Ka­nu mit Ski­stö­cken

Text: Danielle Fischer, Redaktorin Architektur TEC21

 

Studierende der ETH Zürich, die am Baustoff Beton interessiert sind, kommen seit 2005 jedes Jahr zusammen und teilen ihr Wissen, um gemeinsam ein Kanu aus Beton herzustellen. Anschliessend prüfen sie die Tauglichkeit der Boote mit anderen Hochschulen an einer Betonkanu-Regatta. 

Publikationsdatum
11-06-2024
ETH Zürich - ETHZ
Architektur
Ingenieurwesen, Bauphysik, Technologie und Wissenschaft


Dieses Jahr fand die Präsentation der Ergebnisse am 31. Mai auf dem Campus Hönggerberg statt. Es wurden zwei Kategorien vorgestellt: das Bachelor- und das Recycling-Kanu. Für das Bachelor-Kanu fertigte die Gruppe einzelne Bootsteile an, die später über eine Virtual-Reality-App zusammengesetzt werden können. Herausfordernd war es, die Fugen zwischen den Elementen abzudichten. Auch die glatten, mit einer Plastikfolie geschalten Oberflächen müssen möglichst wasserdicht sein und der Nässe für ein paar Stunden standhalten. Nach der Regatta können die Elemente wieder auseinandergenommen und als Möbel genutzt werden, wie der Prototyp eines Stuhls zeigte. 

Die Kategorie «Recycling» gibt es seit drei Jahren. Diesmal verwendete die Gruppe gebrauchte Skistöcke als Armierung. Wichtig ist den Macherinnen und Machern, jedes Jahr mit einem anderen Material zu experimentieren. In den Vorjahren machten sie Erfahrungen mit Armierungen aus Jeans und Sicherheitsgurten. Andere Hochschulen, die ebenfalls Kanus gestalten, legen Wert auf andere Kriterien: zum Beispiel, dass die Boote möglichst leicht und schnell sind. 

Bedeutend bei dem unter anderem von den Firmen Holcim und Sika gesponserten Projekt sind auch die unterschiedlichen Zement-Mischungen. Vor drei Jahren verwendeten die Ingenieure und Ingenieurinnen Susteno 3, der in Deutschland noch gar nicht zugelassen war. So konnten sie zeigen, was möglich sei, erzählt Jonas Calörtscher vom Betonkanu Verein der ETH Zürich. Auf die Frage, welche Erkenntnisse die Beteiligten gewonnen haben, antwortet er: «Dass Materialien, die Feuchtigkeit aufsaugen, ungeeignet sind, um sie als Armierung für Beton zu nutzen.» Vor zwei Jahren gelang die Komposition mit Jeans erst, als sie diese anfeuchteten, bevor sie betonierten. 

Die Studentinnen und Studenten freuen sich nun auf die Regatta, bei der sie in Brandenburg auf der Havel gegen andere Hochschulen antreten. Sie gewinnen nicht immer – aber bei der Bewertung des innovativsten Boots sind sie meist ganz vorne mit dabei.

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