Day­light Award 2020 ver­lie­hen

Die Preisträger des diesjährigen Daylight Award sind Juha Leiviskä und Russell Foster. Der Finne wird für seine Architektur ausgezeichnet, der Brite für seine Forschung. Zur Feier des 40. Jahrestags der Erstverleihung (1980 an Jørn Utzon) wird Henry Plummer (USA) für sein Lebenswerk geehrt.

Date de publication
22-05-2020

Juha Leiviskä ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Architekten Finnlands. In seinen Arbeiten gelingt es ihm, Tageslicht zu einem integralen Bestandteil seiner Gebäude zu machen. Er kombiniert emotionale Reize, Funktionalität und eine subtile, aber spannende Präsenz von Licht als Teil der räumlichen Erfahrung. Im aktuellen Kontext der Bedeutung von Architektur für die Umwelt und der Nutzung natürlicher Ressourcen ist die Arbeit von Leiviskä zu Tageslicht heute besonders relevant.

«Tageslichtlösungen in der modernen Architektur basieren normalerweise auf Variationen des Zenithlichts oder schmalen Dach- oder Wandschlitzen, um das Licht an den Oberflächen des architektonischen Raums entlangzuführen. Leiviskäs Licht ist ein schräges Licht, das sowohl direkt auf vertikale Oberflächen trifft als auch reflektiert wird, um Erfahrungen von geschichtetem Licht mit einem ausgeprägten Eindruck von Tiefe zu erzeugen.(...) Ein besonders subtiler Effekt in seinen Lichtartikulationen ist die Verwendung von reflektierter Farbe, die Farbe zu einem sich ständig ändernden, kinetischen und pulsierenden Phänomen macht.

Die Farben werden heller und verblassen dann, erscheinen und verschwinden je nach Intensität und Richtung des Sonnenlichts, wie beim Atmen. Bei der Gestaltung von Wohngebäuden achtet Leiviskä gleichermassen auf die Qualität und Intensität des Tageslichts für den Sehkomfort und das Wohlbefinden der Bewohner. Dabei geht er ruhig, einfach und raffiniert vor, ohne Effekthascherei», erklärt die Jury.

Daylight Award 2020 für Forschung

Professor Foster ist Direktor des Nuffield Laboratory of Ophthalmology und Leiter des Instituts für Schlaf- und zirkadiane Neurowissenschaften an der Universität von Oxford, Grossbritannien. Ihn interessiert, wie der zirkadiane Rhythmus und der Schlaf-Wach-Rhythmus erzeugt und moduliert werden. Professor Fosters frühe Forschung beschäftigte sich mit der Transplantation einer bestimmten Gruppe von Gehirnzellen von einer Hamsterrasse in eine andere. Auf diese Weise konnte er zeigen, dass das Gehirn die innere Uhr des Körpers steuert.

Seine anerkannteste wissenschaftliche Entdeckung war die einer speziellen Zelle im Auge, die als Lichtsensor fungiert und die Körperuhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus auf den Tag-Nacht-Zyklus ausrichtet. Ohne diese Zelle würde unsere Synchronität mit dem Tagesrhythmus verloren gehen. Diese Entdeckung hat fundamentale Grundsätze des Wissens über die Auswirkungen von Licht auf biologische Systeme und die menschliche Physiologie verändert.

Heute verbringen wir durchschnittlich 90% unseres Lebens in Gebäuden, und das Licht, dem wir ausgesetzt sind, wird hauptsächlich durch die bebaute Umwelt gesteuert. Die Architektengemeinschaft würdigt die Arbeit von Professor Foster, in der die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Folgen von Licht ermittelt werden sowie die Antwort darauf, wann und wie das Eindringen von Licht gefördert und wann es reduziert werden sollte.

«Russell Fosters klinische Studien am Menschen befassen sich mit wichtigen Fragen zum Thema Licht. Wie beeinflusst das Morgenlicht den Schlaf? Warum ist Licht in der Nacht gesundheitsschädlich? Letztlich haben die Antworten auf solche Fragen die medizinische Welt in verschiedenen Bereichen beeinflusst, (...). Indem er das neuronale Substrat für einen nicht visuellen Lichtweg zum Gehirn identifiziert hat, hat er den starken und weitreichenden Einfluss von Licht auf die menschliche Gesundheit aufgezeigt», so die Jury.

Daylight Award 2020 für das Lebenswerk

Henry Plummer ist ein Architekturwissenschaftler, der seine Karriere der Erforschung des Tageslichts in der Architektur gewidmet hat. Als emeritierter Professor unterrichtete er Architekturgeschichte und Design am Center for Advanced Study der University of Illinois Urbana-Champaign. Seinen MArch-Abschluss absolvierte er am MIT, studierte Lichtkunst bei dem Künstler, Fotografen, Pädagogen und Kunsttheoretiker György Kepes und lernte Fotografie bei Minor White.

Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, die die transformative Kraft des Tageslichts in der Architektur aufdecken. Sie zeigen, dass Plummer in seiner Art, architektonisches Licht in unterschiedlichen kulturellen, klimatischen und geografischen Kontexten zu untersuchen und zu fotografieren, einzigartig ist.

Dieses interkulturelle Engagement reicht von der Rolle des Lichts in der japanischen Architektur – als Ergänzung zu Jun'ichiroTanizakis Klassiker «Lob des Schattens» – bis zu seiner Bedeutung in der nordischen und der Shaker-Architektur. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, multisensorische Erfahrungen hervorzuheben und zu vermitteln – in seinen Bildern und Schriften, insbesondere im Zusammenspiel von Stille und Licht. Plummers Studien erfassen das flüchtige, spirituelle und metaphysische Phänomen des Lichts für zukünftige Generationen.

Über den Daylight Award


Der Daylight Award ehrt und unterstützt die Tageslichtforschung und die Nutzung von Tageslicht in der Architektur zum Wohle von Mensch und Umwelt. Der Preis legt besonderen Wert auf die Wechselbeziehung zwischen Theorie und Praxis.


Der Daylight Award wurde von den philanthropischen Stiftungen Villum Fonden, Velux Fonden und Velux Stiftung ins Leben gerufen und wird alle zwei Jahre in zwei Kategorien verliehen: der Daylight Award für Forschung und der Daylight Award für Architektur. 2020 werden ausnahmsweise drei Preisträger bekannt gegeben, einer der Preise wird zur Feier des 40. Jubiläums des allerersten Daylight Award verliehen. Es handelt sich um persönliche Preise, die jeweils mit 100'000 Euro dotiert sind.


Weitere Informationen finden Sie unter www.thedaylightaward.com

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