We­ch­sel an der Spi­tze des Sch­wei­ze­ri­schen Ar­chi­tek­tur­mu­seums

Die vergangenen zehn Jahre im Schweizerischen Architekturmuseum S AM waren geprägt von einem breiten Themenspektrum, dem Einbezug der drei Sprachregionen und einem lebhaften Architekturdiskurs. Anfang 2026 übernimmt ein neuer Direktor, dessen Wahl zunächst überrascht. 

Data di pubblicazione
21-10-2025
Isabel Borner
Redaktorin Umwelt/Energie und Architektur espazium magazin

Das S AM Schweizerisches Architekturmuseum ist ein Sonderfall unter den Kulturinstitutionen. Als Untermieter der Kunsthalle Basel hat es keine eigene räumliche Präsenz im Basler Stadtbild. Zudem heisst es zwar Museum, wird vom Bundesamt für Kultur aber nicht als solches definiert, da es keine eigene Sammlung besitzt. Aus diesem Grund wurden 2016, kurz nach dem Stellenantritt des aktuellen Direktors Andreas Ruby, sämtliche Fördergelder gestrichen. 

Ruby hat durch intensives Fundraising ein Budget erarbeiten können, das die Realsierung der Ausstellungen knapp ermöglichte. Die Finanzen waren stets ein heikles Thema und führten auch unter anderen Direktorinnen in der Vergangenheit immer wieder zu Turbulenzen. Die Qualitäten des Museums sind seine Lage in der Architekturstadt Basel, seine schweizweite Ausrichtung und eine lebhafte Community.

Ab 2026 übernimmt Adam Szymczyk die Leitung des S AM. Der Kunsthistoriker wurde von der Findungskommission einstimmig gewählt. Er studierte Kunstgeschichte an der Universität Warschau und absolvierte das Curatorial Training Program am De Appel, Amsterdam. Von 2002 bis 2014 war er Direktor und Kurator der Kunsthalle Basel. 2008 kuratierte er zusammen mit Elena Filipovic die 5. Berliner Biennale. 2013 wurde er zum künstlerischen Leiter der documenta 14 berufen, die er 2017 zeitgleich in Athen und in Kassel ausrichtete. In den vergangenen acht Jahren kuratierte Szymczyk Ausstellungen in der Schweiz sowie international. Zugleich unterrichtete er am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich (gta), an den Universitäten Basel und Zürich und der Akademie der Bildenden Künste, Wien. 

Szymczyk interessiert die politische Dimension des Berufsfeldes Architektur und der Diskurs, der die Architektur im sozialen, ökonomischen und kulturellen Umfeld prägt, so heisst es in der Medienmitteilung. Er orientiere sich an der Vision derjenigen, die 1984 das Architekturmuseum gründeten. Ihr Ziel war es, ein nationales Zentrum für Architektur zu schaffen, das die Schweizer Baukultur fördern, dokumentieren und öffentlich zugänglich machen sollte. 

 S AM schreibt in seiner Medienmitteilung: «In Szymczyks Arbeit dient die kritische Betrachtung der Geschichte als Inspiration für die Gegenwart und formt die Vision für die Zukunft.». Zudem lobt die Findungskommission Szymczyks poetische und theoretisch fundierte Reflexion der Architektur und die sinnliche Qualität seiner Ausstellungen. Klar ist, dass sich hier sowohl inhaltlich als auch personell ein profunder Wechsel ankündigt; wohin die Reise geht, ist offen.