Mehr als nur Be­lag

Editorial TEC21 37/2020

Publikationsdatum
02-12-2020

Der Mensch ist ein Fussgänger, sagt Bergsteigerlegende Reinhold Messner. Er hat wohl recht – ist doch der menschliche Körper auf diese Fortbewegungsart ausgerichtet. Allerdings hat es die gesamte sonstige Evolution nicht vermocht, das Rad zu erfinden – das hat der Mensch sich selbst ersinnen müssen. Die Sumerer hatten vielleicht als Erste den Dreh raus, doch auch der Raum Zürich ist ganz vorn mit dabei, wenn es um das erste funktionierende Rad geht. Eine Radscheibe aus dem Neolithikum, etwa 3200 vor Christus, wurde 1976 an der Seefeld­strasse ausgegraben. Kurz nach diesem Sensationsfund begann der Bau der Autobahn A1L durch Schwamendingen. Heute wird sie eingehaust, denn die vielen Räder, die über die Stras­sen rollen, werden eher als Heimsuchung angesehen.

Die Faszination des Fahrens ist aber nach wie vor ungebrochen. Zigtausende Fahrzeuge benutzen täglich die Auto­bahnen der Schweiz und erfordern deren immer wiederkehrende, teure In­standsetzung. Letztere zielt oft gleich noch darauf ab, die Strassen ein Stück weit leistungsfähiger zu gestalten. Begrenzte Kapazitäten machen das zu einem schwierigen Unterfangen, mit Nebenwirkungen: Ein höherer Durchsatz an Autos verlangsamt die einzelne Fahrt. Aber wie sagt ein alter Indianer, der sich nach seiner ersten Autofahrt an den Strassenrand setzt: Er müsse warten, bis seine Seele nachgekommen ist. Wäre er während der Stosszeit auf dem Weg nach Zürich, hätte er dieses Problem wohl kaum.

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