Ein Ort des Erin­nerns

Date de publication
03-11-2026

Am Samstagnachmittag, dem 31. Oktober, fand auf dem Gelände des Armee-Ausbildungszentrums Luzern (AAL) auf der Luzerner Allmend eine Preview des neuen Gedenkorts für die Verstorbenen der Schweizer Armee statt. In ungezwungener Atmosphäre bot sich den Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit, das Projekt noch vor seiner offiziellen Eröffnung zu besichtigen und zu begehen. Auch die beiden Kunstschaffenden und Architekten andreasschneider und Philipp Schallnau waren vor Ort und standen für persönliche Gespräche über die Entstehung, die Gestaltung und die Idee hinter ihrem Werk zur Verfügung.

Erinnerung an die Verstorbenen der Schweizer Armee

Seit der Revision der Bundesverfassung von 1874 und der damit verbundenen Übertragung der «Verfügung über das Bundesheer» von den Kantonen an den Bund sind zahlreiche Armeeangehörige im Dienst verstorben. Sie verloren ihr Leben unter anderem beim Grenzdienst während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, in den Luftkämpfen von 1940, bei Flugzeug- und Helikopterabstürzen, durch Schiess-, Munitions- und Verkehrsunfälle oder bei Unglücken im Gebirge.

Bis heute wird die Schweizer Armee mit Todesfällen konfrontiert, die sich im Zusammenhang mit der Erfüllung der verfassungsmässigen Militärdienstpflicht und dem Auftrag zur Wahrung der Sicherheit unseres Landes ereignen. Bei Militärunfällen kamen zudem auch Zivilpersonen ums Leben.

Der neue Gedenkort erinnert an die mehr als 10000 Angehörigen der Schweizer Armee, die in den vergangenen 150 Jahren während ihres Diensts ums Leben gekommen sind. Künftig wird er als zentraler Ort für militärische Gedenkveranstaltungen und Zeremonien dienen. Gleichzeitig steht er der Öffentlichkeit offen. Auch Spaziergängerinnen und Spaziergänger, die in der naturnahen Landschaft der Luzerner Allmend Ruhe und Besinnung suchen, sind eingeladen, diesen besonderen Ort auf sich wirken zu lassen.

Ein Band als Narbe

Das Projekt von andreasschneider und Philipp Schallnau wurde 2021 im Rahmen eines Kunst- und Architekturwettbewerbs einstimmig aus mehreren eingereichten Beiträgen ausgewählt. Ausschlaggebend war insbesondere seine tiefgründige und zeitlose Symbolik.

«Monumoira» – erinnern an das Schicksal. Bereits bei der Ankunft auf dem Parkplatz des Armee-Ausbildungszentrums fällt das zentrale Gestaltungselement ins Auge: ein in den Boden eingelassenes Metallband, das das Areal des AAL von Norden nach Süden durchzieht. Wie eine Narbe schneidet es durch das Gelände und hinterlässt eine sichtbare Spur.

Das Band ist jedoch nicht nur optisch wahrnehmbar, sondern lässt sich auch unmittelbar erfahren. Beim Durchqueren des Areals wird es als Schwelle und Wechsel im Bodenbelag spürbar. Auch akustisch macht es auf sich aufmerksam – sei es beim Überfahren oder beim Begehen.

Die Dimension des rund 160 m langen Bands wird durch eine Absenkung der angrenzenden Wiesenfläche zusätzlich hervorgehoben. Entlang seiner beiden Flanken befinden sich Tafeln in unterschiedlichen Höhen, versehen mit Inschriften in Form prägnanter und bedeutungsvoller Aphorismen. Diese Texte stammen von Autorinnen und Autoren aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz und wurden in Zusammenarbeit mit Armeeseelsorgerinnen und Armeeseelsorgern erarbeitet.

Einige der Inschriften ragen nur wenige Zentimeter aus dem Boden. Ein bewusst gewähltes Gestaltungselement, das auf die unermessliche Tiefe des Bands und die Dimension des Erinnerns verweist.

Die Stele als vertikale Verbindung

Einen starken Kontrast zur horizontalen Ausrichtung des Metallbandes bildet die aufrecht stehende, mit Messing verkleidete und leicht gedrehte Stele. Schon von Weitem sichtbar, markiert sie den eigentlichen Gedenkort.

Als vertikale Linie stellt sie symbolisch eine Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Himmel her. Ihre Positionierung ermöglicht den Zugang von allen Seiten – sowohl für Spaziergängerinnen und Spaziergänger aus dem angrenzenden Park als auch für die Angehörigen der Armee aus dem Ausbildungszentrum.

Ein Licht an der Spitze der Stele erinnert an ein ewiges Feuer und wird zum weithin sichtbaren Zeichen des Gedenkens.

Demut gegenüber dem Schicksal

Das Kunstwerk ist bewusst so gestaltet, dass es Menschen auf unterschiedliche Weise und entsprechend ihrer persönlichen Lebenssituation berühren kann: trauernde Angehörige, ehemalige und aktive Armeeangehörige, Kader und Soldaten ebenso wie Menschen, die den Ort zufällig auf ihrem Spaziergang entdecken.

Dabei drängt sich der Gedenkort nicht auf. Vielmehr tritt er mit einer Haltung der Demut gegenüber dem Schicksal der Verstorbenen und dem Verlust ihrer Hinterbliebenen in Erscheinung. Seine zurückhaltende, zugleich eindrückliche Gestaltung lädt dazu ein, innezuhalten, wahrzunehmen und sich mit dem Thema Verlust und Erinnerung auseinanderzusetzen.

Der Gedenkort schafft Raum für persönliche Gedanken und stille Anteilnahme. Er sensibilisiert unsere Wahrnehmung und trägt dazu bei, Dankbarkeit, Anerkennung und Würdigung gegenüber den Verstorbenen lebendig zu halten.

So wird «Monumoira» weit mehr als ein Mahnmal: Es ist ein Ort der Begegnung, der Besinnung und des gemeinsamen Erinnerns.
 

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