Zukunft der Ingenieure in ­Europa

Der SIA und Swiss Engineering (STV) bilden seit Gründung der Fédération Européenne d’Associations Nationales d’Ingénieurs (FEANI) 1952 deren Schweizer Nationalkomitee – und stehen somit in kontinuierlichem Dialog mit Ingenieurverbänden aus ganz Europa.

Myriam Barsuglia Responsable SIA-International

Die wesentlichen Themen haben sich seit den Fünfzigerjahren kaum geändert: Im Zentrum steht nach wie vor die ­Förderung der Mobilität von Inge­nieuren in Europa und in diesem Zusammenhang die erleichterte Anerkennung von Titeln und Diplomen, die Qualität von Ingenieurstudiengängen und die Weiterbildungspflicht. In den Vordergrund gerückt ist jedoch über die Jahre die Frage nach dem Image und der Zukunft der Ingenieure in Europa. Ein Thema, das auch die Ingenieure in der Schweiz beschäftigt.

Das FEANI-Nationalkomitee Schweiz hat über die Jahrzehnte seiner Mitgliedschaft immer wieder sein Engagement bei FEANI und den konkreten Nutzen für die Mitglieder der Trägerverbände reflektiert, so zuletzt an einem Strategie-Workshop im Oktober 2016. Dieser wurde unter anderem ausgelöst durch verschiedene kritische Fragen, die von mehreren FEANI-Nationalkomitees aufgeworfen wurden.

Mitreden statt nur klagen

Der Devise «Mitreden statt nur klagen» folgend haben sich SIA und STV bei ihrem Workshop dazu entschlossen, in einer strategischen Arbeitsgruppe von FEANI mitzu­wirken. Dieses Gremium hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lösungsansätze zu entwickeln, um das Engagement der und den Nutzen für die Mitgliedsstaaten insgesamt zu erhöhen.

Derzeit besteht unter den Mitgliedern des Nationalkomitees Schweiz Einhelligkeit, dass allein die Option, über FEANI mit den Anliegen der Schweizer Ingenieure in Brüssel vertreten zu sein, Argument genug ist für eine weitere FEANI-
Mitgliedschaft. Die Impulse aus der neuen Arbeitsgruppe werden künftig die Grundlage bilden, diese Diskussionen fortzusetzen.

Länderübergreifende ­Ingenieurskompetenzen

Ein wichtiger Grund für das Nationalkomitees Schweiz, bei FEANI zu bleiben, ist die Diskussion und Entwicklung einer gemeinsamen Haltung unter den EU-Mitgliedsstaaten und damit verbunden die Möglichkeit, die Definition von Berufskompetenzen der Ingenieure eng mitzuverfolgen. So lanciert die EU in diesem Jahr eine Studie bezüglich eines gemeinsamen Ausbildungsrahmens (sog. «Common Training Framework»). Vorgeschlagen wurden u. a. neue Kriterien für einen europaweit anerkannten Ingenieurtitel. Die FEANI-Mitgliedsländer kritisierten jedoch ein solches Vorhaben, da der konkrete Mehrwert gegenüber dem EURING-Titel unklar ist. Allgemeinen spielt die Förderung der Berufsmobilität innerhalb der EU derzeit eine immer geringere Rolle.

Je mehr das Problem der Berufsmobilität zwischen den EU-Mitgliedsstaaten an Gewicht verliert, desto relevanter werden Fragen des Nachwuchsmangels sowie die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Ingenieure. Aus Sicht von FEANI ist in dieser Situation eine funktionierende Plattform hilfreich, die es den Mitgliedern erlaubt, Erfahrungen und Beispiele auszutauschen. Aus Sicht des Nationalkomitees bietet die FEANI Schweizer Ingenieuren/-innen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Ideen in den Europäischen Raum zu tragen und zudem auf direktem Weg von «Best Practice»-Modellen in anderen Ländern zu erfahren und Elemente davon möglicherweise in die Schweiz zu übertragen.
 

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