Grenz­un­ter­schrei­tun­gen

Kolumne

Publikationsdatum
09-01-2020

Verkehrte Welt am Hauptzoll Konstanz-Kreuzlingen: An einem Schalter des Schweizer Zollamts sitzen zwei deutsche Uniformierte und fertigen im Akkord Ausfuhrscheine ab. Bekanntlich kann sich der gemeine Schweizer vermittels dieser Stempelabdrücke bares deutsches Steuergeld zurückholen. Freitags und samstags bilden sich ausserhalb des Gebäudes ­lange Schlangen; ob der Parkplatz­suche gerät der Rückreiseverkehr in die Schweiz ins Stocken.

Wer jedoch seine Einkäufe, aus welchem Grund auch immer, erst am Sonntag einführen möchte, den fordert ein schnödes Pappschild dazu auf, sich das begehrte Dienstsiegel im deutschen Zollamt zu holen. Doch dieses ist, ach, vom Schweizer Zoll durch eine Autobahn getrennt. Für eine Handvoll Euro mag freilich niemand sein Leben riskieren, und so gilt es, einen schier endlos anmu­tenden, kalt ausgeleuchteten Tunnel zu durchwandern. Eine veritable Sonntagsstrafe. Nach kleiner Odyssee durch die ­weit­läufige Anlage bekommt man vom deutschen Zöllner seine Trophäe.

PS: Stempelfreunde, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein. Seit 1. 1. 2020 stellen deutsche Geschäfte die Scheine erst ab einem Waren­­wert von 50 Euro aus – um die Zollstellen zu entlasten. Den Grundstein im Tunnel wird künftig wohl kaum noch jemand bewundern.

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