«Es ist Zeit, dass die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on über­nimmt»

Beatrice Aebi gibt 2021 ihr Mandat als Präsidentin des Netzwerks Frau und SIA ab. Im Interview erklärt sie, weshalb das Netzwerk für Frauen in technischen und gestalterischen Berufen wichtig ist und ­weshalb sie nach 14 Jahren als Präsidentin aufhört.

Publikationsdatum
12-02-2021

SIA: Frau Aebi, weshalb treten Sie als Präsidentin des Netzwerks Frau und SIA ab?
Beatrice Aebi: Wir haben eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren, die ich auf Bitten meiner Vorstandskolleginnen um zwei Jahre bis zum Ende der ordentlichen Wahlperiode 2021 verlängert habe. Nach 14 Jahren ist nun definitiv Schluss. Es ist Zeit, dass die Gründungsgeneration abtritt und die jüngere Generation übernimmt. Ich bilde mir ein, bald mehr Freiraum zu haben (lacht).

Weshalb sollte sich frau als Präsidentin bewerben?
Weil die Frauen in technischen und gestalterischen Berufen nach wie vor untervertreten sind, vor allem auf der Führungsebene. Es gibt beispielsweise auch heute noch Wettbewerbsjurys nach SIA 142/143, in denen keine einzige Fachpreisrichterin einsitzt. Es braucht nach wie vor unser beharrliches Engagement, um das zu ändern; von allein tut sich nichts. Zudem ist es eine span­nende und abwechslungsreiche Aufgabe, das in der ganzen Schweiz tätige Netzwerk zu präsidieren und seinen Aufbau und sein Wachstum zu gestalten. Der Austausch und die Freundschaften, die ich in der langen Zeit der gemeinsamen Arbeit gewonnen habe, sind unglaublich bereichernd.

Welche Aufgaben hat die Präsidentin?
Es gibt ein Pflichtenheft für diese Führungsaufgabe. Der Schwerpunkt liegt auf strategischen, berufspolitischen, repräsentativen und organisatorischen Tätigkeiten. Manchmal muss die Präsidentin zwischen Verband und Mitgliedern vermitteln oder anspruchsvolle Gespräche moderieren. Sie arbeitet mit den sehr unterschiedlich funktionierenden Regionalgruppen und den verschiedenen Organen des SIA. Die Präsidentin muss sich einmischen und ab und zu erläutern, warum es das Netzwerk und seine Aktivitäten nach wie vor braucht.

Drei Gründe, weshalb es sich lohnt, Präsidentin von Frau und SIA zu werden?
Das Netzwerk selbst, die Mitsprache im SIA auf strategischer Ebene und die Freude daran, wenn eines unserer tollen Projekte nach langer Vorarbeit und der Überwindung aller Widerstände zum Fliegen kommt und auch noch Preise gewinnt. Es ist ein Haufen Arbeit, frau benötigt eine hohe Frustrationstoleranz für sich selbst und die Kolleginnen, aber es macht auch grossen Spass.

Das Mandat verlangt rund 250 Stunden Arbeitsaufwand pro Jahr. Wie haben Sie das mit Ihrem Job unter einen Hut gebracht?
Ich habe meist abends und am Wochenende gearbeitet. Als voll berufstätige, alleinerziehende Mutter habe ich den Vorteil einer Festanstellung, was mir auch bei hoher Belastung erlaubt, in der «freien» Zeit nicht noch Aufträge für mein Unternehmen akqui­rieren zu müssen. Das Präsidium wird seit 2018 entschädigt, was heute etwa ein Drittel der ge­leisteten Arbeit deckt. Und: Der Aufwand ist nach oben offen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Netzwerk-Präsidentin?
Es fällt mir schwer, aus der Fülle aller Erlebnisse ein einzelnes herauszupicken. Die Vollversammlungen, jedes Jahr bei einer anderen Regionalgruppe, vor dieser geballten weiblichen Kompetenz zu stehen, das war jedes Mal grossartig. Unvergesslich waren die Buchprojekte und die damit einhergehenden öffentlichen Debatten, der Prix Saint-Exupéry für das Kinderbuch «Ingénieuse Eugénie» und seine Verankerung im Primarschul-Lehrplan der Kantone Genf und Waadt, die hochkarätigen Podien, Vorträge und Studienreisen im In- und Ausland.

Welche Meilensteine hat Frau und SIA bereits erreicht?
Dass wir in den Statuten des SIA stehen, dass wir als Kompetenzzentrum vielseitig wahr­genommen und hin und wieder vom SIA zu strategischen Diskussionsrunden eingeladen werden (lacht). Wir haben nun über 360 Mitglieder in fünf Regionalgruppen; eine Regionalgruppe ist inaktiv.

Welche Aufgaben werden das Netzwerk in den nächsten Jahren beschäftigen?
Die grossen Herausforderungen zum Erhalt und zur Gestaltung unserer Umwelt sowie der Fachkräftemangel können nicht ohne das Mittun der hochquali­fizierten Frauen gelöst werden. Mit anderen Worten: Die Gesellschaft kann es sich nicht leisten, hierbei auf die weibliche Fachkompetenz und Berufserfahrung zu verzichten. Der SIA und das Netzwerk als Teil davon sind gefordert, sich für gute Arbeitsbedingungen seiner Mitglieder zu engagieren.

«Frau und SIA» sucht eine neue Präsidentin
Beatrice Aebi, dipl. Architektin und Stadtplanerin von Wil SG legt ihr Mandat als Präsidentin des Netzwerks Frau und SIA 2021 nieder. Deshalb sucht Frau und SIA eine Nachfolgerin. Hier gehts zum Inserat: www.sia.ch/vakanzen.