Studiere Umdenken – MSc Integrierte Bau- und Energiesysteme
Dekarbonisierung, Nachhaltige Transformation, graue Emissionen, integrale Planung, Interdisziplinarität, Umbau anstatt Neubau – alles Schlagwörter unserer Zeit aber was bedeuten sie für die erforderlichen Fachkompetenzen im Baubereich und was für die Ausbildung? – ein neuer Studiengang liefert Antworten.
In Planungssitzungen tauchen immer wieder die gleichen Fragen auf, die häufig unbeantwortet bleiben: Welche baulichen Massnahmen senken den CO₂-Ausstoss tatsächlich, welche Materialkombinationen sind realistisch umsetzbar und an welchen Stellen lohnt es sich, neue Wege zu beschreiten? Diese Unsicherheit ist weniger auf fehlendes Wissen zurückzuführen, denn Strategien, Normen und technische Lösungen sind grundsätzlich vorhanden. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, dieses Wissen im konkreten Projekt zusammenzuführen. Entscheidungen entstehen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von Konstruktion, Material, Energie und Nutzung. Genau an diesem Punkt wird Planung komplex und interdisziplinäre Zusammenarbeit anspruchsvoll. In der Praxis zeigt sich, dass diese Zusammenhänge oft nicht ausreichend bewertet werden können. Die Wechselwirkungen sind vielfältig und Zielkonflikte kaum zu vermeiden. Nachhaltigkeit wird dadurch nicht zu einer rein technischen Fragestellung, sondern zu einer Frage der Integration: Welche Lösung ist im gegebenen Kontext sinnvoll, tragfähig und tatsächlich umsetzbar?
Hier setzt der neue Masterstudiengang Integrierte Bau- und Energiesysteme der ZHAW an. Er reagiert auf eine Lücke, die in Planungsteams zunehmend sichtbar wird: Es fehlt an Fachpersonen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und fundierte Entscheidungsgrundlagen erarbeiten können. Diese Rolle ist bewusst nicht als zusätzliche Spezialisierung angelegt. Gefragt ist vielmehr eine systemische Kompetenz, die bestehende Disziplinen ergänzt. Absolventinnen und Absolventen analysieren Varianten, machen Auswirkungen sichtbar und unterstützen Planungsteams dabei, technische, ökologische und wirtschaftliche Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen. Damit entsteht eine neue Qualifikation im Bauwesen, die sich neben Architektur und Bauingenieurwesen positioniert. Sie bewegt sich an den entscheidenden Schnittstellen, an denen Entscheidungen vorbereitet, abgestimmt und verantwortet werden. Diese Position zu besetzen ist zugleich ein Wagnis, da sie verlangt, gewohnte Zuständigkeiten zu erweitern und Verantwortung neu zu verteilen.
Der Studiengang richtet sich entsprechend an unterschiedliche fachliche Hintergründe. Architektinnen und Architekten, Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Absolventinnen und Absolventen aus Umwelt- und Naturwissenschaften werden gemeinsam ausgebildet. Ziel ist es, Kompetenzen aus Architektur, Ingenieur- und Naturwissenschaften zu verbinden und in der Praxis wirksam zu machen. Im Studium werden unterschiedliche Grundlagen gezielt ergänzt und in gemeinsamen Projekten angewendet, wobei die Arbeit an konkreten Fragestellungen im Zentrum steht. Auf diese Weise entsteht die Fähigkeit, komplexe Systeme nicht nur zu verstehen, sondern sie in belastbare und nachvollziehbare Lösungen zu überführen.
Langfristig verändert sich dadurch nicht nur die Qualifikation einzelner Fachpersonen, sondern auch die Zusammenarbeit in Planungsteams. Entscheidungen können früher, fundierter und transparenter getroffen werden, und Fragen, die heute noch offenbleiben, werden Teil eines strukturierten Abwägungsprozesses.
Die sogenannte Winterthurer Schule der ZHAW, eine führende Bildungs- und Forschungseinrichtung in der Schweiz, steht dabei für eine enge Verknüpfung von Forschung und Lehre sowie für einen klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. Die Bau- und Energiewende scheitert heute weniger an fehlenden Vorgaben als an deren Umsetzung. Zwar sind Strategien, Standards und Technologien vorhanden, doch zentrale Fragen zu CO₂-Reduktion, technischer Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Organisation bleiben oft unbeantwortet. Der Masterstudiengang Integrierte Bau- und Energiesysteme setzt genau hier an und befähigt dazu, vorhandenes Wissen systematisch in konkrete, tragfähige und zukunftsfähige Lösungen zu überführen.