Der Aus­bau der Au­to­bahn ents­taut diese nicht

Kommentar

Der Stau auf den Schweizer Autobahnen wächst und wächst. Der Bundesrat plant deshalb rund 13.5 Milliarden Franken in den Kapazitätsausbau der Nationalstrassen zu investieren. Das allein wird dem Stau aber nicht den Garaus machen.

Date de publication
09-03-2018
Revision
09-03-2018

An die 800 Mio. Fr. kosten uns gegenwärtig die Staus auf unseren National­strassen. Der insbesondere in den letzten zehn Jahren rasant, sprich von 10 000 auf 24 000 Stau­­stunden pro Jahr angewachsene Stillstand auf unseren Autobahnen hat einen hohen volkswirtschaftlichen Preis. Dem Bundesrat einen zu hohen. Er will deshalb zur Reduzierung des Staus bis 2030 rund 13.5 Mrd. Fr. in den Aus­bau der Nationalstrassen investieren. Das gab Bundesrätin Doris Leuthard Mitte Januar bekannt.

Dass die Bundesregierung gedenkt, dem Stillstehen auf den Autobahnen mit deren Erweiterung entgegenzuwirken, ist begrüssenswert. Aber, das zeigen die gemachten Erfahrungen seit Inbetriebnahme des ersten Autobahnstücks 1955 und vor allem ein Blick auf die vergangenen 25 Jahre: Nachhaltig entstauen wird das unsere Autobahnen nicht. Von 1990 bis 2016 haben wir unser Nationalstrassennetz um 23 % oder von 1495 auf 1840 km erweitert. Im gleichen Zeitraum sind die Bevölke­rung und deren Motorisierungsgrad um je 25 % und die durchschnittliche Autotagesdistanz pro Person um 11 % gewachsen.

In der Folge haben sich das Verkehrsaufkommen auf unseren Autobahnen verdoppelt und die Staustunden sage und schreibe verzwölffacht. An­­ders formuliert: Dem heutigen Stauwachstum mit dem Ausbau der Strasse zu begegnen ist in etwa so wie der Versuch, mit einem Teelöffel ein über ein faustgrosses Loch volllaufendes Boot leer zu schöpfen. Wenn uns das Stillstehen auf der Autobahn und die dadurch ver­ursachten Kosten wirklich stören und wir tatsächlich etwas da­gegen unternehmen wollen, brauchen wir in Ergänzung zur Ausbau­strategie weitere und wirksamere Massnahmen.

Eine davon ist sicherlich der paral­lele Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems, wie er mit den Agglomerationsprogrammen bereits erfolgt. Auch das Projekt «Cargo sous terrain», für das die Initianten eben erst die für den Start nötigen 100 Mio. Fr. aufgetrieben haben, könnte Stauabhilfe schaffen – wenn es denn auch realisiert werden sollte.

Das Bundesamt für Strassen pro­g­nostiziert für das unterirdische, automatisierte Gütertransportsystem ein Schwerverkehr-Reduktionspotenzial auf den Autobahnen von gegen 10 %. Erheblich unpopulärer – weil es Benzin und Diesel teurer macht –, zur Verringerung des Verkehrs meines Erachtens aber richtig und wichtig wäre die Umsetzung des vom Parlament 2016 beschlossenen Mineralölsteuer­zuschlags von vier Rappen. Und zwar nicht, wie vom Bundesrat vorgeschlagen, erst ab 2024, sondern schon jetzt.

Wirksame Stauabhilfe ver­spreche ich mir zudem von selbstfahrenden Personen- und Lastwagen. Wenn wir nämlich unsere Fahrzeuge nur noch auf die Nationalstrasse lenken, diese sich dort dann aber selber fortbewegen und steuern lassen können, wird das zu einer erheblichen Effizienzsteigerung unserer Autobahnen führen. Können wir uns doch auf diese Weise von unseren Autos und Lastwagen in viel kürzeren Abständen zueinander und mit viel weniger Unfällen auf der A1 von Zürich nach Genf fahren lassen – wenn wir denn, um noch etwas weiter in die Zukunft zu denken, überhaupt noch fahren.

Die chinesische Firma EHang testet Drohnen zur Personen­beförderung schon seit 2016, und schon in Kürze dürften sie irgendwo auf dieser Welt im Nah-, und mittelfristig auch im Fernverkehr zum Einsatz kommen. Das wird die Strassen enorm entlasten. Und wer weiss, dies vielleicht sogar so stark, dass wir über die Ausbaustrategie noch einmal nachdenken sollten?

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