Drei Pro­jekte für eine hohe Bau­kul­tur

Am 11. Juni 2026 wurden im Théâtre Équilibre in Fribourg die Auszeichnungen des Prix SIA 2026 verliehen. Die Fachjury, eine Jury aus Studierenden sowie das Publikum haben unabhängig voneinander ihren jeweiligen Favoriten gekürt. Forêt urbaine du quartier de l’Étang, Gässli 5 und Mobilis in Mobili gehen als Gewinnerprojekte hervor.

Date de publication
12-06-2026

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) würdigt mit dem Prix SIA innovative und interdisziplinäre Projekte und Prozesse im Bereich der Baukultur, die zu einer nachhaltigen Gestaltung des Lebensraums Schweiz beitragen. Rund 250 Personen sind am 11. Juni 2026 ins Théâtre Équilibre nach Freiburg gereist, um der Preisverleihung des Prix SIA beizuwohnen. 

Zu Beginn der Veranstaltung, moderiert von Judit Solt, Chefredaktorin espazium magazin und Camille Claessens-Vallet, Redaktorin espazium revue, diskutierten im Rahmen eines «Dialog der Generationen» Ariane Widmer und Daniel Bührer als Vertreter der Fachjury sowie Claire Caron (Joint Master of Architecture, Genf) und Marie Leuba (Master HES-SO en travail social) als Vertreterinnen der Studierendenjury über die Herausforderungen in der Bewertung. «Um so unterschiedliche Projekte zu vergleichen, braucht es eine Betrachtung aus mehreren Perspektiven», fasste die Moderatorin Judit Solt die Diskussion am Schluss zusammen.

Preis der Fachjury

Die Fachjury hat die 183 eingereichten Projekte nach den acht Kriterien des Davos Qualitätssystems für Baukultur beurteilt und sechs Projekte auf eine Shortlist gesetzt. Nur wenige Stunden vor der Preisverleihung hat sich die Fachjury final entschieden: Der Jurypreis Prix SIA 2026 geht an Forêt urbaine du quartier de l'Étang in Vernier (GE), des Teams um apaar_ atelier paysage et architecture, CERA, Géométres associés Ney & Nurni, Aebischer & Bovigny und SCRASA. Jurypräsident Tivadar Puskas lobt die Arbeit: «Mit dem Projekt haben die Verfassenden eine grüne Insel für die Bewohnenden des Quartiers geschaffen. Ein solches Projekt gelingt nur durch Interdisziplinarität – es braucht die Zusammenarbeit von Architekturschaffenden, Städteplanern, Wasserbauingenieurinnen und Landschaftsarchitekten.» Das in grosser Zahl anwesende junge Team ist überwältigt von ihrem Gewinn. «Wir sehen einen grossen Sinn in unserer Arbeit, weil die Kinder von morgen in der Welt leben, die wir heute gestalten», so Séraphin Hirtz, Partner bei apaar_ atelier paysage et architecture.

Preis der Studierenden

Wie die Fachjury definierte auch die Studierenden-Jury eine Shortlist mit sechs Projekten, aus denen sie ihr Gewinnerprojekt bestimmten: Gässli 5 in Grabs (SG) des Teams Allen + Crippa, Merz Kley Partner, Lehm Ton Erde, Spektrum Bauphysik, SiBeN AG, Feuz Gebäudetechnik, Gschwend GmbH und Egga Holzbau machte bei den Studierenden das Rennen. «Gässli 5 ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Erhalt historischer Bausubstanz und sozialer Netzwerke im ländlichen Raum», begründeten die Studierenden ihre Wahl. Timothy Allen, Architekt des Siegerprojekts, erläuterte, was dem Projekt zum Erfolg verhalf: «Man muss vor Ort sein und mit den Leuten sprechen. Erst mit der Zeit haben die Dorfbewohnenden das Projekt akzeptiert und mitgetragen.»

Der Semesterkurs an der HTA-FR war ein pädagogisches Experiment, das sowohl Teilnehmende wie auch Lehrbeauftragte als grossen Erfolg beurteilten. Die Studierenden entwickelten ihren eigenen Bewertungsprozess, erprobten Formen der gemeinsamen Entscheidungsfindung und lernten, ihre Meinung in einem interdisziplinären Gremium zu verteidigen.

Publikumspreis

Über den dritten Preis entschied das Publikum. Während der vergangenen sechs Wochen konnten Interessierte für ihre drei Favoriten online abstimmen. Mehr als 1800 Personen beteiligten sich und wählten als Siegerprojekt Mobilis in Mobili in Lugano (TI). Mit Hilfe eines digitalen Toolsets machten die Projektbeteiligten (Archimethod und UrbanMetrix) komplexe Umweltdaten räumlich lesbar und nutzten diese als Basis für den Entwurf.

Auf dem zweiten Platz ist das Immeuble Normandie in Genf. École de Pont-Rouge in Lancy (GE) belegt den dritten Rang.

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