Schu­le mit Auf­sicht

Kolumne

Publikationsdatum
31-10-2019

Die Schulhäuser in der Stadt Zürich repräsentieren eine Meisterklasse der Architektur. Viele prägende Bauten stammen von allseits bekannten Vertretern der ETH-Akademie. So manche verheissungsvolle Berufskarriere begann mit dem Entwurf einer Zürcher Schule, auch wenn einige davon nie gebaut worden sind.

Mir persönlich gefällt die Stadtschullandschaft, weil es auf sonntäglichen Spaziergängen immer wieder Neues zu entdecken gibt. So öffnen mir die «Schulbesuche» jeweils die Augen, wie es um die einstige und heutige Baukultur steht. Bislang konnte ich an stolzen Palästen vorbeiwandeln, über hypermoderne Glashäuser staunen oder über fantasiearme Klötze rätseln, in denen ich selbst nicht unterrichtet werden möchte.

Eine jüngere Erkenntnis nach ­solchen Rundgängen ist aber, wie unverzichtbar der funktionstüchtige Pavillon geworden ist. Zu meinem Bedauern nähern sich immer mehr von einer Jury ausgewählte Neu­bauten dieser Beliebigkeit an. Wenn die Architektur aber keinen Ideenreichtum zu versprühen vermag, hilft wohl einzig die Kunst. Tatsächlich war ein derartiges Werk meine Rettung bei der letzten Erkundung. Erst dieses regte zum Sinnieren an: Wendet sich dieses Auge bewusst vom Schulhaus ab, oder ist das etwa eine Pausenaufsicht?

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