«An mei­nem Be­ruf gefällt mir am bes­ten, die Wünsche zu er­fas­sen»

Clemens Blum ist der neue Präsident der Zentralkommission für Ordnungen (ZO). In einem Gespräch lässt er sich auf den Zahn fühlen. Dabei beleuchtet er seine berufliche Laufbahn und welche Anliegen ihm in seinem neuen Amt besonders wichtig sind. 

Date de publication
19-11-2025

«Ich lerne ständig interessante Leute kennen, die sich enorm engagieren», fasst Clemens Blum in einem Satz die ersten Monate in seinem Amt als Präsident der Zentralkommission für Ordnungen (ZO) zusammen. Er wurde im Mai 2025 an der SIA-Delegiertenversammlung zum neuen ZO-Präsidenten gewählt. Blum ist Inhaber des Architekturbüros cbl architectes in Lausanne und verfügt über ein breites Spektrum an Kompetenzen in der Planung, Gesamtleitung, Realisierung und Beratung.

Architekt per Zufall

Auf die Architektur ist er zufällig aufmerksam geworden. Obwohl es Architekten in seiner weiteren Familie gibt, dachte er nie daran, in diese Richtung zu gehen. Als es darum ging, sich für ein Studium zu entscheiden, bauten seine Eltern gerade. So trat die Architektur in seinen Fokus. Insbesondere, weil ihn die Verbindung von Gestaltung und Technik sowie von Kunst und Konstruktion ansprach. 

«Mittlerweile gefällt mir an unserem Beruf am besten, die Wünsche und Bedürfnisse der Bauherrschaft sowie der Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen und eine pragmatische und ansprechende Lösung zu entwickeln», beschreibt Blum seine Faszination für den Beruf. 

Mitglied der Kommission SIA 102 und SIA 131

Auf die Frage, wie seine berufliche Laufbahn ihn auf das Amt als ZO-Präsident vorbereitet habe, antwortet er: «Als Architekt mit eigenem Büro bin ich es gewohnt, Projekte und Sitzungen zu leiten, Themen und die Richtung vorzugeben sowie alle Beteiligten zu koordinieren.» Bei seinen Projekten versuche er stets herauszuhören, was die tiefergehenden Bedürfnisse und Wünsche sind, die hinter den Anforderungen stecken. Diese Herangehensweise sei in seinem neuen Amt ebenfalls sehr hilfreich. 

Blum ist auch im SIA-Universum kein Unbekannter. Seit 2021 ist er Mitglied der Kommission SIA 102 Leistungen und Honorare der Architektinnen und der Architekten. Zudem engagierte er sich bei der LHO-Revision, zunächst in der Arbeitsgruppe Qualität, später in verschiedenen weiteren Arbeitsgruppen. Darüber hinaus ist er seit 2022 Mitglied der Kommission SIA 131 Projektbezogenes Qualitätsmanagement im Bauwesen.

Herzensangelegenheit öffentliche Wahrnehmung

Das Thema Qualität, das ihn im Rahmen der LHO-Revision und als Mitglied der Kommission SIA 131 begleitet hat, ist ihm ein grosses Anliegen. Daneben beschäftigen ihn die übergeordneten Themen Baukultur, Kompetenz oder auch Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz. «Zu diesen Themen leisten die Normen und Ordnungen einen wichtigen Beitrag», ergänzt Blum.

Und dann ist da noch seine Herzensangelegenheit – die öffentliche Wahrnehmung der Planungsberufe. «Ich erlebe, dass unsere Berufe in der Gesellschaft teilweise nicht verstanden werden: Wofür sind wir da? Was genau machen wir?», ergänzt Clemens Blum seine Antwort nach den Anliegen, die ihm als ZO-Präsidenten besonders wichtig sind. Man müsse der Öffentlichkeit zeigen, welchen Mehrwert die Planungsberufe für ein Bauvorhaben bringen. 

Ein zentraler Teilaspekt dieses Anliegens ist für ihn der Gesellschaft aufzuzeigen, warum 20 bis 25 % der Kosten eines Bauvorhabens für Honorare anfallen. «Viele verstehen nämlich nicht, dass der Mehrwert der Planerinnen und Planer die Honorare teils deutlich übersteigen kann», führt Blum weiter aus. Genau deshalb hat er sich vor Jahren dazu entschlossen, sich aktiv im SIA zu engagieren – um den Mehrwert der Planungsbranche in der Gesellschaft sichtbar und auf diesen aufmerksam zu machen. 

Planen mit Blick auf die Nutzenden

Um dieses Ziel zu erreichen, hilft ihm auch seine Haltung, dass es beim Planen und Bauen mehr um die Nutzenden als um ihn als Architekten geht. Er findet, dass Bauen etwas sehr Demokratisches an sich habe. Auch wenn die Bauherrschaft die Projektziele und Projektanforderungen und die Architektin oder der Architekt die Gestaltung sowie die Ausformulierung des Projekts bestimme, so gehe es um etwas Grösseres – es gehe um diejenigen, die den Bau benutzen und betrachten. 

«Der Bau wird noch stehen und genutzt werden, wenn die Bauherrschaft und ich schon längst vergangen sind», führt er seine Gedanken fort. Denn im Prozess gebe es nicht nur die Bauherrschaft und die Planenden, die ein Gestaltungsbedürfnis haben, sondern das gelte für alle Projektbeteiligten. «Ich unterstelle den allermeisten Beteiligten, dass sie Lust haben, unseren Lebensraum mitzugestalten, dass sie mehr wollen, als nur ihr tägliches Brot zu verdienen.» 

Zu dieser Sicht passt auch, dass er den Umgang mit Menschen mit teilweise sehr verschiedenen Hintergründen und aus unterschiedlichen Milieus sowie das Erkennen und Fördern der Expertise jedes Einzelnen anregend findet.

Stimme der Westschweiz im SIA

Ein weiteres Anliegen ist ihm die stärkere Vertretung der Westschweiz und der kleinen Planungsbüros innerhalb des SIA. Dafür bringt er alles mit, was es braucht, um dieses Ziel umzusetzen: Blum ist mit der deutschen und französischen Sprache aufgewachsen. Seit zehn Jahren führt er ein Architekturbüro von mittlerweile vier Personen. 

Von Lausanne aus bearbeitet er Projekte in zahlreichen Westschweizer Kantonen. Entsprechend ist er mit den Gegebenheiten in der Romandie bestens vertraut. Zudem ist er seit 2017 Analyst für das Observatoire des marchés publics romands (OMPr), eine Beobachtungsstelle für das öffentliche Beschaffungswesen in der Westschweiz. 

Darüber hinaus gibt er Kurse im Rahmen eines CAS an der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) in Freiburg. Seine Frau hält ihm bei den vielen Tätigkeiten den Rücken frei. Da sie selbst in leitender Position in einer grossen Organisation tätig ist, kann sie ihn in Fragen des Managements, der Rekrutierung und der Führung von Mitarbeitenden mit wertvollen Ratschlägen unterstützen. 

Den Ausgleich zu seinem vollen beruflichen Terminkalender findet er im Handwerklichen, häufig auch mit seinen drei Kindern, die gerne mitanpacken. Im vergangenen Jahr haben sie beispielsweise gemeinsam ein Chalet in den Bergen renoviert. Man merkt: Clemens Blum ist mit Leidenschaft Architekt, auch bei seinem Hobby. 

Sur ce sujet