Ta­gung zum Rück­bau von Kern­kraft­wer­ken

Aus den Berufsgruppen: Umwelt und Ingenieure

Im Dezember 2019 soll das Kernkraftwerk Mühleberg stillgelegt werden. Die Arbeit der Ingenieure fängt jedoch dann erst richtig an.

Date de publication
15-06-2018
Revision
15-06-2018

Derzeit produzieren die vier Kernkraftwerke (KKW) der Schweiz gut 40 % des nationalen Gesamtstroms. Im Jahr 2011 beschloss der Bundesrat den Ausstieg aus der Atomenergie. Ökonomische Überlegungen haben da­zu geführt, dass die BKW (Bernische Kraft­werke) 2013 entschieden, als erste Anla­ge 2019 das KKW Mühleberg abzu­schalten. Stilllegung und Rückbau eines Kernkraftwerks sind für Schweizer Ingenieure nach dem Gotthard-Basistunnel die nächste grosse technische Herausforderung.

Die gesamte Stilllegung einschliesslich Nachbetriebsphase dauert 15 bis 20 Jahre und kostet geschätzte 800 Mio. Fr. Das entspricht etwa den Baukosten eines neuen KKW. Hinzu kommen 1.3 Mrd. Fr. für die Entsorgung im Tiefenlager. Bisher ist hierzulande kein Atomkraftwerk rückgebaut worden, ebenso muss das Tiefenlager noch gebaut werden. Das technische Wissen und die Erfahrung im Umgang mit der Entsorgung von radioaktivem Material muss folglich grossteils erarbeitet oder aus dem Ausland geholt werden.

Am 13. September 2018 laden die Berufsgruppen Umwelt und Ingenieure des SIA daher Interessierte zu der Fachtagung «Ingenieur­technische Herausforderungen beim Kernkraftwerk Rückbau» ins KKW Leibstadt ein. Nach einem Überblick zur Strategie des Rückbaus und der Entsorgung durch das Bundesamt für Energie wird die Schliessung des KKW Mühleberg thematisiert. In 15 Jahren, bis 2034, wird die Betreiberin BKW das Werk im direkten Verfahren stilllegen und rückbauen und das Areal der Bevölkerung zurückgeben.

6000 Tonnen radioaktiver Abfall

Während das KKW Mühleberg in der Schweiz das erste Kernkraftwerk ist, das stillgelegt wird, verfügt Deutschland bereits über einige Erfahrungen auf diesem Gebiet. Unsere Nachbarn konnten bereits Konzepte für den Rückbau entwickeln. Mit Marlies Philipp hat der SIA eine Fachfrau eingeladen, die über ihre mehr als 20-jährige Erfahrung mit dem Rückbau des KKW Lubmin berichten wird. Mittags findet eine Werksführung statt. Dabei wird ersichtlich, wie komplex eine solche Anlage ist und weshalb ein Rückbau derart anspruchsvoll ist.

Am Nachmittag wird zunächst auf den Rückbau des Tragwerks eingegangen. Rund 98 % eines KKW besteht aus nicht kontaminiertem Material. Die restlichen 2 %, etwa 6000 Tonnen, sind hoch radioaktiv und müssen verschlossen ins Endlager transportiert werden. Während der Rückbauphase werden rund 200 Personen auf der Baustelle beschäftigt sein. Abschliessend wird geklärt, wo der radioaktive Bauschutt, die Brennelemente sowie das kontaminierte Wasser deponiert werden und welche technischen Her­ausforderungen hier auf die Planer warten.

Die Nagra, das technische Kompetenzzentrum für die Entsorgung radioaktiver Abfälle,  plant den Bau von zwei geologischen Tiefenlagern, eines für hochaktiven und eines für schwach- und mittel­aktiven Abfall. Die Lager sollen in einer Tiefe von 500 bis 600 m liegen und die Zugänge durch technische Barrieren gesichert werden.

Carmen Kreienbühl-Rovina, MSc Umweltnaturwissenschaften ETH, Koordinatorin BGU des SIA
Evelyn Coleman Brantschen, Forst­ingenieurin ETH, BGU-Präsidentin

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