Tauben verköstigen im Park

Kolumne

Anna-Lena Walther Layout TEC21

Wer sich die Mühe macht, einen Garten anzulegen, dem schwebt schon beim Säen ein grünes, wildes Paradies vor. So juckte auch mir vor einigen Jahren der grüne Daumen – ein Gemüsebeet musste her. Ich rang meiner Ver­mieterin einige Quadratmeter Boden ab, schleppte ein paar Kisten Setzlinge an und pflanzte sie ein. Es folgten zwei Tage Regenwetter, ich überliess meinen Garten dem Schicksal … und den Schnecken. Denn am dritten Tag meiner Schöpfung stand ich, so schien es mir, vor einem leer gefressenen ­kalten Buffet – eine Erfahrung, die meinen Gärtner­enthusiasmus ­seitdem nachhaltig gebremst hat.
Ähnlich muss es den Kommunalmitarbeitern von Mailand gehen. Da hat man einen kleinen Park angelegt und flugs die Rasensaat verteilt, auf dass sie im nächsten Frühling auf­gehen möge. Doch die Rechnung wurde ohne die gemeine Stadttaube gemacht: Hunderte ihrer Art freuen sich über den unverhofften Snack und schlagen sich die Vogelbäuche voll. Oder habe ich die Taktik der Lombarden nicht verstanden? Dient das Pärkchen allein als Ablenkungsmanöver fürs Federvieh? Denn wer sich hier in Ruhe satt fressen kann, muss nicht mehr in die stressige Innenstadt fliegen! Auf dem Domplatz habe ich jedenfalls an diesem Tag keine einzige Taube gesehen.
 

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