Zeugnis der Baukultur

Buchrezension

Um Fragen des Bauens in die Öffentlichkeit zu bringen, hat das Architektur Forum Ostschweiz eine Artikelserie in der Tagespresse lanciert. Auf dieser Grundlage entstand eine eindrückliche Publikation. Seit Kurzem zählt sie zu den schönsten Schweizer Büchern.

Susanne Frank Architektur, Redaktorin TEC21

Wie kann man das Bewusstsein für qualitätsvolles Bauen schärfen, die Diskussion um die regionale Baukultur anregen – und damit eine breite Öffentlichkeit erreichen? Das Anliegen ist nachvollziehbar und das Architektur Forum Ostschweiz hat hierfür die geeigneten Massnahmen ergriffen. Das vorliegende Werk dokumentiert dieses auf eindrückliche und exemplarische Weise.

Diskurs anregen

Die Auszeichnung «Gutes Bauen Ostschweiz» bestand seit 1990 als klassischer Bauherrenpreis. Ziel des Auslobers, dem Architekur Forum Ostschweiz mit Unterstützung durch die Kantone Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, Glarus und Graubünden sowie der Stadt St. Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein, war es, die Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt und deren Qualität in die Öffentlichkeit zu tragen. Aus einer Vielzahl von Eingaben wählte eine wechselnde Fachjury jeweils die besten Gebäude aus. 

Doch die öffentliche Wirkung dieser Auszeichnungen war gering, sie wurde vor allem in Fachkreisen und wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommen, auch in der Tagespresse spielten Fragen der Baukultur und des Bauens allgemein kaum eine Rolle. So entschied sich das Architektur  Forum statt der Auszeichnung eine Artikelserie zu lancieren, die in der Tagespresse Fragen des Bauens auf unterschiedlichen Ebenen diskutieren sollte. Angeregt hatten diesen Schritt vor allem der St. Galler Kantonsbaumeister Werner Binotto und die Architektin Astrid Staufer. Seit dem Sommer 2013 erscheint nun regelmässig eine Artikelserie, verfasst von wechselnden Fachjournalisten (darunter Gerhard Mack, Martin Tschanz, Marina Hämmerle), im «St. Galler Tagblatt» und seinen Kopfblättern sowie im Liechtensteiner «Vaterland». Die Themenvielfalt reicht von Fragen der Raumplanung und des Städtebaus, von Fragen des Landschafts- und Denkmalschutzes bis hin zu Vorstellungen von Bauprojekten im Hochbau oder auch im Infrastrukturbereich. 

Mit der nun erschienenen Publikation «Raum Zeit Kultur. Anthologie zur Baukultur» werden die ersten 31 Artikel, veröffentlicht zwischen 2013 und 2015, in einem Band gebündelt. Der Untertitel, «Anthologie zur Baukultur», verweist darauf, dass die Artikelserie weitergeführt wird und dass die Publikation als Serie angelegt ist. 

Der vom Grafiktrio Samuel Bänziger, Rosario Florio und Larissa Kaspar gestaltete Band stellt die Zeitungsartikel, die zunächst unabhängig voneinander veröffentlich waren, in eine chronologische Abfolge. Die Texte sind dabei samt Titel, Vorspann und Bildlegenden in ein neues Layout überführt und gleich einem Endlosband aneinandergereiht. Das heisst, die Artikel können beliebig auf einer Seite beginnen und enden, wobei der Text immer auf einer linken, die Abbildungen immer auf einer rechten Seite stehen. So entstehen Versprünge zwischen Text und Bildfolgen über die Seiten, die neue Bezüge und Anknüpfungspunkte zwischen den in den Beiträgen diskutierten Themen und Fragestellungen schaffen. Diese in Metathemen zu bündeln, versuchen drei übergeordnete, lesenswerte Essays zu «Stadt und Raum» (Thomas Schregenberger), «Kultur der Landschaft» (Ueli Vogt) und zur Rolle der «Zeit» (Andrea Wiegelmann) und nähern sich so zentralen Fragen der Baukultur aus unterschiedlichen Perspektiven an. Zwei Fotoessays des Fotografen Hanspeter Schiess verhandeln diese Fragen auf fotografischer Ebene. 

Die Gestaltung verknüpft Zeitungsartikel, Essays und Fotoessays grafisch, indem sie jeder Kategorie eigene Positionen im Seitenlayout zuordnet,  was zunächst ungewöhnlich ist und Lesegewohnheiten bricht, jedoch den schönen Nebeneffekt hat, dass sich durch das neu Hinschauen über die Seiten ein Dialog entspannt. Dieses Buch lädt ein, zu entdecken, sich zu vertiefen, Beziehungen herzustellen, sich zu inspirieren. Völlig verdient wurde der Band kürzlich im Wettbewerb um «Die schönsten Schweizer Bücher 2016» mit einer Auszeichnung versehen. Man darf auf die Fortführung dieser Publikation gespannt sein. 

 

Angaben zur Publikation
Architektur Forum Ostschweiz (Hrsg.): Raum.Zeit.Kultur, Anthologie zur Baukultur.
Triest Verlag 2016, 164 Seiten, 120 Abbildungen, 22 × 32.5 cm, Fr. 39.–, ISBN 978-3-03863-019-7

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