Bau­haus – echt je­tzt?

Kolumne

Hintergründige Gedanken der TEC21-Redaktion rund ums Thema Baukultur.

Data di pubblicazione
11-07-2019

Auf dem Campus der Hochschule Kaiserslautern fällt er sofort auf: Der Werkstattflügel des berühmten Dessauer Bauhaus-Gebäudes hat hier als mobiles Modell einen Zwischenstopp eingelegt. Auf dem Gestell eines Autoanhängers tourt das Weltkulturerbe durch die Lande und macht auf das 100-Jahr-Jubiläum des Bauhauses aufmerksam. Artig im Park abgestellt, lädt es ein, von allen Seiten betrachtet zu werden. Der Rundgang offenbart eine ganze Bandbreite von baulichen Lösungen: kubische Volumen mit akkurat modellierter Curtain Wall auf der einen Seite, Lochfassaden mit handelsüb­lichen Kunststofffenstern und -türen auf der anderen.

Handelt es sich um ein Zeugnis hoher Baukultur oder um einen Spiegel des Alltags? «Dass die das damals schon konnten!», denkt sich der ein oder andere un­bedarfte Spaziergänger im Vorbei­gehen. «Vielleicht gibt es das auch als Bausatz?», fragt sich die gewiefte Handwerkerin. Den gebauten Zaungästen oben am Hang gefällt es. Sie stehen Spalier und klatschen dem Juwel der Moderne Beifall. Sollen sie etwa mit dessen Besuch geadelt werden? Schliesslich sind sie im Lauf der Jahre mit viel Liebe und Hingabe von ihren Besitzerinnen und Besitzern modernisiert worden.

bauhaus oder Bauhaus, das ist hier die Frage.