Die Lie­be um­lei­ten?

Kolumne

Publikationsdatum
20-12-2019

Liebesschlösser am Emile-­Béthouart-Steg in Innsbruck. Gut für die Stadtbäume – früher hat man seine Ini­tialen noch in die Rinde geritzt. Schlecht für die Fachwerkbrücke von 1875, denn das Sicherheitsnetz ist nicht dafür geeignet, die Schlösser zu tragen. Deshalb be­findet sich dort eine Hinweistafel, auf der vermerkt ist, die Liebenden ­mögen sich bitte ein Stück flussaufwärts begeben. Der dortige überdachte Holzsteg wäre den Belastungen besser gewachsen – ist aber deutlich weniger romantisch.

Darf und kann man die Liebe denn einfach umleiten? Dass die Schlösser Korrosion verursachen oder die Tragsicherheit der Geländer gefährden, wird auch andernorts diskutiert. Müssten die Stadtverwaltungen nicht Materialien und Konstruktionen finden, die diesen Trend mit­machen? Wäre es nicht an der Zeit, die Randbedingungen bei Brückenwettbewerben anzupassen?

Der Vorsatz, als Paar für immer zusammenzubleiben, kann freilich auch als ein Sich-aneinander-Ketten verstanden werden, Freiheitsraub so­zusagen. Wer will das unterstützen? Die Lösung: schöne Plätze auf und vor imposanten Brücken schaffen, von wo sich schicke Pärchen-Selfies schiessen lassen. Das ist trendy und rostet nicht. Wir wünschen Ihnen allen ein frohes Fest der Liebe!

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