Smo­ga­larm: Prä­ze­denz­fall im Tes­sin

Verbot für Dieselfahrzeuge mit Euronorm 3 und schlechter

Die Tessiner Behörde ordnet Sofortmassnahmen und Fahrverbote für den Strassenverkehr an. Der öffentliche Verkehr darf kostenlos benutzt werden. Bis sich die dicke Luft über dem Südtessin wieder gebessert hat.

Date de publication
31-01-2017
Revision
01-02-2017

Die Tessiner Regierung hat als erste Behörde der Schweiz ein temporäres Fahrverbot aufgrund von zu starkem Smog angeordnet. Seit Dienstag, 31. Januar, dürfen ältere Dieselfahrzeuge nicht mehr auf den Kantons- und Gemeindestrassen im Sottoceneri verkehren. Die Sofortmassnahme betrifft Personenwagen und Lkw, die vor rund zehn Jahren oder später zugelassen wurden und mit Motoren der Norm Euro 3 und schlechter unterwegs sind. Mit dem Verbot reagiert die Kantonsbehörde auf die anhaltend hohe Luftbelastung im südlichen Teil zwischen Lugano und Chiasso. Der lokale Feinstaubgehalt stieg zuletzt auf über 120 μg/m3. In der Luftreinhalteverordnung des Bundes ist ein PM10-Alarmwert von 100 μg/m3 festgesetzt; als Grenzwert für den Tagesdurchschnitt gelten 50 μg/m3. Die Situation werde sich gegen Ende Woche entspannen, wenn die bislang stabile und trockene Wetterlage ändern wird, teilt das Dipartimento del Territorio mit. Ein Teil der massiven Smoglage im Südtessin sei durch die Verfrachtung von belasteter Luft aus der Poebene entstanden, führt die Behörde weiter aus.

Gratis öV-Benutzung

Zugleich wird die Wohnbevölkerung aufgerufen, generell auf private Autofahrten zu verzichten und das Beheizen von Häusern nach Möglichkeit zu reduzieren. Denn nicht nur Fahrzeugmotoren oder Reifenabrieb, auch Öl- und Holzfeuerungen verursachen hohe Feinstaubemissionen. Die kantonale Verwaltung selbst wird sich mit Raumtemperaturen von maximal 20 °C begnügen. Und im Sottoceneri werden in den nächsten Tagen nur noch Strassenputzmaschinen der neuesten Generation eingesetzt, um so viel abgelagerten Staub wie möglich aufzunehmen.

Als Ausgleich zu den angeordneten Verkehrsbeschränkungen ist das Benutzen des öffentlichen Regional- und Nahverkehrs auf Strasse und Schiene vorläufig kostenlos. Auf den Autobahnabschnitten Chiasso–Rivera und Mendrisio–Gaggiolo wird zusätzlich eine Tempolimite von 80 km/h eingeführt. Vor 11 Jahren waren in der Schweiz flächendeckende, kurzzeitige Temporeduktionen auf Autobahnen angeordnet worden, wie ASTRA-Sprecher Kurt Rohrbach bestätigt.

Tendenziell sinkende Belastung

Das Eingreifen der Tessiner Kantonsbehörde stützt sich auf ein national koordiniertes Interventionskonzept. Die schweizerische Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz BPUK hatte vor zehn Jahren beschlossen, bei ausserordentlicher Feinstaubbelastung temporäre Sofortmassnahmen einführen zu dürfen. Einige Kantone haben inzwischen ein eigenes Smoggesetz eingeführt, das die gesetzliche Grundlage für Sofortmassnahmen bildet. Im Stadtkanton Genf ist seit diesem Winter ein Interventionsplan im Gespräch, bei dem in Absprache mit den benachbarten französischen Departementen zu einem freiwilligen Automobilverzicht aufgerufen wird.

Wie aussergewöhnlich die Belastung im Südtessin derzeit ist, wird durch den neusten Gotthard-Umweltbericht bestätigt. Das Monitoring des Bundes entlang der Gotthardautobahn hält fest, dass die Luft im Tessin tendenziell besser wird. Zwar schwanken die Feinstaubgehalte im Jahresverlauf stark; dennoch sanken die PM10- Messwerte 2014 erstmals verbreitet unter die Immissionslimite der Luftreinhalteverordnung. Allerdings gilt: Während die Stickoxid- oder Russbelastung hauptsächlich vom Verkehr verursacht wird, sind Industrie, Haushalte sowie Land- und Forstwirtschaft weitere wesentliche Feinstaubquellen.

Weitere Links zur Luftbelastung im Tessin und in der Schweiz

 

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