Her­ku­les re­fres­hed

Kolumne

Publikationsdatum
14-11-2019

An der Kantonsschule gehörten die griechischen Sagen zum Pflichtstoff – zumindest zu meiner Zeit. Im Deutschunterricht erfuhren wir einiges über die Ar­gonauten, den Trojanischen Krieg, die Irrfahrten des Odysseus und über Herakles’ heroische Taten. Seitdem sind über fünfundzwanzig Jahre verstrichen. Meine Er­inne­rung an diese Heldengeschichten bröckelt bereits – genau wie die Fassade der ehemaligen Herkules-­Fabrik in Menziken. Wie dazumal der Sohn des Zeus vollbrachten auch die Tüftler und Büezer an der ­Herkulesstrasse grosse Taten. Von 1900 bis 1913 produzierte Carl ­Weber-Landolt hier Automobile und Lastkraftwagen. Das Modell «6 PS» etwa hatte einen Einzylindermotor und erreichte bis zu 30 km/h.

Heute dienen die Herkules-Hallen nur noch als Lager für ausgemusterte Autos. Im Dorf und im Netz munkelt man, dass ein Investor an dieser Stelle neue Wohnbauten hinstellen möchte. «Das Quartier an der ­Herkulesstrasse soll aufgefrischt werden», heisst es. Die modernen Helden brauchen Platz zum Wohnen. Diese sagenhafte Aufbruchstimmung hat mich ­angesteckt: Gleich heute Abend werde ich in den Keller gehen und den Band mit den griechischen Sagen hervorholen, damit ich mein bröckelndes Gedächtnis ebenfalls wieder auffrischen kann.

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