Neue Kli­ma­da­ten für SIA-Nor­men in der Ver­nehm­las­sung

Der SIA hat neue Klimadaten für bauphysikalische, energie- und ge­bäudetechnische Berechnungen nach SIA-Normen erarbeitet. Damit will er dem Klimawandel Rechnung tragen. Die Daten stehen zurzeit mit der Wegleitung SIA 4028 in einer technischen Vernehmlassung.

Publikationsdatum
10-03-2026
Prof. Gerhard Zweifel
Präsident der SIA-Kommission für Gebäudetechnik- und Energienormen (KGE), Sachbear­beiter SIA 380 und 380/2, Projektleiter SIA 4010

Die bisher im SIA-Merkblatt 2028:2010 «Klimadaten für Bauphysik, Energie- und Gebäudetechnik» publizierten Klimadaten sind aufgrund des Klimawandels veraltet. Selbst neuere, auf der Basis der Schweizer Klimaszenarien CH 2018 ergänzend erarbeitete Daten aus dem Jahr 2022 (Korrigenda SIA 2028-C2:2023) erweisen sich teilweise als nicht mehr aktuell. 

Daher haben MeteoSchweiz und der SIA in einem gemeinsamen Projekt auf der Basis von Messdaten der Jahre 1994 bis 2023 neue Klimadaten für die verschiedenen Berechnungen in den Normen der Bereiche SIA 180, 380, 382, 384 und 387 erarbeitet. 

Nun stehen die Daten in digitaler Form zur Verfügung. Dabei gibt es die tabellarisch dargestellten kompakten Daten, beispielsweise für die Auslegung von gebäudetechnischen Komponenten. Daneben gibt es auch wie bisher Jahresdatensätze in stündlicher Auflösung, wie sie für Gebäudesimulationen benötigt werden. Analog zu den 2022 erstellten szenarienbasierten Daten wurde je ein typisches Jahr – Design Reference Year (DRY) – und ein Jahr mit extremem Sommer («1 in 10»-Jahr) aufbereitet. 

Begleitend zu diesen Daten ist auch die Wegleitung SIA 4028 «Klimadaten für bauphysikalische, energie- und gebäudetechnische Berechnungen» entstanden.

Neue Wege in der Datenaufbereitung

Bezüglich der Daten-Präsentation hat sich die Arbeitsgruppe an den bisherigen Daten aus dem Jahr 2010 orientiert. In einigen Bereichen sind allerdings Neuerungen eingeführt worden:

  • Innerhalb der Messdaten der Jahre 1994 bis 2023 sind für die Schlüsselparameter «Temperatur», «Solarstrahlung» und «Feuchte» ein deutlich sichtbarer Trend festzustellen (vgl. Abb.1). Dieser wurde in Form von Trendkorrekturen berücksichtigt. Damit stellen die Daten nicht die Mitte, sondern das Ende der besagten Periode dar, also das heute aktuelle Klima.
     
  • Als Grundlage für die Generierung der Daten zu Solar- und Infrarotstrahlung sowie Bewölkung und Bodenzustand wurden an Stelle von Stationsmessungen satellitenbasierte Daten (GeoSatClim) verwendet. Dies ersetzt die immer weniger vorhandenen Augenbeobachtungen. Auf diese Weise werden durch Interpolation zu füllende Lücken vermieden.
     
  • In den Normen SIA 380 und 380/2 wird bei klimatisierten Bauten für die Bestimmung des Leistungsbedarfs (Kälte und Wärme) eine dynamische Berechnung verlangt. Die dafür bisher angebotenen speziellen Auslagetage beziehungsweise -perioden wurden – in Abweichung von internationalen Normen – neu durch Perioden innerhalb der stündlichen Datensätze ersetzt. Dazu ist lediglich eine Datumsangabe nötig. Das vereinfacht die Handhabung für die Implementierung in Simulationsprogrammen erheblich.
     
  • Für die Zuordnung der stationsbezogenen Daten zu bestimmten Standorten konkreter Projekte wurde eine bisher fehlende Hilfestellung erarbeitet. Sie liegt in Form einer umfangreichen Tabelle mit über 4000 Postleitzahl-Perimetern mit zugeordneten Klimastationen vor. Die Hilfestellung wird ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Zusätzliche Daten und Hitzeinseleffekt 

Ergänzend wurden Daten zu Schneehöhen und Schnee-Wasser-Äquivalent generiert – für die Bestimmung der erforderlichen Höhen von Luftfassungen und die Betätigungskräfte für Rauch- und Wärmeanzugseinrichtungen. Ebenso wurden Kühlgradtage für die Basistemperaturen 10, 14 und 18.33 °C ergänzt. Die Akkumulierten Temperaturdifferenzen (ATD) wurden auf die neue Basistemperatur gemäss der Norm SIA 380 angepasst. 

Die Stationsliste konnte auf 53 Stationen ergänzt werden. Darüber hinaus wurde zur Berücksichtigung des Hitzeinseleffekts in der Innenstadt für sieben Städte mittels eines neuartigen Modellansatzes Daten generiert (vgl. Abb. 2). Dabei wurde vom Stationspaar Zürich Affoltern und Zürich Kasernenplatz ausgegangen. 

Der daraus abgeleitete Transfer von der Umland- auf die Innenstadt-Station wurde auf die sechs weiteren Städte Basel, Bern, Genf, Lausanne, Luzern und Winterthur mit deren Umlandstationen angewandt.

CH 2018-basierte Daten überholt

Die 2022 erarbeiteten, auf den Klimaszenarien CH 2018 basierenden Daten für den Zeitraum 2035 sind durch die Klimaentwicklung eingeholt; die neuen gegenwartsbezogenen Daten zeigen in Bezug auf die Anzahl Hitzetage, der Hitzeperioden sowie der Tropennächte gleich hohe oder leicht höhere Werte auf. Das heisst, das bisher für 2035 prognostizierte Klima ist bereits heute Realität. Die Daten für 2035 werden daher nicht mehr angeboten. 

Die Daten für das RCP 2.6-Szenario – entspricht einem Szenario mit deutlichen Anstrengungen beim Klimaschutz, inkl. im Bereich negativer Emissionen – und den Zeitraum 2060 weisen sehr kleine Unterschiede auf und werden daher ebenfalls nicht mehr angeboten. Lediglich die Daten für das Szenario RCP 8.5 – entspricht einem weiter-so-wie-bisher-Szenario – und den Zeitraum 2060 werden beibehalten. 

Letzterer muss jedoch auf Grund der Erkenntnisse der neuen Schweizer Klimaszenarien CH 2025 auf 2050 angepasst werden. Die Bezeichnung der Dateien mit «2060» wird trotzdem beibehalten. Im Text der Wegleitung prSIA 4028 wird aber der neue Zeitraum zugeordnet. Im Rahmen des Projekts war es weder zeitlich noch ressourcenbedingt möglich, ein Aufdatieren dieser Daten aufgrund der CH 2025-Szenarien zu leisten. Das bleibt eine Aufgabe für ein mögliches Nachfolgeprojekt.

Freiwillige Vernehmlassung 

Um den potenziellen Nutzerinnen und Nutzern die Gelegenheit zu geben, die Auswirkungen der neuen Daten in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern zu testen, wurde beschlossen, eine freiwillige technische Vernehmlassung durchzuführen. Daten und Wegleitung stehen dafür von März bis Mai 2026 auf der SIA-Webplattform unter dem Menüpunkt «Vernehmlassungen» bereit.

Die neuen Daten werden alle in digitaler Form kostenlos auf www.energytools.ch zur Verfügung gestellt – auf eine gedruckte Publikation wird verzichtet. Begleitend wurde an Stelle des bisherigen Merkblatts 2028 die neue Wegleitung SIA 4028 «Klimadaten für bauphysikalische, energie- und gebäudetechnische Berechnungen» erarbeitet. In dieser sind die Daten und die Verfügbarkeit beschrieben sowie die Methoden zu deren Generierung dokumentiert. 

Kostenloses Vernehmlassungswebinar

Das Webinar von SIA inForm zeigt, was die neuen Daten beinhalten, und geht auf die Neuerungen ein. Darüber hinaus wird die Bedeutung in Bezug auf den Klimawandel aufgezeigt sowie der Einfluss auf die betroffenen Normen und die Konsequenzen bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes. 

 

Das Webinar ist kostenlos und findet am 19. März 2026 statt. Weitere Informationen und Anmeldung: Vernehmlassungswebinar zur Wegleitung SIA 4028

Verwandte Beiträge