Bull­s­hit-Jobs?

Kolumne

Publikationsdatum
13-06-2019

Unseren Sommerurlaub haben wir letztes Jahr in Barcelona verbracht – zusammen mit acht Millionen anderen Touristen. So viele Leute? Alle waren irgendwie gemütlich unterwegs. Die Hitze? Mehr als sich am Nachmittag an der «Platga» unter einem Sonnenschirm verstecken musste man nicht. Die Pracht des katalanischen Modernismo konnte man jeweils vorher, in der Vormittagsfrische, bestaunen.

Die grösste Bewunderung während dieses Städtetrips lösten allerdings die unzähligen Putzfrauen und -männer aus, die bereits frühmorgens die Altstadt mit Besen, Wasserschlauch und Kehrmaschine von Dreck, getrocknetem Urin und anderem Unrat befreiten. Siebenmal die Woche, von Mitternacht bis 4 Uhr morgens, putzen sie das Kulturerbe jeweils von Neuem heraus.

Als Lektüre am Strand von Barcelona habe ich mir ein Interview zu Ge­müte geführt, in dem der Autor des Sachbuchs «Bullshit-Jobs» die Welt der Arbeitenden nicht wie Marx in ein Oben und Unten einteilt, ­sondern in die Kategorien «sinnvoll» und «sinnentleert». Zu Letzteren zählt er Bürokraten, Evaluatoren und wei­tere Administratoren. Erstere seien dagegen diejenigen, die wahre Mehrwerte schaffen oder unmittelbare Dienste für die Menschheit leisten. Ich habe sofort verstanden, wen er damit meint.

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