Das Grosse muss durch’s Kleine

Vom Bauen und Brauen

Unser Redaktor Peter Seitz widmet sich während seines zweimonatigen Sabbaticals dem Umbau einer ehemaligen Brauerei und berichtet wöchentlich von seinen Erlebnissen.

Date de publication
05-11-2026

Fünf Meter über dem Boden ist bei mir die erste Etage – und die hat es in sich: An die 20 Tonnen Stahl und Gusseisen stehen im ehemaligen Abfüllraum: Die Flaschenspülmaschine, Förderbänder, Abfüllmaschinen und noch diverse andere Objekte. Hier sollen einmal Kinderzimmer entstehen, was bedeutet: Das Zeug muss hinaus. E

in grosses Problem: Durch die Türen geht das nicht, diese führen immer zu Treppen. Um die Maschinen damals zu montieren, wurde eine Aussenwand herausgerissen und wieder vermauert. Für mich ist das keine wirkliche Alternative. Es bleiben also die Fenster; immerhin haben sie eine Öffnung von etwa 150 × 230 cm, zumindest wenn man ein bisschen nachhilft und den Aluminiumrahmen zurechtsägt. 

Das könnte also klappen, wenn die Maschinen klein genug zerlegt werden, was leichter gesagt als getan ist. 60 Jahre alte Schrauben, die in feuchter Umgebung eingedreht sind, lassen sich natürlich wunderbar lösen. Falls überhaupt Schrauben vorhanden sind. Also wird viel geschnitten, die Trennschleifer kommen zum Einsatz. Teilweise auch ein Plasmaschneider, der aber für diese Tätigkeit meist zu schwach ist. Und was auf keinen Fall zu unterschätzen ist: Man muss viel schauen, wie die Maschinen überhaupt zusammengesetzt sind. Wellen, Getriebe, Motoren, Stahl, Gusseisen, Messing …  Wenn irgendein Teil in der falschen Reihenfolge abgetrennt wird, kann es problematisch, gar gefährlich werden. Also Schnitt um Schnitt geht es voran. Jedes Teil ein Sieg. Die Teile werden kleiner, leider wird der Raum nicht grösser. Einfach zum Fenster hinauswerfen wäre zu heftig, schliesslich brauche ich keine Kometeneinschläge auf dem Asphalt im Hof. 

Als dann das allermeiste zerlegt am Boden liegt, ein Abrollcontainer für Schrott im Hof steht, gibt es eine Wochenendaktion. Dann gibt es nämlich einen Sonderpreis auf die Miete eines 6-m-Teleskopladers. Seine Schaufel reicht gerade bis unter die Fensterbrüstung. Ein «Kran» an die Decke geschraubt und am Boden abgestützt und dann kommen die alten, noch vorhandenen Rollenbänder zum Einsatz. Über sie haben früher die vollen Bierkisten die Abfülle ins Lager verlassen, das ein Stockwerk unterhalb liegt. Über sie rollen nun die geschnittenen Stahlteile in die Laderschaufel und von dort in den Container. Am Montagmittag ist der Raum kaum wiederzuerkennen. Beinahe leer ist er. Ein gusseisernes Fundament bleibt vorerst noch. 

Als der Container abgeholt wird, unterschätzt der Fahrer anfangs das Gewicht. Beim ersten Aufladeversuch heben die Vorderräder des LKWs vom Boden ab. Also Hebelarm verkürzen, dann klappt es. Und dann fahren sie dahin, die schweren Teile, die jahrzehntelang ihren Dienst taten. Ein paar spezielle Stahlteile habe ich aber aufgehoben. Aus denen lässt sich später bestimmt noch etwas «Cooles» machen. Bis dahin stehen sie aber mehr als einmal im Weg herum und genieren bei Arbeiten. Aber das muss man als Ingenieur einfach hinnehmen, denn auch der Ingenieur geniert ja überall. Zumindest behaupten das manchmal die Handwerker.

Hier gibt es weitere Beiträge aus der Serie «Vom Bauen und Brauen».

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