Zwis­chen Fluss und Schie­nen

Die Qualität des Depots Hard liegt in der Verbindung scheinbar widersprüchlicher Anforderungen: Das Projekt verbindet hohe Dichte, Wohnqualität, Infrastruktur und Gewerbe auf engem Raum und reagiert zugleich auf das historische Tramdepot und den städtischen Kontext. Morger Partner verschmilzt dafür Block- und Hochhausbauweise zu einem zusammenhängenden Ensemble.

Date de publication
13-10-2026

Das Industriequartier im Zürcher Kreis 5 hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem Stadtteil mit Gewerbeflächen, Kulturstätten, Wohnraum und Büros gewandelt, von denen viele mittlerweile in die Höhe wachsen. Die Nachfrage nach Wohnraum führte zur Sanierung von Arbeiterwohnungen und zum Bau neuer Gebäude – darunter die von Morger Partner im Keil zwischen Limmat und Hardturmstrasse errichtete Siedlung, die aus einem im Jahr 2015 gewonnenen Wettbewerb hervorging.

In Bezug zueinander

Die beiden Hochhäuser, die sich aus dem Sockel erheben, eröffnen einen Dialog mit verschiedenen Stadtbausteinen. Aus der Nähe betrachtet, stehen sie in direkter Beziehung zu den gegenüberliegenden Gebäuden an der Hardturmstrasse: den Escher-Terrassen und dem Swisscom-Tower. Aus grösserer Entfernung treten sie in einen Bezug mit dem monolithischen 118 m hohen Swissmill-Silo sowie dem 70 m hohen Turm des Löwenbräu-Areals und dem kristallinen Prime Tower. 

Weitere Beiträge zum Thema Hochhäuser finden Sie in unserem digitalen Dossier.

Das Projekt von Morger Partner umfasst die Sanierung und Integration des Tramdepots von 1911 mit seinen Wartungs- und Reparatureinrichtungen, eine Wohnanlage mit 197 Wohnungen für rund 550 Bewohnende sowie acht Einzimmerwohnungen und zehn Gewerbeeinheiten.

Damit verbindet das Depot Hard geschickt Wohnungsbau, Gewerbe und die Infrastruktur eines historischen Tramdepots. Es reagiert auf die besondere Situation zwischen Limmat, Hardturmstrasse und den bestehenden Gebäuden des Depots. Statt eines durchgehenden, 30 m hohen Blockrands, wie im Wettbewerb anvisiert, entwickelten die Architekten einen niedrigeren Sockel und verlagerten einen Teil des Bauvolumens in zwei Hochhäuser. Damit blieb die historische Struktur stärker ablesbar und zugleich entstand eine prägnante städtebauliche Markierung.

Open Space

Das Zentrum der Anlage bildet ein halböffentlicher Innenhof auf dem Dach des Depots. Der längliche Raum wird von zweigeschossigen Baukörpern gefasst und ist direkt mit den Duplexwohnungen und Gemeinschaftsräumen verbunden. Ein filigranes, sechseckiges Muster strukturiert den mineralischen Boden und setzt sich in den Pflanzgefässen fort. Der Hof übernimmt damit sowohl eine soziale als auch eine räumlich verbindende Funktion.

Auf der Stadtebene verläuft entlang der südlichen, zur Stadt hin gerichteten Seite das Trottoir mit Eingängen zu den Wohneinheiten und den Gewerbeflächen. Auf der Nordseite verläuft ein Fuss- und Radweg mit Zugang zu den Studios und freiem Blick auf die Limmat. Im Westen und Osten endet das Ensemble aus neuen und bestehenden Teilen jeweils in einem offenen Bereich, der von Tramschienen durchzogen ist.

Typologische Diversifizierung und bauliche Innovation

Die 197 Wohnungen sind entsprechend den unterschiedlichen Gebäudetypen organisiert. In den niedrigeren Gebäudeteilen befinden sich zweigeschossige Reihenhäuser mit 3.5, 4.5 und 5.5 Zimmern. Ihre Wohnbereiche liegen im Erdgeschoss, die Schlafzimmer darüber. In den Hochhäusern befinden sich vier Wohnungen pro Geschoss, mit 2.5, 3.5, 4.5 und 5.5 Zimmern, sowie eine 1.5-Zimmer-Einheit.

Die Fassadengestaltung knüpft an die industrielle Vergangenheit des Orts an und verbindet die unterschiedlichen Nutzungen zu einem einheitlichen Gesamtbild. Die Fassaden folgen einer einfachen, modularen Komposition. Vertikale Fensteröffnungen prägen die Wandflächen. Die vorgefertigten, sandgestrahlten, quadratischen Platten aus Recyclingbeton verleihen den Gebäuden eine robuste, industrielle Erscheinung. Das Fassadenraster variiert zwischen geschlossenen, teilweise geschlossenen und offenen Modulen.

Kunst und Landschaft ergänzen die Architektur. Renate Busers «Rear Window» zeigt am Eingang eine vergrösserte Fotografie des historischen Tramdepots. Auf dem Nordturm befindet sich Yves Netzhammers kinetische Skulptur «Der ungezähmte Horizont», die an das frühere Rösslitram erinnert. Die Dächer der Hochhäuser sind mit Photovoltaikmodulen belegt. Auf den niedrigeren Gebäudeteilen entsteht dagegen eine naturnahe Dachlandschaft nach einem Konzept von Stauffer Rösch. Sie orientiert sich am Prinzip des «Animal-Aided Design» und schafft Lebensräume für Wildbienen, Insekten und Vögel.

Morger Partner gingen beim Gebäudeensemble Depot Hard einige Fragen anders an, als man es aktuell bei anderen Schweizer Hochhausprojekten sieht. Kompaktheit statt expliziter Zurschaustellung des Tragwerks, monochrome Gestaltung statt Farbe, horizontale Fassadenöffnungen statt horizontaler Bandfenster. Der deutlichste Unterschied scheint aber der kritische Ansatz zu sein: Das Architekturbüro setzte sich über die Bedingungen eines Wettbewerbs hinweg, um eine bessere städtebauliche Anordnung zu erreichen, und bereichert damit die Debatte über Hochhäuser am Ufer der Limmat.

Dieser Artikel wurde erstmals in espazium quaderni 5/2026 unter dem Titel «Tra il fiume e i binari» veröffentlicht. Die vorliegende Übersetzung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und an­schliessend von der Redaktion überarbeitet.

Eigentümerschaft
Stadt Zürich, vertreten durch Liegenschaften 


Bauherrschaft
Stadt Zürich, vertreten durch Amt für Hochbauten


Architektur
Morger Partner Architekten, Basel


Baumanagement
Caretta Weidmann Baumanagement, Zürich


Tragwerksplanung
Ulaga Weiss, Basel


HLKS-Planung
Anex Ingenieure, Zürich


Elektroplanung
WSMAG, Zürich


Landschaftsarchitektur
Stauffer Rösch, Basel


Geschossfläche (SIA 416)
46 660 m² (inkl. Tramhalle, VBZ, Gewerbe, 
Technik, Verkehrsflächen etc.)


Höhe
Hochhaus Süd-West (65 m, 22 Geschosse), Hochhaus Nord-Ost (68 m, 23 Geschosse)


Kunst am Bau
Renate Buser (Haupttreppenhaus), 
Yves Netzhammer (Dach)

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