machen kann.
David Leuthold: Ihr habt ja auch ein grosses Spektrum an Themen.
Olin Bartlomé: Ja, wir haben im Bauingenieurwesen eine grosse Bandbreite. Von Tiefbauingenieuren über diejenigen, die sich um Erdbeben kümmern, und andere im Bereich des Bauwerkserhalts bis hin zu den klassischen Hochbauingenieurinnen. Die Infrastruktur – das heisst das Strassen- und Zugnetz – ist ein wichtiges Thema. Denn wir haben in der Schweiz ein relativ hohes Bevölkerungswachstum und somit auch mehr Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren, die sich um dessen Unterhalt und Ausbau kümmern. Gleichzeitig sind aber die Studierendenzahlen an den Hochschulen tendenziell rückläufig. Wenn wir nicht wollen, dass sich die Planungsleistungen ins Ausland verlagern, womit wir uns von diesem abhängig machen, brauchen wir mehr Fachkräfte und Nachwuchs in dem Bereich.
David Leuthold: Mit anderen Worten: Wir brauchen auch Ingenieurinnen und Ingenieure aus dem Ausland bei uns, oder die Ingenieurarbeiten werden anderswo gemacht. Richtig?
Olin Bartlomé: Genau. Wir von der Berufsgruppe Ingenieurbau sind der Meinung, dass wir die Ingenieurleistungen in der Schweiz erbringen müssen. Darum brauchen die Projekte der Bauingenieurinnen und Bauingenieure mehr Sichtbarkeit bei den Jungen, und dabei soll der Masterpreis Ingenieurbau helfen.
«Es dominieren Nachhaltigkeitsthemen, Re-Use und Klimafragen. Themen wie Raum, Struktur, Licht oder Haptik kommen aktuell eher kurz.» David Leuthold
Wie hat sich der SIA Masterpreis Architektur in den fünf Jahren entwickelt?
David Leuthold: Es dominieren nach wie vor Nachhaltigkeitsthemen, Re-Use und Klimafragen. Dort entstehen oft Nähen zwischen Landschaftsarchitektur, Bauingenieurwesen und Architektur. Es entstehen zum Beispiel viele gute Arbeiten, die sich mit Meliorationsthemen und Landverschiebungen auseinandersetzen und stark visualisiert sind.
Was ich ein bisschen vermisse, ist die klassische Architektur – natürlich immer in einem gesellschaftlichen Kontext. Aber Themen wie Raum, Struktur, Licht oder Haptik kommen aktuell eher kurz.
Wo sind bisher durch den SIA Masterpreis Architektur Brücken entstanden?
David Leuthold: Der Preis hat sich mittlerweile etabliert. Dadurch vergleichen sich die Schulen mehr miteinander und entwickeln ihre jeweiligen Profile stärker. Zudem überlegen sie, welche Fähigkeiten die Absolventinnen und Absolventen in der Praxis benötigen. Die Studierenden profitieren, indem sie zwischen Schulen mit verschiedenen Ausrichtungen wählen können.
«Wir müssen die Ingenieurinnen und Ingenieure stärker dazu motivieren, ihre Leistungen zu zeigen.» Olin Bartlomé
Was übernimmt der SIA Masterpreis Ingenieurbau vom SIA Masterpreis Architektur und was wird anders?
Olin Bartlomé: Der Prozess ist ähnlich. Der grosse Unterschied ist, dass wir innerhalb des Bauingenieurwesens sehr unterschiedliche Fachgebiete abbilden müssen. Es stellt sich die Frage, wie man ein Holzhochhaus mit einem Tunnelprojekt oder Staumauerfundationstechniken vergleicht. Zudem sind Ingenieurinnen und Ingenieure etwas zurückhaltender, was die Präsentation und die Aufbereitung ihrer Arbeiten betrifft. Wir müssen sie vielleicht stärker dazu motivieren, ihre Leistungen zu zeigen.
«Eine spannende Frage ist, wie kommunizieren Ingenieurin und Architekt miteinander. Ich könnte mir eine Spezialanerkennung für Interdisziplinarität vorstellen.» David Leuthold
Stichwort Interdisziplinarität – können Sie sich Synergien und Austausch zwischen den beiden Preisen vorstellen?
David Leuthold: Eine spannende Frage ist, wie Ingenieurin und Architekt miteinander kommunizieren. Ich könnte mir eine Spezialanerkennung für Interdisziplinarität vorstellen. Allerdings wird Interdisziplinarität erst dann richtig interessant, wenn jede Disziplin stark ist und eine eigene Identität und Ausstrahlung hat.
Timeline SIA Masterpreise 2026
31. Juli
Deadline Nominationen Masterarbeiten Architektur durch die Hochschulen
6. bis 15. Oktober
Ausstellung der nominierten Arbeiten
Foyer im HIL-Gebäude,
ETH Campus Hönggerberg,
Stefano-Franscini-Platz 5,
8093 Zürich
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 7–22 Uhr
und Samstag von 8–12 Uhr
6. und 7. Oktober
Jurierung
15. Oktober
Preisverleihung, ab 18 Uhr
Hörsaal HIL E1, HIL-Gebäude,
ETH Campus Hönggerberg,
Stefano-Franscini-Platz 5,
8093 Zürich
31. Oktober
Deadline Nominationen Masterarbeiten Ingenieurbau durch die Hochschulen
November/Dezember
Individuelle Beurteilung der Projekte nach Fachgebiet
Weitere Infos: sia-masterpreis.ch