Res­sour­ce­nef­fi­zient in die Höhe

In Zürich Altstetten entstehen seit einiger Zeit viele neue Wohnhoch­häuser. Eines davon stellte pool Architektur im Februar 2026 fertig: den Alto Tower. An der Ecke Baselstrasse/Freihofstrasse unweit des Letzi-Stadions setzten sie das 26-stöckige Gebäude zwischen zwei bestehende Hallen aus den 1950er-Jahren.

Date de publication
28-09-2026

Die historische Shedhalle an der Freihofstrasse wurde früher als Autogarage von Fiat genutzt und die Oberlichthalle diente als dazugehöriger Ausstellungsraum. Das Ensemble grenzt an die Baslerstrasse, die seit 2023 als eine der ersten Velovorzugsrouten Zürich Altstetten mit dem Hauptbahnhof verbindet. Der Alto Tower reiht sich in eine Abfolge von Hochhäusern ein: Selbstbewusst ragt er zwischen den vier Türmen der Wohnsiedlung Hardau II aus den 1960er-Jahren und dem 2022 fertiggestellten Hochhaus Basilisk in die Höhe. Direkt nebenan kommt ein weiterer 60 m hoher Turm in der Wohnsiedlung Letzigarten zu stehen, deren Fertigstellung 2030 geplant ist.

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Zusammen im Boot

Die Bauherrschaft steckte von Anfang an das Ziel, die effektiven Hebel für nachhaltiges Bauen zu erkennen und umzusetzen. Es war schnell klar: Das ist nur mit einem interdisziplinären Planungsteam möglich, das früh zusammen an den Tisch kommt. Als pool Architektur den Auftrag erhielt, holten sie umgehend Fachplanende mit ins Boot und entwickelten das Projekt gemeinsam mit Schnetzer Puskas Ingenieure, Durable Planung und Beratung sowie Makiol Wiederkehr.

Dabei drehte sich alles um die Frage, wie man ein Hochhaus ohne voreiligen Entscheid für ein Material möglichst ressourcen­effizient bauen kann. Zu Planungsbeginn erwog man noch eine Primärstruktur aus Holz. Da jedoch von der Bauherrschaft eine Sprinkleranlage unerwünscht war, hätte ein Holztragwerk mit dem Abbrandzuschlag zu beträchtlichen Querschnitten geführt, weshalb die Wahl auf eine Tragstruktur aus Beton fiel.

Einen wichtigen Baustein für die Ressourceneffizienz legten Schnetzer Puskas Ingenieure, indem sie die Betondecke rein nach den statischen Erfordernissen dimensionierten, statt wie heute üblich die Gebäudetechnik in die Decke zu integrieren. Die Trennung von Tragstruktur und Haustechnik erleichtert zudem den Unterhalt und die Rückbaufähigkeit.

Nachhaltigkeitshebel

Dank des kleinen Fussabdrucks mussten nur vier Achsen der Shedhalle weichen; beide historischen Hallen blieben als baugeschichtliche Zeugnisse und zur Erhaltung grauer Energie bestehen. In der verbliebenen Shedhalle hat sich ein Grossverteiler eingemietet, während die Oberlichthalle an der Baslerstrasse neu als Stadtloggia fungiert. In der allseitig offenen Halle sollen Märkte, Ausstellungen und andere für die Öffentlichkeit bestimmte Aktivitäten stattfinden. Auch das bestehende Untergeschoss wurde vollständig erhalten und wo nötig lokal verstärkt und möglichst wenig ergänzt.

Rundumblick

Die aktuellen «Richtlinien für die Planung und Beurteilung von Hochhausprojekten» des Amts für Städtebau der Stadt Zürich gab es beim Planungsstart des Alto Towers noch nicht. Deshalb erarbeitete pool Architektur die raumplanerischen Anforderungen des Hochhauses in enger Zusammenarbeit mit dem Baukollegium. Im ersten Obergeschoss siedelten sie den Gemeinschaftsraum mit Aussenterrasse auf dem Dach der Shedhalle an.

Die umlaufenden Bandfenster in den Wohnungen präsentieren einen Panoramablick über Zürich. Das Fenstersims bietet mit 68 cm eine angenehme Höhe, sodass weder die Grosszügigkeit noch das Sicherheitsgefühl darunter leiden. In Längsrichtung ist die letzte Achse des Primärtragwerks rund einen Meter von der Fassade weggerückt – die Fensterecken bleiben so frei von Stützen. Die dreiseitig umschlossenen Loggien mit Faltfenstern schützen vor Wind; sie sind unbeheizt, liegen aber im Wärmedämmperimeter und dienen so als Vier-Jahreszeiten-Zimmer.

Vom Bestand abgeschaut

Die Tragstruktur der bestehenden Shedhalle inspirierte das Planungsteam in zwei Aspekten: Einerseits motivierte das nur 7 cm dicke Betondach auch zu Materialeffizienz beim Neubau und zum anderen spannt die vorgefertigte Primärstruktur analog der Shedhalle in Längsrichtung des neuen Hochhauses.

Mit dem Entscheid für eine Skelettkonstruktion aus Beton anstatt aus Holz konnten die Planenden die Primärstruktur filigraner bemessen und zusätzlich in Längsrichtung jede zweite Stützenachse sparen. Die Primärträger spannen über 8 m, sind quer im Abstand von 3.6 m angeordnet und ermöglichen eine Reduktion der sekundären Tragplatte aus Ortbeton auf 14­ cm Dicke. Darüber ist die Elektroverteilung in einer 6 cm starken Schüttung verlegt.

Die ressourcenoptimierte Tragstruktur ist auch dank dem direkten Lastabtrag möglich geworden. Die symmetrische Struktur mit zentrischem Erschliessungskern gewährleistet eine effiziente horizontale Aussteifung und lässt zu, die Fassade frei von aussteifenden Elementen zu halten. Der Kern ist wie die vorgefertigten Stützen und Träger aus Primärbeton erstellt, während alle weiteren Bauteile aus Recyclingbeton bestehen. Im Vergleich zu einem Standardhochhaus der gleichen Dimensionen konnten rund 330 t CO2 eingespart werden.

Für Durable Planung und Beratung lag die Herausforderung darin, die Schallschutzanforderungen mit nur 14 cm Beton und 6 cm Schüttung einzuhalten, da bis zum Zeitpunkt der Projektierung keine Daten einer vergleichbaren Konstruktion mit einer so schlanken Betondecke vorlagen. Nach vorgängiger Überprüfung und nachträglicher Messung durch zwei weitere Bauphysikbüros zeigte sich, dass die Decke sogar die erhöhten Schallschutzanforderungen einhielt.

Mit Brandversuchen zum Ziel

Die Fassade aus Glaselementen mit integrierter Photovoltaik ist laut Plan-E bei Hochhäusern besonders effizient, da sie viel Fläche bietet und auch bei tiefem Sonnenstand viel Strom liefert; sie deckt 10–15 % des Gesamtenergieverbrauchs.

Um das Gewicht der Fassadenbrüstungen möglichst klein zu halten, fiel der Entscheid auf vorfabrizierte Holzrahmen­elemente. Sie mussten aus brandschutztechnischen Gründen vollständig mit nicht brennbarem Material bekleidet werden. Aufwendige Brandversuche an drei nachgebauten Etagen simulierten den Brand aus einem Fenster und bewiesen die Einhaltung der Schutzziele.

Der Alto Tower ist das erste Hochhaus im Kanton Zürich, bei dem die Brandsicherheit der Photovoltaikfassade mit einem Brandversuch nachgewiesen wurde. Die positiven Ergebnisse ebnen den Weg für zukünftige Hochhäuser mit PV-Fassade. Auch das statische Konzept hat Vorbildcharakter: Das stark beanspruchte Tragwerk eines Hochhauses wird in der Schweiz wohl auch in Zukunft in den meisten Fällen aus Beton bestehen – umso wichtiger ist es, möglichst ressourcenschonend zu dimensionieren. Das geht aber nur, wenn von Beginn weg alle Disziplinen in den Planungsprozess eingebunden werden.

Wohnhochhaus Alto Tower, Zürich

Bauherrschaft: HIAG Immobilien Schweiz


Architektur: pool Architektur, Zürich


Bauingenieurwesen: Schnetzer Puskas Ingenieure, Zürich


Bauphysik / Nachhaltigkeit: Durable Planung und Beratung, Zürich


Brandschutzplanung: Makiol Wiederkehr, Beinwil am See


Landschaftsarchitektur: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur, Zürich


PV-Planer: Plan-E, Luzern


Totalunternehmung: HRS Real Estate, Zürich


Zertifizierung: SNBS Gold


Geschossfläche (SIA 416): 23 260 m2


Gebäudevolumen (SIA 416): 77 530 m3


Energieversorgung: Luftwärmepumpe, Wärmerückgewinnung aus Abwasser, Fassade mit PV-Anlage


PV-Fläche total: 2861 m2


Totale Leistung PV Dach + Fassade: 312.5 kWp / 18.5 W/m2


Fertigstellung: 2026

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