Klare Kante und sen­sible De­tails

Baukultur regional: ausgezeichnete Solothurner Architektur

Die Architekturauszeichnungen des Kantons Solothurn gingen 2016 an das Umbaukonzept fürs Theater der Kantonshauptstadt sowie an die Multifunktionshalle in Oensingen. Fünf Anerkennungen wurden vergeben.

Date de publication
01-12-2016
Revision
01-12-2016

Zum inzwischen siebten Mal hat der Solothurner Regierungsrat 2016 die «Architekturauszeichnungen Kanton Solothurn» vergeben – in Kooperation mit der SIA-Sektion Solothurn und dem Kantonalen Kuratorium für Kulturförderung. Die Jury zeichnete zwei der 34 eingereichten Projekte aus, fünf weitere Bauten erhielten eine Anerkennung. 

Seit 1998 verleiht der Kanton die Architekturaus­zeichnung im Drei-Jahre-Turnus für besonders gelungene Bauten in der Region. Die Auszeichnungen gingen gleichrangig an das Umbaukonzept für das Stadttheater Solothurn durch phalt Architekten, Zürich und Solothurn, sowie an den Neubau ­einer Multifunktionshalle mit Aussensportanlage für die Gemeinde Oensingen durch das Büro ffbk ­Architekten, Münchenstein/Basel.

Ursprüngliches freigelegt 

Beim Solothurner Stadttheater galt es, die bestehende Hülle des Saals auf ihre primäre Tragstruktur der originalen Holzbalken aus dem 17. Jahrhundert und der später hinzugefügten Gusseisenstützen aus dem 19. Jahrhundert behutsam rückzubauen. Der gesamte Saalausbau wie die Bestuhlung, die Beleuchtung, die Brüstungen, das Portal, die Deckenausbildung sowie die akustisch wichtigen Saalrückwände wurden massgeschneidert neu entwickelt, wobei sich der Innenausbau farblich an den restaurierten barocken Brüstungsmalereien orientierte, die bei der Vorbereitung der Sanierung wiederentdeckt worden waren. Zudem war die technische Infrastruktur komplett zu erneuern. 

Sehen und Gesehenwerden

Das Foyer öffnet sich nach der Sanierung zweiseitig zur Theater- und zur Fischergasse. Damit wird das Theater nicht nur gegen aussen hin besser wahrgenommen, sondern ist auch leichter zugänglich geworden. Das Foyer umfasst jetzt mehrere Geschosse, sodass dort dem «Sehen und Gesehenwerden» aus­giebig gefrönt werden kann.

Die vierköpfige Jury, zu der neben Architektinnen und Architekten aus der Region auch SIA-Präsident Stefan Cadosch ge­hörte, würdigt die Ausdauer der Bauherrschaft sowie die Umsicht der Architekten und ihren durchdachten Umgang mit der historischen Substanz des Hauses.

Wohltuend rhythmisiertes Volumen 

Die zweite Auszeichnung ging an die Multifunktionshalle Oensingen nebst ihren Aussen­sport­anlagen. Die kombinierte Sport- und Veranstaltungshalle wurde von ffbk Architekten im Auftrag der Einwohnergemeinde Oensingen errichtet.

Weil sich das Untergeschoss unter Geländeniveau befindet, wirkt das Gebäude von aussen betrachtet eingeschossig, sein erhebliches ­Volumen wird nicht zu dominant. Die grossen Fenster in der hellgrauen Sichtbetonfassade sind relief­artig leicht nach innen versetzt und geben Einblicke auf das tiefer liegende Spielfeld. Im Innern wirken die grossformatigen Fenster fast wie Landschaftsbilder auf der Wand – und inszenieren in der Wahrnehmung der Nutzer durch ihre Anordnung und Blickbeziehungen die Umgebung. Auch der grosse, etwas abgesenkte Eingang trägt zur Rhythmi­sierung der Fassade bei. Das lange Volumen der Halle wird so immer wieder wohltuend durchbrochen. 

Zeitlose Qualitäten

Die Jury würdigt den vorbildlichen Umgang der Planer mit den Bedürfnissen der Vereine und der Schule und die architektonische Umsetzung auf höchstem Niveau: «Zurückhaltende, auf die oben erwähnte Art gesellschaftlich relevante sowie handwerklich sorgfältige Architektur gilt es unbedingt auszuzeichnen», heisst es im Jurybericht – weil sie zeitlose Raum- und Nutzungsqualitäten aufweise. Sie verspreche zudem, in der Nutzung und Handhabung denkbar unkompliziert und flexibel zu sein. Das Resümeé der Preisrichter: «Mit der Multifunktionshalle in Oensingen hat es die ffbk Architekten AG geschafft, all diese Eigenschaften in einem Bau zu vereinen.»

Der SIA Schweiz gratuliert den Bauherrschaften sowie den Architekten und beteiligten Fachplanern der ausgezeichneten Bauten wie auch den mit Anerkennungen bedachten Büros herzlich!


Architektur-Auszeichnungen Kanton Solothurn 2016

Die «Architekturauszeichnungen Kanton Solothurn» gingen an:

Umbau Stadttheater, Solothurn
Bauherrschaft: Stadt Solothurn; Architektur: phalt Architekten, Zürich und Solothurn

Neubau Multifunktionshalle/Aussensportanlage, Oensingen
Bauherrschaft: Einwohnergemeinde Oensingen; Architektur: ffbk Architekten, Münchenstein/Basel

Die Anerkennungen wurden vergeben an:

Neubau Wohnpark Hofmatt, Solothurn
Bauherrschaft: Raurach Immobilien, Basel; Architektur: Flury und Rudolf Architekten, Solothurn; Landschaftsarchitektur: Luzius Saurer Garten- und Landschaftsarchitektur, Hinterkappelen

Neubau Primarschule, Kappel
Bauherrschaft: Einwohnergemeinde Kappel; Architektur: Lorenz Architekten, Basel

Umbau Einfamilienhaus Besenval­strasse 68a, Solothurn
Bauherrschaft: Cornelia und Mike Mattiello-Schwaller, Solothurn; Architektur: phalt Architekten, Zürich und Solothurn

Neubau Zeitzentrum, Grenchen
Bauherrschaft: Hochbauamt Kanton Solothurn, Solothurn; Architektur: Bigolin + Crivelli Architekten, ­Grenchen

Kunst am Bau «Aussicht», JVA Solothurn, Deitingen
Bauherrschaft: Hochbauamt Kanton Solothurn; Kunstschaffende: Andrea Nottaris, Olten

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