Zusammenspiel der Massstäbe
Der höhere der Zwillingstürme der Pilatus Arena in Kriens misst 113 m. Damit ist er – mit dem höchsten der Three-Point-Towers in Dübendorf – das höchste Wohnhochhaus der Schweiz. Die Autorin unserer Schwesterzeitschrift espazium quaderni wirft einen Blick aus dem Tessin auf die Pilatus Arena.
Vier Minuten vom Bahnhof Mattenhof in Kriens entfernt steht die Pilatus Arena, aus deren Sockel zwei Wohntürme wachsen. Zusammen bilden sie einen dichten Gebäudekomplex, der die gesamte Parzelle belegt und sich in den Kontext der umliegenden Bauten einfügt.
Der Bau entstand auf dem bis dahin von Wiesen geprägten Entwicklungsgebiet Mattenhof. Ziel war eine Sporthalle, die den Anforderungen der höchsten Spielklassen in Handball, Tennis, Volleyball, Basketball und Unihockey entspricht. 2017 gewann das Projekt von Giuliani Hönger Architekten den internationalen Wettbewerb.
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Während vergleichbare Projekte Sport und Wohnen in separaten Volumen anordneten, wie etwa die Allmend Sports Arena, verbindet die Pilatus Arena die beiden Wohntürme und die Sportarena zu einem einzigen Baukörper. Die physische Verschmelzung der Volumen spiegelt sich auch wirtschaftlich: Die Wohntürme und die Gewerbeflächen tragen die Kosten der Arena mit.
Kontextbezogener Sockel
Die ebenerdige Sportarena bindet die Überbauung selbstverständlich ins Stadtgefüge ein, organisiert Besucherströme flüssig und ist frei von architektonischen Barrieren. Städtebaulich nimmt der gemeinsame Sockel der Türme zunächst die Traufhöhe der Umgebung auf, bevor er mit einer rund 6 m breiten Auskragung entlang der längeren Gebäudeseite in den öffentlichen Raum vortritt. Die Auskragung überdacht die öffentliche Promenade und verbindet Bahnhofplatz und Mattenplatz. Im Innern des auskragenden Gebäudeteils befindet sich das verglaste Foyer, der «städtische Balkon», der die Arena zu einer leuchtenden Box macht und das Publikum anzieht.
Die kompositorische Klarheit zeigt sich auch im Tragwerk: eine vorfabrizierte Betonbasis mit den Tribünen, die Foyerebene und ein grosses Dach, das das schwebende Foyer trägt und den Baukörper zusammenfasst. Acht Hauptträger aus Stahl überspannen das Spielfeld auf rund 47 m und tragen ein begrüntes, mit Photovoltaik belegtes Dach. Die Träger ruhen auf Betonstützen und ragen fast 10 m über das Arenavolumen hinaus.
Im Innern der Arena richtet sich alle Aufmerksamkeit auf das Spiel: Das Spielfeld (46 × 47 m) besitzt eine kräftige blaue Farbe, während Wände, Decke und Tribünen in Anthrazit
gehalten sind. Teleskoptribünen erlauben verschiedene Konfigurationen; die Anlage umfasst 1300 feste und 2700 flexible Sitzplätze.
Wohnen über der Arena
Das 50 m hohe Hochhaus mit Mietwohnungen am Mattenplatz nimmt die Höhe des Nachbargebäudes auf. Der Wohnturm am Bahnhofplatz wurde Ende August 2026 fertiggestellt und ist mit 113 m und 36 Geschossen das höchste Gebäude im Kanton Luzern. Insgesamt umfasst der Wohnkomplex 372 Miet- und Eigentumswohnungen. Beide Türme haben einen polygonalen Grundriss, der sich an das Grundstück anpasst und die Wohnräume prägt, während die Zimmer orthogonal bleiben.
Im höheren Turm gibt es drei Wohnungstypen: unten kompakte sogenannte «Movement-Units» für kurze Aufenthalte, darüber mittelgrosse Wohnungen im mittleren Preissegment, zuoberst die grössten und teuersten Einheiten mit 2.8 m Raumhöhe und zweiseitigem Ausblick auf die Alpen. Grosse Fenster bis 40 cm über dem Boden mit integrierter Sitzbank sowie die Halbloggia verbinden Wohnung und Landschaft.
Die Fassaden machen die innere Aufteilung ablesbar: grosse Glasflächen bei den Wohnräumen, vertikale Betonelemente bei den Schlafzimmern, Halbloggien für Plastizität, durchlaufende Pilaster und Gesimse für den Rhythmus. Gemeinschaftliche Angebote wie Sauna und Veloputzraum sowie ein Gemeinschaftsraum mit Solarium zuoberst sorgen trotz hoher Dichte für Geselligkeit im Freien. Die Photovoltaikanlage auf dem Arenadach unterstützt den Gebäudekomplex zusätzlich energetisch.
Die Pilatus Arena zeigt, wie eine Sportinfrastruktur für ein wenig entwickeltes Gebiet zu einem urbanen Instrument wird, das wirtschaftliche Tragfähigkeit, Wohndichte und öffentlichen Raum verbindet. Trotz seiner Grösse fügt sich der Komplex ins Stadtgefüge, ohne sich aufzudrängen. Stattdessen entsteht eine auf Proportionen und Kontextbezüge entworfene Komposition. Sinnbildlich dafür steht die leichte Drehung der Türme gegenüber der Ausrichtung des Sockels – eine sanfte Abweichung, die die volumetrische und programmatische Eigenständigkeit gegenüber dem Sportzentrum unterstreicht.
Dieser Artikel wurde erstmals in espazium quaderni 5/2026 unter dem Titel «Contrappunti di scala» veröffentlicht. Die vorliegende Übersetzung und Zusammenfassung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschliessend von der Redaktion überarbeitet.