SIA-Eh­ren­mit­glied­schaft für Alain Ber­set und Bar­ba­ra Buser

Die SIA-Delegierten haben am vergangenen Freitag entschieden, alt Bundesrat Alain Berset und der Basler Architektin Barbara Buser die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Beide setzten sich kontinuierlich und auf verschiedenen Ebenen für eine hohe Baukultur ein. Als Kulturminister förderte Alain Berset durch fortschrittliche Rahmenbedingungen eine nachhaltige Gestaltung unseres Lebensraums, und die Architektin Barbara Buser setzte diese mit ihren Pionierprojekten um.

Die Findungskommission hat den Delegierten im Rahmen ihrer Konferenz der Sektionen und Berufsgruppen zwei neue Ehrenmitglieder zur Wahl vorgeschlagen: alt Bundesrat Alain Berset und die Architektin ETH/SIA Barbara Buser. Die Delegierten nahmen diesen Vorschlag einstimmig an und lobten damit die Verdienste der beiden neuen Ehrenmitglieder für eine hohe Baukultur. Barbara Buser und Alain Berset setzten sich auf unterschiedliche Weise dafür ein, dass sich der gestaltete Raum Schweiz nachhaltig entwickelt. Die feierliche Überreichung der Ehrenmitgliedschaften wird am Abend des 25. Aprils in Fribourg stattfinden.
 

Pragmatischer Einsatz für Umnutzung und Wiederverwendung

Barbara Buser ist Gründerin des Baubüros in situ in Basel und beschäftigt rund 100 Mitarbeitende. Planerinnen und Planer sind für sie Dienstleistende, wie die Architektin in einem Interview kürzlich sagte. «Es gibt nur ganz wenige Ausnahmeerscheinungen, die sich als Künstler ausleben können und Entwürfe machen. Die grosse Mehrheit der Architekten sollte eigentlich den Menschen dienen, die Wohn- und Arbeitsräume brauchen», präzisierte sie. Seit dreissig Jahren stellt sich Buser selbst in den Dienst der Gesellschaft. Sie rettet alte Gebäude, sie baut und nutzt diese Orte um und denkt dabei kreislauffähig – weg vom industriellen Ersatzneubau.

Neben dem Engagement in ihrem Baubüro gründete sie die «Kantensprung Stiftung» zur Förderung von urbanen Transformationen, die Genossenschaft «wohnen & mehr» oder die Bauteilbörse Basel. Ihre Projekte weckten nationales und internationales Interesse. So erhielt sie für das Projekt K.118 in Winterthur an der Biennale 2021 den Global Gold Award der Holcim Foundation for Sustainable Construction. Mit ihrem Team erweiterte Barbara Buser den Kopfbau der Halle 118 mit wiederverwendeten Bauteilen.

Urs Rieder, SIA-Co-Präsident ad interim, erläutert: «Der SIA würdigt Barbara Buser dafür, dass sie kontinuierlich für einen Paradigmenwechsel bei Planenden, im Handwerk und bei Bauherrschaften kämpft. Erhalt statt Abriss und Neubau ist für sie die einzige Lösung, um den CO2-Ausstoss des Bausektors drastisch zu reduzieren. Barbara Buser denkt und handelt ganzheitlich und teilt unsere Vereinsziele.»

Botschafter einer hohen Baukultur für die Schweiz und Europa

Alain Berset setzte das Thema Baukultur als Kulturminister zwischen 2012 und 2023 weit oben auf seine Agenda. In seinen Präsidialjahren 2018 und 2023 lud er die europäischen Kulturministerinnen und -minister im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos zu einer internationalen Baukultur-Konferenz ein. Dieser Einfluss auf politischer Ebene führte zur Erklärung von Davos, in der sich die europäischen Staaten darauf verständigten, eine hohe Baukultur politisch und strategisch zu verankern. Auf der 2018 verabschiedeten Erklärung beruhen das «Davos Qualitätssystem für Baukultur» und die «Davos Baukultur Allianz». Alt Bundesrat Berset setzte sich ausserdem dafür ein, dass die Baukultur Eingang in die Kulturbotschaft des Bundes fand.

«Der SIA dankt alt Bundesrat Alain Berset für seinen steten Einsatz als Kulturminister. Das Davoser Qualitätssystem betont den ganzheitlichen Ansatz einer hohen Baukultur, den wir nur durch interdisziplinäres Wirken der Planenden und gemeinsam mit der Politik erreichen können», so Alain Oulevey, Co-Präsident ad interim.

Für den SIA bildet es eine wichtige Grundlage. Unter anderem setzt der Verein das System für die Jurierung des Prix SIA ein – die Schweizer Auszeichnung für eine nachhaltige Gestaltung unseres Lebensraums, die im kommenden Mai erstmals verliehen wird. Zudem basieren darauf die Case Studies auf der Webplattform baukulturschweiz.ch.

Verwandte Beiträge