Pol­ni­scher Pa­vil­lon an der 13. Ar­chi­tek­tur­bi­en­na­le

«Making the walls quake as if they were dilating with the secret knowledge of great powers»

Publikationsdatum
04-09-2012
Revision
25-08-2015

Sind die Wände gerade? Woher kommen die Geräusche? Während die einen ungläubig die grauen Oberflächen abtasten, haben die anderen die Ohren an den grauen Wandflächen, die das Innere des polnischen Pavillons auskleiden. Einige Besucher stehen gar mit geschlossenen Augen in diesem Raum, der sich durch seine Verwandlung jeder Zuordnung entzieht und damit sensibel macht für das, was tatsächlich vorhanden ist. Mit dem Zitat aus dem Roman «Dombey und Sohn» von Charles Dickens umschreibt der Kurator Michal Libera, welche Idee dieser eindrücklichen Rauminstallation zugrunde liegt: den Raum mit den Sinnen wahrnehmen, ihn wieder zu hören. Dazu hat die Architektin Katarzyna Krakowiak die perfekte Kulisse geschaffen. Die graue Verkleidung der Boden- und Wandflächen, die, um etwa 2.5° aus dem rechten Winkel gedreht, einerseits so irritieren, andererseits aber auch so weit zurückgenommen sind, dass die Aufmerksamkeit auf das Hören gelenkt wird. Für eine ausreichende Geräuschkulisse sorgen über 50 Lautsprecher, die über den Raum verteilt mit irritierend tieffrequenten Tonfolgen die Hörer füttern.

Die Installation setzt sich damit ganz unmittelbar mit dem Biennalethema, «Common Ground», auseinander. Was heisst es eigentlich, einen Raum zu schaffen, der uns allen gehört? Wie kann er aussehen, und was ist dabei entscheidend? Libera macht mit dem polnischen Pavillon auf die Bedeutung unserer Wahrnehmung aufmerksam; er zeigt uns, wie sensibel unsere Sinne sind, ein Aspekt, der in der Architektur oft bemüht, aber noch viel zu wenig berücksichtigt ist. Es ist nur allzu berechtigt, dass die Arbeit mit dem Anerkennungspreis der diesjährigen Architekturbiennale ausgezeichnet wurde.

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