Südtirol baut auf Holz
Südtirol ist nicht nur bekannt für eine imposante Bergwelt. In der Region verwurzelt ist auch eine Holzverarbeitungsindustrie, die Massstäbe setzt und in die ganze Welt exportiert. Bauteile, Systeme und Möbel entstehen im Zusammenspiel aus Handwerk, Industrie, Hightech und Design.
Wer heute mit Holz baut, braucht mehr als einen guten Zimmereibetrieb: Rohstoff in verlässlicher Qualität, geprüfte Verbindungstechnik, Erfahrung mit Vorfertigung und eine Werkstatt für den Innenausbau. In Südtirol liegen diese Kompetenzen selten weiter als eine Autostunde auseinander. Das hat zu tun mit grossen Waldflächen, alter Handwerkstradition und Betrieben in Familienhand.
Aus der Garage in 70 Länder
Damit aus regional verwurzelten Unternehmen eine global konkurrenzfähige Zukunftsindustrie entsteht, braucht es eine Vielfalt an Tätigkeiten. Ein Beispiel ist Rothoblaas aus Kurtatsch. Die Firma entwickelt Verbinder, Abdichtungen und Absturzsicherung für den Holzbau und andere Baubereiche – geprüft in eigenen Laboren, zugelassen nach internationalen Normen. Was 1991 in einer Garage begann, beschäftigt heute über 700 Menschen in mehr als 70 Ländern.
Die Rubner Gruppe in Kiens, ein Familienunternehmen mit fast hundertjähriger Geschichte, plant und errichtet wiederum anspruchsvolle Holzbauten für ganz Europa – von Dachkonstruktionen bis zu schlüsselfertigen Häusern. Zur Rubner Gruppe gehört auch das Unternehmen holzius, das sich auf den Bau von Massivholzhäusern spezialisiert hat. Die Wand- und Deckenelemente werden ohne Leim und Metall gefertigt und verkeilt und lassen sich am Ende ihrer Lebensdauer ohne Fremdstoffe wieder in ihre einzelnen Bauteile zerlegen.
Nah am Rohstoff
Am Anfang der Kette steht das Sägewerk. Gruber Holz in Morter sägt und hobelt Nadelholz aus der Umgebung, Holzbau Lechner in Prad am Stilfserjoch vereint Zimmerei, Tischlerei und Innenausbau unter einem Dach. Beide sind Familienbetriebe und halten die Wege zwischen Wald, Werkstatt und Baustelle kurz.
Dass Holz auch gestalterisch überzeugt, zeigt Dolomitisch Topographic Furniture aus Bozen. Das Studio verwandelt Satellitendaten beliebiger Berge weltweit in künstlerische Holzwerke für internationale Galerien. Ein Teil wird bei 3D Wood in Gröden gefräst, wo 400 Jahre Schnitztradition auf CNC-Technik treffen.
So bleibt die Holzindustrie in Südtirol regional verwurzelt und baut gleichzeitig aus einem Rohstoff eine Zukunftsindustrie, die weltweit Abnehmer findet.
