Auf Er­folg­skurs

Die Form-Reihe «SIA-Kompass – Honorarermittlung» bietet angesichts der aktuellen LHO-Entwicklungen eine willkommene Hilfe bei der Kalkulation von bürointernen Stundenaufwänden und -ansätzen. Ein Teilnahmebericht.

Date de publication
10-07-2019

Mit über 20 Teilnehmenden aus hauptsächlich kleineren und mittleren Architekturbüros war die Pilotdurchführung «SIA-Kompass – Honorarermittlung für Architekten» bereits lang vorab ausgebucht. Nicht nur die geografische Herkunft der Teilnehmer, sondern auch deren Erwartungen an den Kurs waren unterschiedlich. Viele kamen, um die Praxis der Kosten- und Honorarermittlung kennenzulernen.

Einige ersehnten sich Methoden zur Bestimmung von ­bürointernen Kostenansätzen, um die eigene Schmerzgrenze für Ho­norarverhandlungen in Erfahrung zu bringen. Andere wiederum erhofften sich eine Spiegelung der eigenen ­Methoden. Auf einen Nenner bringen liessen sich jedenfalls die ­Gründe, die zur Kursteilnahme moti­vier­ten: die unter Druck geratenen Planungshonorare und die aktuellen Entwicklungen in den Leistungs- und Honorarordnungen (LHO) nach der Rüge der Wettbewerbskom­mission vom vergangenen Jahr.

Alsdann startete die Veranstaltung nach einer kurzen Begrüssung und Vorstellungsrunde mit einem Inputreferat von Isabella Mambretti (SIA) zur Historie und zur Gegenwart der LHO. Sie gab ­einen Rückblick auf bisherige Revisionen und erläuterte die Auswirkungen der bevorstehenden Neupublikation per Anfang 2020. Dabei entstand für die Teilnehmenden die Gelegenheit, Fragen einzubringen und so mit allfälligen Unklarheiten im Hinblick auf den Rückzug von Artikel 7 beziehungsweise vom Zeitaufwandmodell aufzuräumen.

In einem zweiten Teil vermittelten Vertreter der Beratungsfirma BDO die Grundlagen zur ­­Ge­meinkostenberechnung und Stun­densatzermittlung. Die Teil­neh­menden erfuhren anhand der ­Theorie und eines praktischen Beispiels, wie produktive Stunden und ­auftragsbezogene Leistungen als Referenzgrösse erfasst und im Brutto­lohnmodell daraus Mitarbeiterhonoraransätze berechnet werden können. Dabei erwies sich die BDO durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem SIA und deren Mitgliedern als Branchenkennerin, die betriebswirtschaftliche Grundsätze gut in die Planungswelt zu übersetzen vermag.

Im abschliessenden Referat stellte Martin Eglin (Eglin Schweizer Architekten) sechs unterschiedliche Methoden vor, wie ohne das bekannte SIA-Zeitaufwandmodell auftragsbezogene Honorare ermittelt werden können. Mit diesen Vorgehensweisen zeigte er eigene, erwä­genswerte und mit den Grundsätzen des BDO-Referats korrespondierende Ansätze. Die vorgestellten Praktiken bieten nicht bloss Alternativen zum SIA-Modell, sondern können gar einzelne Schwächen des Letztgenannten ausmerzen.

Die abschliessende Fragerunde und Diskussion zeigten, dass der Rückzug von Artikel 7 der LHO angesichts solcher Alternativen sicherlich verkraftbar sein wird. Auch schaffen die vermittelten Kursinhalte die Grundlage für eine aufwandbezogene Honorarkalkulation und öffnen Türen für eine Rückkehr des Unternehmergeists in die Planerbranche.

Unterstützung bei dieser Entwicklung bietet ein umfassendes Fortbildungsangebot des SIA mit weiteren Form-Kursen und Webinaren (vgl. «Kursangebote zum Thema»). Bei der Pilotdurchführung des Kurses fühlten sich auffallend viele erfahrene Berufsleute angesprochen – bleibt also die Herausforderung, mit dem breiten Kursangebot auch Branchenneulinge zu erreichen.
 

Kursangebote zum Thema
 

Der SIA erweitert die Kompass-Reihe zur Honorarermittlung im zweiten Halbjahr 2019 für weitere Berufsgruppen (Bauingenieure und Gebäudetechniker). Daneben finden weitere Durchführungen zur Honorarermittlung für Architekten und eine Kursreihe zur administrativen Kennzahlenermittlung statt.

Ausserdem bietet das Start-up-Unternehmen «kennwerte» eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform namens kennwerte.ch zur Kosten- und Terminschätzung für den Hochbau. In vier Schritten werden zuerst die ­ad­ministrativen und quantitativen Objektdaten eingegeben, dann die Komplexitäts- und Qualitätsmerkmale festgelegt, aus einem umfassenden Datenbankabgleich eine Kosten- und Terminschätzung erstellt und schliesslich die Ergebnisse validiert. Mit der Methode lassen sich auch Betriebs- und Unterhaltskosten schätzen. Der SIA bietet zusammen mit «kennwerte» Webinare zur digitalisierten Baukostenschätzung an.

Weitere Informationen zum SIA-Kompass und zu den Webinaren zur digitalisierten Baukostenschätzung unter: www.sia.ch/form